Erbach Schalte im Gemeinderat

Die Erbacher Gemeinderäte verständigen sich bald per Konferenzanlage.
Die Erbacher Gemeinderäte verständigen sich bald per Konferenzanlage. © Foto: dpa
Erbach / Franz Glogger 12.04.2017

Sitzung und Beratung? Oder schwäbisch ausgedrückt: „Zehma hocka ond schwätza“?

Solch simples Tun ist für den Erbacher Gemeinderat und seine Ausschüsse bald passée. Denn die werten Stadträte und -innen werden künftig „konferieren“. Das ergibt sich aus dem Beschluss des Verwaltungsausschusses, der am Montag dem Kauf einer „Konferenzanlage“ zugestimmt hat. Die Verwaltung fand mit ihrem Vorschlag uneingeschränktes Gehör im Gremium. Höchste Zeit werde das, meinte Elmar Röhr (SPD). Er wundere sich schon länger, dass die Zuhörer überhaupt so viel mitbekommen: „Die müssen ja Ohren haben wie ein Luchs.“

Die Hörorgane werden künftig möglicherweise auch weniger dem ausgesetzt sein, was gemeinhin unter „Es ist schon alles gesagt – nur nicht von jedem“, bespöttelt wird. Wenn Bürgermeister Achim Gaus den Knopf  im richtigen Moment drückt. Bekommen die Stadträte doch nur eine „Delegiertensprechstelle“ – die sie sich auch noch mit einem Kollegen teilen müssen: Die können sie per Knopfdruck am Fuß des Schwanenhalsmikrofons freischalten. Der Bürgermeister aber wird mit einer „Präsidentenfunktion“ ausgestattet. Da hat er zwar nur einen Knopf mehr zur Verfügung, aber mit diesem auf allem den Finger drauf, sprich die Generalabschaltung im Griff. Fallen sich also die Räte ins Wort – Knopf gedrückt und stumm geschaltet. Wird unbotmäßig diskutiert – Knopf gedrückt. Ist alles gesagt – ...

Der Hersteller verspricht zig weitere programmierbare Funktionen, praktisch für jedwede Art von Konferenz – ob im Ratssaal oder sonst wo im Städtchen. Denn die Anlage lässt sich in einen schicken Koffer packen und dahin transportieren, wo sie gebraucht wird. Natürlich ganz ohne Kabel, da sie auf Funkbasis sendet und empfängt.

Nur mit dem, was Ulrich Eberle (Freie Wähler) augenzwinkernd nachfragte, wird sich die High-End-Gerätschaft schwer tun: „Macht sie das Gesagte auch verständlicher?“ Die Akustik ist die eine Sache. Um die Inhalte müssen sich die Räte einstweilen noch selber kümmern. Da sind Präsident und Delegierte dann wieder auf Augenhöhe.