Internet Schnappt die Telekom die Kunden weg?

Erbach / Franz Glogger 26.06.2018

.  Schnelleres Internet ist ein Dauerthema. Die Kommunen wollen sich selbst um den Breitbandausbau kümmern. 2015 wurde dafür der Verbund Komm.Pakt.Net gegründet, dem acht Landkreise beigetreten sind, darunter der Alb-Donau-Kreis.

Vor zwei Jahren erfolgte ein erster Spatenstich für das überörtliche Leitungsnetz, das so genannte Backbone. Kommt das alles zu spät? Das befürchtet Helmut Glaubert aus Erbach. Mit Sorge beobachte er die Aktivitäten der Telekom, sagte er kürzlich im Gemeinderat beim Punkt „Bürgerfragen“. Die Telekom „schlitze“ sich zur Verlegung von neuen Leitungen durch die Gehwege der Wohngebiete. Seine Nachfrage auf der Baustelle habe ergeben, dass auf das bestehende Kupfernetz eine neue Technik aufgesattelt wird. Dieses „Vectoring“ könne Übertragungsraten von 100 und mehr Megabit bringen. In naher Zukunft seien gar 300 bis 400 Mbit möglich. Da diese Übertragungsraten schon bald zur Verfügung stehen und der Bau des Backbone in Erbach nicht einmal begonnen hat, frage er sich, „was dann noch der Gemeinde bleibt, lohnt sich das noch?“

Bürgermeister Achim Gaus bemühte sich, die Initiative der Landkreise für ein eigenes Glasfasernetz positiv darzustellen. Zum Beispiel werde die Technik der Telekom nie die genannten Werte überschreiten. Einmütig prognostizierten Fachleute, dass schon in naher Zukunft deutlich höhere Werte gebraucht werden. Auch würde die Technik der Telekom an der Grundstücksgrenze enden. Nur das kommunale Netz mit Glasfaser reiche bis ins Haus. Doch Gaus räumte auch ein:  „Unser Marktanteil wird sinken.“

Bis heute kein Bescheid

Wie es denn weitergehe, hakte Glaubert nach. Maßnahmen der Telekom könnten nicht verhindert werden, sagte Gaus. Er vermute, dass sich das frühere Staatsunternehmen und andere Anbieter früher oder später in das kommunale Netz einmieten.

Dann redete Gaus Klartext und ihm war der Ärger über Politiker und Behörden anzumerken. So stehe seit Herbst 2017 die konkrete Planung für das Netz und der Antrag auf Förderung sei gestellt. Allerdings gebe es bis heute nicht einmal einen Hinweis, geschweige denn einen Bescheid. Als einziges klares Signal habe es „Nachfragen unerwünscht“ gegeben. Es sei versäumt worden, mit entsprechenden Gesetzen ein Unterlaufen der Komm.Pakt.Net wie beispielsweise durch die Telekom zu verhindern. „Das ist schon ärgerlich. Die Politik hat keine klaren Bedingungen geschaffen.“ Gaus sagte resigniert: „Wir können also nur auf den Bescheid warten“.

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