Beruf Schäfer sein: nicht nur Idylle

Holger Banzhaf und seine Tochter Laura hüten mehr als 700 Schafe, die auch den ehemaligen Altheimer Skihang beweiden. Die Schäfer sind aber auch im Hungerbrunnental zwischen Heldenfingen und Heuchlingen unterwegs.
Holger Banzhaf und seine Tochter Laura hüten mehr als 700 Schafe, die auch den ehemaligen Altheimer Skihang beweiden. Die Schäfer sind aber auch im Hungerbrunnental zwischen Heldenfingen und Heuchlingen unterwegs. © Foto: Petra Lehmann
Altheim / Petra Lehmann 23.08.2018

Es ist ein idyllischer Anblick, wie Laura Banzhaf da auf ihrem langen Schäferstock lehnt, den Hund zu ihren Füßen und die Schafe im Hintergrund genüsslich an verschiedenen Halmen knabbernd. Doch der Schein trügt. Denn hinter dem Beruf des Schäfers verbirgt sich nicht nur knallharte Arbeit bei jeder Witterung, sondern auch Wollpreise, die seit Jahren im Keller sind und ein landwirtschaftlicher Zweig, der ohne öffentliche Zuschüsse nicht mehr existieren könnte. Zum Glück erfreut sich immerhin das heimische Lammfleisch seit einigen Jahren steigender Beliebtheit.

Lediglich zwei Prozent des Einkommens eines Schafhalters kommen noch vom Woll- oder Fellverkauf. „Wir leben zu 60 Prozent vom Zuschuss und zu 40 Prozent von der Produktion“, sagt Holger Banzhaf, der Vater von Laura und in dritter Generation Inhaber der Schäferei Banzhaf in Heldenfingen. Laura hat vor kurzem ihre Lehre beendet und wird wohl in die Fußstapfen des Vaters treten. Die beiden wechseln sich tagsüber beim Hüten ihrer 700 Mutterschafe plus Lämmer ab. Abends kommen die Tiere in den Pferch und zwischen Dezember und Februar werden sie auf dem heimischen Hof im Stall untergebracht. Seit 20 Jahren beweiden Banzhafs Tiere die Wachholderheiden rund um Altheim, dreimal im Jahr auch den ehemaligen Skihang im Hirschental.

Im Winter hat die Wolle der Banzhafschen Merinoschafe von sich Reden gemacht. Denn sie wurde von der Hechinger Firma Tutto zu bunter Pullover- und Sockenwolle verarbeitet, die als „Altheimer Skihangwolle“ vermarktet wird. Aus dem Wollerlös gehen 1,50 Euro in die Finanzierung eines Altheimer Pflegeschafs, das sich künftig zu Banzhafs Schafen gesellen soll.

Beim Altheimer Lichtmessmarkt wurde außerdem das Schafpaten-Projekt von Tutto vorgestellt. Für 60 Euro im Jahr kann man Schafpate werden und unterstützt direkt die Hüte- und Wanderschäferei. Einzelnen Schafhaltern wird beispielsweise bei der Finanzierung von Elektrozäunen, Transportanhängern,  Winterfutter oder Schafböcken geholfen. „Um den Lichtmessmarkt herum war das ein großes Thema“, berichtet Banzhaf. Seitdem sei es aber um das Schafpaten-Projekt ruhig geworden. Er habe weder von der Gemeinde noch vom Landschaftsplanerbüro Zeeb etwas gehört, das sich um das Ökokonto und damit um den Altheimer Skihang kümmert. Er selbst hat bislang ebenfalls nichts unternommen. Denn alle Hüte- oder Wanderschäfereien können sich bei der Firma Tutto auch direkt um Zuschüsse bewerben.

Ob Pate oder nicht, den Schafen ist das egal. Ihnen schmecken die Kräuter, Blumen und Gräser vom Skihang auch so. Sie verabscheuen lediglich die Pflanzen mit dem „Schaf“ im Namen wie Schafgarbe oder Schafschlingel.

Winterfutter macht Probleme

Aktuell beschäftigen Holger Banzhaf aber andere Probleme: Die trockene Witterung macht ihm zu schaffen, vor allem bei der Ernte des Winterfutters. „Der erste Schnitt war noch gut, der zweite ganz okay, aber der dritte gibt nichts mehr her“, stellt er enttäuscht fest. Auch draußen in den Wachholderweiden sieht es mangels Regen nicht viel besser aus.

Das Thema Wolf lässt den Heldenfinger auch nicht kalt. Herdenschutzhunde kommen für ihn jedenfalls vorerst nicht in Frage – wegen der schwierigen Integration in die Herde und möglichen Problemen mit Fußgängern und Wanderern. Banzhaf will abwarten, was der Wolf macht, wenn er in die Region kommt – und was dann der Gesetzgeber tut.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel