Verkehr Schönste Autobahnstrecke soll bald schon Nostalgie sein

Neue Schilder für die alte A 8: Regierungspräsident Wolfgang Reimer, Bundestagsabgeordneter Volker Münz (AfD), Landtagsabgeordneter Hermino Katzenstein (Grüne), Minister Winfried Hermann und CDU-Landtagsabgeordnete Nicole Razavi (von links).
Neue Schilder für die alte A 8: Regierungspräsident Wolfgang Reimer, Bundestagsabgeordneter Volker Münz (AfD), Landtagsabgeordneter Hermino Katzenstein (Grüne), Minister Winfried Hermann und CDU-Landtagsabgeordnete Nicole Razavi (von links). © Foto: Joachim Striebel
Mühlhausen / Joachim Striebel 27.07.2018

Verkehrsminister Winfried Hermann und der Stuttgarter Regierungspräsident Wolfgang Reimer haben in Mühlhausen zwei touristische Schilder für die A 8 enthüllt. Aufschrift: „Schönste Autobahnstrecke Deutschlands“. Ein Schild wird in Mühlhausen am Albaufstieg in Fahrtrichtung München aufgestellt, das andere bei Hohenstadt am Drackensteiner Hang in Fahrtrichtung Stuttgart. „Diese Autobahn ist historisch betrachtet ein Kunstwerk, ein aufwendig und schön gemachtes Bauwerk“, sagte der Landesverkehrsminister, der nicht verschwieg, dass die Strecke 1936 auch fürs Militär gebaut wurde. Die wenigen Autofahrer seien damals von den neben der Straße arbeitenden Bauern freudig begrüßt worden. An diese Zeit sollten die Schilder erinnern, sagte Winfried Hermann (Grüne) im Hof der Autobahnmeisterei.

Heute rollen auf der zweigeteilten Autobahn zwischen Mühlhausen und Hohenstadt täglich rund 70 000 Fahrzeuge. Mit jeweils nur zwei Richtungsfahrbahnen ohne Standstreifen gilt der Abschnitt als Nadelöhr der wichtigen West-Ost-Achse. „Er ist heute nicht mehr leistungsfähig und nicht mehr sicher“, sagte Hermann. Er bekräftigte den Willen des Landes Baden-Württemberg, den neuen Albaufstieg mit drei Fahrstreifen in jeder Richtung möglichst schnell zu bauen. Das Planfeststellungsverfahren sei zehn Jahre lang unterbrochen gewesen. „Der Bund hat so lange gebraucht zu entscheiden, ob es eine Mautstrecke wird oder nicht“, beklagte Hermann. Derzeit liegen die Planunterlagen in den Rathäusern der betroffenen Gemeinden aus. Hermann hofft, 2019 mit vorbereitenden Maßnahmen beginnen zu können. Das Land biete dem Bund an, auch nach 2021, wenn die Zuständigkeit eigentlich wechseln soll, die Planung und Umsetzung weiter zu betreiben. „Wir warten schon zu lange“, sagte der Minister.

 Der Bau des 7,6 Kilometer langen und mehr als 600 Millionen Euro teuren Neubaus, der im günstigsten Fall 2026 fertig sein soll, wird in der Region grundsätzlich begrüßt, Kritik gibt es aber an der geplanten Ausführung. Gruibingen drängt auf einen effektiven Lärmschutz, die Gemeinden auf der Albhochfläche, etwa Merklingen und Laichingen, fordern einen vollwertigen Autobahnanschluss bei Hohenstadt. Vorgesehen ist, dass dort nur Fahrzeuge in Richtung München, nicht aber in Richtung Stuttgart, auffahren können. Das Regierungspräsidium verweist darauf, dass dann der ehemalige Albaufstieg zur Landesstraße und damit zu einem Zubringer zur Anschlussstelle Mühlhausen wird.

Es gab eine Verkehrszählung an der Anschlussstelle Hohenstadt, wo bislang das Auffahren auf die A 8 in Richtung Stuttgart möglich ist. Weil zu diesem Zeitpunkt aber die Ortsdurchfahrt Hohenstadt gesperrt war, kam eine niedrige Zahl heraus. Die Bürgermeister der Alb wurden beim Verkehrsministerium vorstellig. Wie Regierungspräsident Reimer am Mittwoch sagte, wird nun das Verkehrsaufkommen nochmals ermittelt. Nicht mit einer Zählung, sondern mit einer gutachterlichen Untersuchung, die auch den Bahnhof in Merklingen und das geplante interkommunale Gewerbegebiet berücksichtige.

Nach der Fertigstellung der neuen A 8-Trasse werden der alte Albaufstieg und der alte Albabstieg, die beide wegen ihrer besonderen Bogenbrückenarchitektur unter Denkmalschutz stehen,  nicht abgerissen. „Das wäre ein Jammer“, sagte Hermann. Der alte Albaufstieg wird als Umleitungsstrecke genutzt. Am Drackensteiner Hang bleibt der untere Teil als Rettungszufahrt zum geplanten Autobahntunnel erhalten, der obere Teil sollte eigentlich als Forstweg dienen. Winfried Hermann formulierte am Mittwoch eine andere Idee: Mindestens eine asphaltierte Spur belassen – als Skater- und Radlerstrecke.

Beim Bau des Stollens Höhle angeschnitten

Baustellentour Anlass für den Besuch von Verkehrsminister Winfried Hermann und Regierungspräsident Wolfgang Reimer auf der Alb war eine Baustellentour durch den Regierungsbezirk Stuttgart. Eine Station war die Baustelle des Rettungsstollens am Lämmerbuckeltunnel bei Wiesensteig. Von der Ostseite her haben die Mineure den 100 Meter langen Stollen bereits im Rohbau fertiggestellt, von Westen her sind 65 von 120 Metern geschafft. Am westlichen Portal wurde eine Höhle angeschnitten, die sechs Meter lang, 1,5 Meter breit und 1,5 Meter hoch ist. Die Firma Züblin hat das Loch von Höhlenforschern untersuchen lassen.

Sicherheit Der Rettungsstollen sei aus Sicherheitsgründen nötig, sagte Hermann, zumal der Lämmerbuckeltunnel auch nach dem Bau des neuen A 8-Albaufstiegs benötigt werde. Die alte Trasse wird zur Landesstraße.

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