Kriminalität Schneefux-Einbruch: „Blödes Gefühl“ bleibt

Von Samira Eisele 21.07.2018

Die Einbruchsspuren am Fenster sehen gar nicht mal so schlimm aus. Durch die Scheibe ziehen sich einige Risse, das Brecheisen hat den Rahmen zerkratzt. Am auffälligsten ist das Millimeter-Maßband, das die Polizei bei der Spurensicherung aufgeklebt hat. Durch dieses Fenster verschwanden Ski und Skistiefel im Wert von rund 60 000 Euro. Vor rund drei Wochen entdeckten die Eigentümer der Skiwerkstatt „Schneefux“ in Bermaringen, Wolfgang Gungl und Thomas Pointinger, den Einbruch. Jetzt sind sie damit beschäftigt, den Schaden zu bemessen und die Ware zu ersetzen. Und sich zu überlegen, wie sie weiteren Einbrüchen vorbeugen können.

An diesem Nachmittag haben Gungl und Pointinger Besuch. Mit einem Sachverständigen der Versicherung prüfen sie Bestelllisten und Kassenbelege, um nachzuweisen, was aus dem Laden gestohlen wurde. „Dort standen die Premium-Ski“, sagt Gungl und deutet auf eine lange Reihe leerer Skiständer an der Wand neben der Kasse. Die Diebe haben hauptsächlich Modelle aus der Vorsaison, mitgenommen, die zu Beginn der neuen Saison als Aktionsware verkauft werden sollten. Seine erste Schätzung hat das Schneefux-Team nach oben korrigiert: Von 100 Paar Markenski auf 130 Paar. 200 Paar waren zum Zeitpunkt des Einbruchs insgesamt im Geschäft gelagert und ausgestellt.

Diebe kennen sich mit Skiern aus

„Dass sie nicht ganz branchenfremd waren, ist anzunehmen“, sagt Gungl über die Einbrecher. Ob das Diebesgut als Leihski  in neuen Skigebieten in Osteuropa zum Einsatz kommen oder anderswo als Hehlerware verkauft wird – der Hintergrund des Einbruchs ist pure Spekulation.

Die Polizei hat noch „keine berichtenswerten Ergebnisse“ zu vermelden. Die Ermittlungen laufen, sagt ein Sprecher des Polizeipräsidiums Ulm auf Anfrage. Weitere Einbrüche in Skigeschäfte habe es in diesem oder dem letzten Jahr nicht gegeben. Nur im Dezember 2016 wurden aus einem Sportgeschäft in Warthausen (Kreis Biberach) hochwertige Jacken, Mützen, Ski und weitere Sportsachen gestohlen. Ein Geschäftskontakt hat Gungl am Telefon erzählt, der Einbruch bei Schneefux sei nun schon der dritte, von dem er dieses Jahr gehört habe: Unter anderem im Raum Rosenheim sei das auch schon vorgekommen. Das dortige Polizeipräsidium berichtet von einem Einbruch in ein Sportgeschäft in Bad Endorf, Kreis Rosenheim, im April. Gestohlen wurde dort vor allem Kleidung – im Wert von rund 47 000 Euro. Hinweise auf die Einbrecher oder ähnliche Diebstähle sind nicht bekannt, Skidiebstähle gebe es überwiegend im benachbarten Österreich, in Tirol.

Gungl und Pointinger müssen nun die gestohlenen Ski teurer nachkaufen, um für die kommende Saison vorbereitet zu sein. Sie hoffen dabei auf ihre Versicherung. „Wir sind zuversichtlich – aber ein blödes Gefühl bleibt.“ Vor allem sein Geschäftspartner, der auch schon privat Opfer eines Einbruchs wurde, habe daran „zu knapsen“ gehabt.

Für das Geschäft wollen die Männer, die nebenan auch eine Schreinerei betreiben, ein Sicherheitssystem anschaffen, das unter anderem den Bereich hinter dem Haus beleuchtet. Dort, auf einem Streifen Wiese zwischen dem Haus und einem großen Maisfeld, habe man in den Tagen nach dem Einbruch noch Reifenspuren gesehen, sagt Gungl. Den Weg hinter dem Haus hat er vorläufig mit einer Palette Dachziegel blockiert.

Zweites Standbein für zwei Schreiner

Werkstatt Thomas Pointinger und Wolfgang Gungl betreiben die Schreinerei Holztrio. Die Skiwerkstatt Schneefux eröffneten sie vor zwei Jahren nebenan: Sie schleifen auch Ski und bieten Rennservice an.

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