Wirtschaft SAM-Mitarbeiter zwischen Hoffen und Bangen

Böhmenkirch / Thomas Hehn 01.02.2019
Zwischen Hoffen und Bangen schweben derzeit die rund 1450 Beschäftigten bei SAM automotive. Der neue Besitzer Fuyao will den Automobilzulieferer zum Marktführer für Aluzierleisten machen. Offen bleibt aber, mit wie vielen Mitarbeitern.

„Fuyao hatte das beste Konzept.“ IG-Metallsekretär Manuel Schäfer zögert keinen Moment auf die Frage, warum auch die Gewerkschaft am Ende den Chinesen den Vorzug gab vor den beiden Mitbewerbern. Fuyao habe nicht nur mit Abstand am meisten für SAM gezahlt, sondern gleichzeitig versprochen, einen hohen zweistelligen Millionenbetrag zu investieren, um den insolventen Automobilzulieferer von der Alb wieder auf Kurs zu bringen, erläutert Schäfer.

Bei den Mitbewerbern hatte die Gewerkschaft dagegen den Verdacht, dass es eher über kurz als lang zu einem massiven Stellenabbau gekommen wäre. Sowohl WKW (Walter Klein, Wuppertal)  als auch JAC Global Corporate sind direkte Branchen-Konkurrenten von SAM. „Da ging es sicher auch um Aufträge“, vermutet Renate Gmoser, zweite Bevollmächtigte bei der IG Metall Göppingen-Geislingen. Bei den Vorstellungsrunden im Gläubiger-Ausschuss hatten WKW und JAC durchblicken lassen, dass bei SAM nach einem Jahr nur noch rund 1000 Leute übrig bleiben würden, sollten sie den Zuschlag bekommen. So wollten beide Mitbewerber Teile der Produktion, unter anderem die Galvanik, an Standorte im In- und Ausland verlagern.

Fuyao hingegen hat früh versprochen, dass dieser zentrale Produktionsprozess in Deutschland bleiben würde. Dafür soll auch die im März vergangenen Jahres abgebrannte Galvanik in den Heidhöfen wieder aufgebaut werden. Letzteres war bereits unter dem ehemaligen Besitzer Bregal lange unklar geblieben (die GZ berichtete).

SAM soll Marktführer werden

Und Fuyao-Chairman Cao Dewang hat offenbar noch mehr vor mit SAM. Auf einer Betriebsversammlung bei SAM vergangene Woche in Böhmenkirch erklärte der Multi-Milliardär vor rund 1000 Beschäftigten, dass er SAM zum Marktführer bei Aluzierteilen für Automobile machen wolle. Vor dem Gläubiger-Ausschuss hatte Dewang wenige Wochen zuvor erläutert, dass er den Umsatz von SAM von bislang 250 Millionen Euro auf 700 Millionen Euro im Jahr steigern wolle.

Unmöglich scheint das nicht. Fuyao gehört zu den Global Players in der Ausrüster-Branche. Ein Grund für den rasanten Aufstieg des Konzerns ist der hohe Automatisierungsgrad bei der Produktion. Ein Beispiel dafür ist das vor einem halben Jahr eröffnete Werk der Europa-Zentrale der Chinesen in Leingarten bei Heilbronn (siehe Info).

Bei der IG Metall begrüßt man die hohe Investitionsbereitschaft des neuen Besitzers in moderne Maschinen und Optimierung der Produktionsabläufe bei SAM zunächst einmal grundsätzlich. Zumal Fuyao alle Mitarbeiter der insolventen Firma übernommen hat. Allerdings macht sich die Gewerkschaft Sorgen, ob das Konzept von Fuyao am Ende eventuell doch auf Kosten von Arbeitsplätzen geht. „Es wird schwierig, diesen Weg mit allen Beschäftigten zu gehen“, warnt Schäfer schon heute. Eine wichtige Aufgabe des Unternehmens in den Augen der Gewerkschaft sei es daher, „die Mitarbeiter zu qualifizieren, um alle Arbeitsplätze zu erhalten.“ Bekanntlich besteht ein hoher Anteil der Beschäftigten bei SAM aus Angelernten. Da Fuyao deutlich wachsen will, sieht Schäfer hier wiederum auch Chancen für die Mitarbeiter.

Starker Zulauf für IG Metall

Wie eng Hoffen und Bangen bei den Beschäftigten beieinander liegen, zeigt ein Blick in die Mitgliederstatistik der Gewerkschaft auf der Alb: Musste man vor Jahren Gewerkschaftsmitglieder bei SAM noch mit der Lupe suchen, hat die IG Metall Schäfer zufolge seit Anfang 2018 rund 230 Neueintritte verzeichnet. „Damit sind heute fast die Hälfte aller 1450 Beschäftigten in der IG Metall“, freut sich der Gewerkschafter.

Info Die vom Vorbesitzer Bregal eingesetzten Geschäftsführer Dirk Fischer und Peter Markowsy haben SAM inzwischen verlassen. Mehrere Anfragen der GZ für ein Interview mit der neuen Geschäftsführerin Yiqun „Sunny“ Sun blieben bislang unbeantwortet.

Fuyao: Ein Global Player bei Zulieferern

Unternehmen: Mit 26 000 Mitarbeitern und einem Umsatz von zwei Milliarden Euro gehört Fuyao heute zu den größten Autoglas-Zulieferern der Automobilindustrie weltweit.

Aufstieg: 1987 vom heutigen Inhaber Cao Dewang als kleine Glasfabrik in Fuzhou, China, gegründet, hat das Unternehmen seitdem stark expandiert. Im Sommer 2018 eröffnete Fuayo in Leingarten bei Heilbronn seine Europa-Zentrale.

Kapazität: In dem knapp 40 000 Quadratmeter großen Werk rüsten Fuyao-Angaben zufolge rund 355 Mitarbeiter täglich 15 000 aus China importierte Rohglasscheiben in hoch automatisierten Produktionsprozessen zu komplexen Fahrzeugscheiben auf.

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