Das Gemisch aus Mist, Gülle und Silage blubbert vor sich hin, ein Fenster gewährt Einblick in den riesigen Behälter. „Das ist das Gas, das sich bildet“, erklärt Landwirt Rainer Schneider. Das Gas wird abgesaugt und in Motoren verbrannt – dadurch entsteht elektrische Energie. Die Maschine erzeugt wiederum Wärme, die oft einfach in die Luft geblasen wird. In der Schnürpflinger Biogasanlage wird diese Wärme weiter verwendet – um dutzende Haushalte im Ort zu beheizen.

Seit vier Jahren in Betrieb

2013 ging die Fernwärmeanlage in der Gemeinde im Alb-Donau-Kreis in Betrieb. Mittlerweile sind 38 Privathaushalte, die Schule, der Kindergarten und die Sporthalle an die Leitungen von Rainer Schneider angeschlossen. Die andere Seite des Orts, in Richtung des Gewerbegebiets „Im Brühl“, wird durch die Anlage von Andreas Schneider versorgt. Er beliefert 43 Wohnhäuser, einige gewerbliche Abnehmer und das Feuerwehrhaus mit Fernwärme.

„Zusammen haben wir ungefähr 60 bis 70 Prozent der Straßen in Schnürpflingen erschlossen“, sagt Rainer Schneider. Verwandt sind die beiden Landwirte übrigens nicht miteinander – es ist reiner Zufall, dass sie den gleichen Nachnamen tragen.

In die an das Wärmenetz angeschlossenen Häuser wurde eine so genannte Übergabestation eingebaut. Andreas Schneider erklärt das Prinzip an der Station in der Feuerwehrhalle: Dort ragt eine Leitung aus dem Boden – „darüber fließt das warme Wasser aus dem Fernwärmenetz ins Haus“. Ein Wärmetauscher entzieht dem Wasser Energie und gibt sie an das Heizsystem ab. Beides sind getrennte Systeme: Das Wasser der Fernwärmeleitung kommt nie direkt in Kontakt mit dem Wasser, das im Heizsystem des Haushalts verwendet wird.

Für die Haushalte kostet die Wärme pro Kilowattstunde acht Cent brutto. Dieser Preis wurde in den Verträgen für fünf Jahre garantiert. „Wenn die Energiekosten für die Anlage nicht extrem steigen, will ich den Preis nicht erhöhen“, sagt Rainer Schneider.

Dafür bekommen die Kunden die Versorgung mit Fernwärme zu hundert Prozent garantiert. Doch was passiert, wenn die Anlage doch mal ausfällt – oder der Bedarf im Winter zu hoch ist? Zunächst einmal gibt es einen Pufferspeicher. Wenn der Heiz-Bedarf etwa in der Nacht niedrig ist, wird die Wärme dort gespeichert. Schalten morgens dann viele Schnürpflinger ihre Heizung an, hat sich genug heißes Wasser angesammelt. „Und außerdem haben wir zur Absicherung einen Ölkessel“, sagt Andreas Schneider – „der ist seit 2013 aber noch keine drei Tage gelaufen.“

Jetzt im Sommer wird natürlich wenig geheizt, auch darauf reagieren die Landwirte. Bei Rainer Schneider läuft im Sommer nur einer seiner beiden Motoren. Ist trotzdem noch Wärme übrig, trocknet er damit zum Beispiel Holz. Sein Kollege Andreas Schneider hat außerdem ein neues System angeschafft, das Wärme in Strom umwandelt.

Ob es Pläne gibt, das Fernwärmenetz weiter auszubauen? „Ich bin schon bestrebt, das noch zu erweitern“, sagt Rainer Schneider. Er hat schon einen Straßenzug im Auge, der eventuell angeschlossen werden soll. Die nächsten zwei bis drei Jahre soll aber zunächst alles bleiben, wie es ist. Und auch Andreas Schneider sieht noch Potential: „Eine Nachverdichtung ist durchaus denkbar.“ Das hänge aber auch vom Interesse der Anwohner ab.

Möglichst hohe Effizienz

Was dem 36-Jährigen wichtig ist: Die Anlage soll möglichst effizient funktionieren. Darum wurde zusammen mit der Wasserleitung auch ein Datenkabel verlegt. Die Pumpen werden automatisch gesteuert – je nachdem, wie viel Wärme benötigt wird. Durch die Übergabestation in den Haushalten läuft nur so lange Wasser, wie Wärme gebraucht wird. Ist eine bestimmte Soll-Temperatur erreicht, geht ein Ventil zu. „Wir möchten so wenig Wasser wie möglich im Kreis rumpumpen“, sagt Andreas Schneider.

Insgesamt hat sich der Wirkungsgrad der Biogasanlagen durch das Fernwärmenetz massiv erhöht: Von rund 40 Prozent auf 82 Prozent. „Ich bin der Meinung, dass man das auf jeden Fall machen sollte, wenn man eine Biogasanlage hat“, sagt Rainer Schneider. Dem stimmt auch sein Kollege Andreas Schneider zu: „Das Wärmenetz ist die sinnvollste Möglichkeit, die Wärme der Biogasanlage zu verwerten.“

Und natürlich versorgen die beiden auch ihre eigenen Häuser mit ihrer Fernwärme, erzählt Rainer Schneider: „Die Familie ist da voll angeschlossen.“

In Schnürpflingen aufgewachsen


Landwirte Rainer Schneider ist 39 Jahre alt. Er betreibt eine Bullen- und Rindermast. An der Biogasanlage ist auch seine Frau beteiligt, die einen Milchviehbetrieb führt. Sein Kollege Andreas Schneider ist 36 Jahre alt. Er hat nach seiner Ausbildung zum Landwirt den Hof seiner Eltern in Schnürpflingen übernommen. Hier betreibt er Ackerbau und hält Milchvieh.

Unternehmen Für den Betrieb des Fernwärmenetzes mussten beide Landwirte ein neues Unternehmen anmelden: Rainer Schneider hat zusammen mit seiner Frau die Firma „RS Energy“ gegründet. Andreas Schneider betreibt mit seinem Vater das Unternehmen „Nahwärme Schneider“.