Nellingen Schnelles Internet kostet

Nellingen / BRIGITTE SCHEIFFELE 05.02.2015
Die Gemeinde Nellingen hat eine Breitbandkonzeption beim Ingenieurbüro Geo Data in Auftrag gegeben. Eine Vernetzung der Haushalte kostet bis zu 800.000 Euro, je nachdem, welche Variante gewählt wird.

Greift die Gemeinde Nellingen tief in die Tasche und gibt 800.000 Euro für eine gute Breitbandversorgung aus? Noch ist die Frage ungeklärt. Dennoch verhalfen Bastian Ludwig und Manfred Hommel vom Ingenieurbüro Geo Data auf Einladung der Nellinger Gemeindeverwaltung und der Wirtschaftsvereinigung zu neuen Erkenntnissen in Sachen Breitbandkonzeption.

Gut 50 Interessierte verfolgten in der Festhalle die Ausführungen der beiden Medieninformatiker für eine schnellere Datenübermittlung. Insbesondere für das Hochladen von Daten, für Videokonferenzen, ein Cloud- Computing und auch für Heimarbeitsplätze seien bessere Übertragungsmöglichkeiten zwingend notwendig. "Die Breitbandversorgung steht bei der Ansiedlung neuer Firmen in Bezug auf die Standortsuche auf Platz Nummer Eins", bemerkte Hommel. 88,5 Prozent der Unternehmen sähen diese Voraussetzung für wichtiger an als das Grundstück selbst. Breitbandausbau sei Wirtschaftsförderung, ein gutes Mittel gegen Abwanderung und für Neuansiedlung.

Für Nellingen sind folgende Überlegungen in der Diskussion:

Bisher laufen Kupferkabel von den bestehenden neun grauen Kabelverzweiger-Kästen in die Wohnsiedlungen und ins Gewerbegebiet. Je weiter weg sich der Vermittlungskasten befindet, umso schlechter ist die Verbindung. Nellingen hat zwar eine gute Kupferkabelversorgung, meinte Kopp, der nordöstliche Bereich und auch die Teilgemeinde Oppingen bräuchten jedoch eine bessere Verbindung. Für einige Bürger sei die Versorgungsbandbreite aber begrenzt und zudem überbucht. Die bisherigen Kabelverzweiger sind laut Ludwig so platziert, dass sie die südwestliche Ecke abdecken, der Nordosten aber einen hohen Leistungsabfall habe. Das Ingenieurbüro schlug deswegen eine Trassenführung für Glasfaserkabel außerhalb des Ortes über landwirtschaftliche Wege vor und zwar östlich von Nellingen bis ins Gewerbegebiet. Dabei müsse entschieden werden, ob drei neue Kabelverzweiger gebaut werden oder Glasfaser direkt in jedes Gebäude gelegt werden soll. Vom Industriegebiet erfolgt eine Weiterführung nach Oppingen, wo ein weiterer Kabelverzweiger installiert wird. Ein Anschluss an jedes Gebäude sei hier zu teuer. Der Neubau der Leitung ist nach Angaben der Fachingenieure günstiger als das Aufreißen der Gehwege. Oppingen hätte dann ebenso wie das Gewerbegebiet Nellingen eine Empfangs- und Sendestärke bis zu 50 Mbit/s.

Auch Landwirte seien auf ein besseres Netz angewiesen, sagte ein Besucher, der "manchmal wegen Kleinigkeiten bis nach Ulm fahren" müsse, weil die Datenübertragung nicht funktioniere. "Für eine positive Bescheinigung des Förderantrages muss ein landwirtschaftlicher Betrieb vorhanden sein, der von diesem Ausbau profitiert", berichtete Ludwig. So sehr die Anwesenden vom Ausbau des Breitbandnetzes überzeugt waren, so sehr bereiten die Kosten Magenkrümmen. Immerhin kostet die optimale Lösung mit der Verlegung von Glasfaserkabeln von den Verteilerkästen bis zu den Grundstücken um die 700.000 Euro. Bei der Verlegung von Kupferkabeln muss mit Kosten von 470.000 Euro gerechnet werden.

Gleich, welche Lösung gewählt wird: Die Gemeinde muss später erst einmal einen Anbieter finden, der das Netz betreibt. Doch dieser wird nur Interesse zeigen, wenn genügend Haushalte und Firmen das Netz auch kostenpflichtig nutzen wollen. Deshalb wird nach Auskunft von Kopp jetzt eine Haushaltsbefragung durchgeführt. "Wenn wir wissen, wer zu welchem Obolus bereit ist, diskutieren wir darüber, ob die Glasfaser bis zu jeder Haustüre gelegt wird oder ein Verteiler mit Kupferleitung ergänzt wird", meinte Kopp.

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