Sanierung Sanierung des Rusenschlosses bei Blaubeuren verzögert sich

JOACHIM STRIEBEL 02.01.2015
Die Sanierung der Ruine Rusenschloss verzögert sich um mindestens ein Jahr. Lange konnten sich Landesbehörden nicht einigen, wer bezahlen soll. Im Herbst wird ein Gerüst gestellt. Wanderwege bleiben gesperrt.

Im Jahr 1768 wurde der Unterhalt des größtenteils verfallenen Gebäudes lästig. Württemberg verkaufte für 60 Gulden das Rusenschloss bei Blaubeuren-Gerhausen zum Abbruch an einen Blaubeurer Bürger. "Unter Lebensgefahr", so heißt es in einer Chronik, wurden für Bauvorhaben in Blaubeuren Quadersteine gebrochen und geholt. Doch 1820 kaufte aus Gründen des Denkmalschutzes der Staat für 44 Gulden die Ruine zurück. So hat heute das Land Baden-Württemberg die Mauerreste an der Backe - und muss wegen Steinschlaggefahr für deren Sanierung sorgen.

Auf dem Fels hoch über der Großen Grotte thronend, ist dem Bauwerk nicht so leicht beizukommen. Entsprechend teuer wird die Sanierung sein. Von mehreren hunderttausend Euro ist die Rede. Doch wer soll das bezahlen? "Das wurde von den Fachbehörden unterschiedlich gesehen", sagt Stefan Tluczykont, Leiter des Fachdienstes Forst und Naturschutz im Landratsamt Alb-Donau-Kreis. Anders ausgedrückt: Die Sache wurde in Stuttgart lange durch die bürokratischen Mühlen gedreht, zwischen den beiden Landesbetrieben Forst und "Vermögen und Bau" hin- und hergeschoben. Schon vor Ostern 2013 waren die Kletterfelsen und der Hangwald unterhalb der Ruine gesperrt worden, Baubeginn sollte im Spätsommer 2014 sein. Doch erst kurz vor Weihnachten kam aus dem Finanzministerium der Erlass, der "Vermögen und Bau" beauftragt, die Sache in Angriff zu nehmen.

"Wir werden ein Team von Fachleuten zusammenstellen", sagt Hans-Jakob Schmid, der stellvertretende Leiter des Ulmer Amts von "Vermögen und Bau". Außer einer Vorplanung ist bisher nichts geschehen. Wie berichtet, hatten ein Tragwerksplaner aus München und ein Geologe des Landesamts für Bergbau und Geologie aus Freiburg festgestellt, dass sich aus den Mauern der Ruine und den Felsen darunter Steine lösen könnten. Unter Berufung auf einen entsprechenden Paragraphen im baden-württembergischen Landeswaldgesetz sperrte der Fachdienst Forst den kompletten Hangwald westlich der Ruine. Das betrifft den Schlossgarten, die Kletterfelsen, den Wanderweg hoch nach Sonderbuch und die als Fundort von Neandertaler-Werkzeugen bekannte Große Grotte. Obwohl mit rot-weißem Zaun und Schildern deutlich markiert, wird die Sperrung häufig von Mountainbikern und Wanderern ignoriert. Stellenweise wurden Tafeln abgerissen.

Die Aufhebung der amtlichen Sperrung ist noch nicht in Sicht. Erst im Herbst 2015 könne mit dem Bau eines Gerüsts am Rusenschloss begonnen werden, erläutert Schmid. Denn die Rusenschloss-Felsen sind ein beliebtes Brut-Quartier für Dohlen und Kolkraben. Dort darf nur nach Abschluss des Brutgeschäfts gearbeitet werden. Weil es unter der Ruine keinen festen Grund gibt, werde wohl ein Hängegerüst angebracht werden müssen. "Die Dauer der Arbeiten lässt sich schlecht vorhersagen", erläutert Amtsleiter Wilmuth Lindenthal. "Bei historischen Bauwerken weiß man nicht, was sich dahinter verbirgt." Für "Vermögen und Bau" sei die Sicherung der alten Mauerreste ein "außergewöhnliches Projekt". Zum Kerngeschäft der Behörde gehört der Unterhalt von Bauten für Polizei, Finanzverwaltung und Hochschulen, sie kümmert sich aber auch um historische Gebäude wie das Kloster Blaubeuren.

Jetzt wird zusammen mit Statikern und Geologen eine Planung erstellt, nach der endgültigen Freigabe der Mittel erfolgt die Ausschreibung und dann der Baubeginn. Einen Termin nennen Schmid und Lindenthal noch nicht.

Wohnung eines Forstknechts

Aussicht Die seit Frühjahr 2013 und weiterhin geltende Sperrung betrifft den Bereich westlich der Ruine Rusenschloss, einschließlich Schlossgarten. Der Abschnitt östlich der Burg und die Aussichtsfläche können betreten werden.

Amtssitz Das Rusenschloss wurde im 11. Jahrhundert errichtet. Den Helfensteinern diente "Hohen-Gerhausen" als Wohnung und als Amtssitz der Vögte. Seinen Namen hat es vom Forstknecht Ruess, der um 1590 dort gewohnt hat.