Bahn S-Bahn-Zweckverband für die Alb geplant

In Klingenstein (rechts die Kirche St. Josef im Tal) sollen wieder Züge halten. Das unter anderem sieht das Konzept der Regio-S-Bahn vor.
In Klingenstein (rechts die Kirche St. Josef im Tal) sollen wieder Züge halten. Das unter anderem sieht das Konzept der Regio-S-Bahn vor. © Foto: Volkmar Könneke
THOMAS STEIBADLER 29.10.2014
Ein Zweckverband mit eigener Geschäftsstelle soll den weiteren Aufbau eines S-Bahn-Netzes bewerkstelligen. Die Finanzierung des Nahverkehrs-Projekts könnte aber zum Kraftakt für die Region werden.

Das Angebot soll um 20 Prozent ausgebaut, die Zahl der Fahrgäste um ein Drittel erhöht werden. Um dieses Ziel in den Jahren nach 2020 zu erreichen, sollen die Nahverkehrszüge in der Region zu einem S-Bahn-Konzept zusammengefasst werden. Mit der Umsetzung des im November 2012 vorgestellten Konzepts ist bereits begonnen worden. Die Reaktivierung der Bahnlinie Senden-Weißenhorn gehört dazu, ebenso neue Regionalbahn-Verbindungen zwischen Ulm und Munderkingen sowie regelmäßige Halte in Rechtenstein. Mitte Dezember wird auf der Donautalbahn auch der Bahnhof in Rottenacker wieder in Betrieb genommen.

Deutlich umfangreicher ist die Liste der Vorhaben, die noch zu verwirklichen sind. Neue Haltepunkte sollen unter anderem in Klingenstein, in Ehingen-Dettingen sowie in Unter- und Obermarchtal eingerichtet werden. In Blaubeuren und Beimerstetten steht die Modernisierung der Bahnhöfe an. Eingleisige Strecken sollen teilweise zweigleisig werden, zum Beispiel die Brenzbahn zwischen Langenau und Rammingen und die Donautalbahn zwischen Ehingen und Dettingen.

Ale 30 Minuten soll auf den Strecken nach und aus Ulm ein Nahverkehrszug fahren. Dieses S-Bahn-Netz kann nicht isoliert geplant werden, sondern muss mit anderen Vorhaben abgestimmt werden: mit der Schnellbahntrasse über die Alb, auf der auch schnelle Regionalzüge fahren sollen; mit einem möglichen Bahnhalt in Merklingen, für den eine Machbarkeitsstudie erstellt werden soll (wir berichteten); mit der Elektrifizierung der Südbahn (siehe nebenstehende Meldung); mit dem Verkehrsministerium des Landes, das zwar stündliche Interregio-Express-Verbindungen plant, aber Regional-Express-Bindungen auf der Filstal- und der Brenzbahn streichen will (siehe Infokasten).

Planungen, Abstimmungen und Verhandlungen sind bislang Sache des Regionalverbands Donau-Iller. Dessen Geschäftsstelle könne die umfangreichen Aufgaben aber nicht mehr bewältigen, sagte Heiner Scheffold, Erster Landesbeamter im Landratsamt Alb-Donau, am Montag im Kreistag. Aus diesem Grund solle zunächst ein Interessenverband als Verein und später ein Zweckverband "Regio-S-Bahn Donau-Iller" gegründet werden. Der genaue Ablauf der Umorganisation werde Anfang nächsten Jahres vorgestellt. Außer dem Alb-Donau-Kreistag sind die Gremien der anderen Mitglieder des Regionalverbands Donau-Iller gefragt: der Städte Ulm und Memmingen sowie der Landkreise Neu-Ulm, Günzburg, Unterallgäu und Biberach.

Die Einrichtung einer Geschäftsstelle des Interessen- und späteren Zweckverbands kostet etwa 250.000 Euro im Jahr. Davon müsste der Alb-Donau-Kreis 38.600 Euro übernehmen. Um seine eigentliche Aufgabe, die Verwirklichung des S-Bahn-Konzepts, zu erfüllen, soll der Zweckverband als harter Verhandlungspartner auftreten. Scheffold: "Die Wirkung ist anders, als wenn der Regionalverband das nebenher macht."

Hartnäckigkeit und Stehvermögen ist vor allem gegenüber dem baden-württembergischen Verkehrsministerium gefragt. Dieses ist zwar für die Infrastruktur des Schienennahverkehrs zuständig, will deren Ausbau aber nicht vollständig bezahlen: Wenn die Region für ihr S-Bahn-Netz zum Beispiel zusätzliche Gleise benötige, müsse ein Teil der Kosten auch vor Ort getragen werden. Laut Konzept kostet die Regio-S-Bahn 74 bis 112 Millionen Euro. Bleibt die baden-württembergische Landesregierung bei ihrer Haltung, kommt auf die hiesigen Kreise und Kommunen einiges zu. Allein der Alb-Donau-Kreis und die dortigen Strecken-Anliegergemeinden müssten Scheffold zufolge einen "sehr deutlich siebenstelligen Betrag" schultern. In den Verhandlungen mit dem Land sei das letzte Wort aber noch lange nicht gesprochen: "Man geht auf volle Kostenübernahme." Im CSU-regierten Bayern sei kommunale Beteiligung am Schienenausbau im Übrigen kein Thema, stellte Scheffold fest.

Halbstundentakt halten

Resolution Alle 30 Minuten mit dem Zug von Amstetten nach Ulm und nach Geislingen: Dieses Angebot soll nach dem Willen des Alb-Donau-Kreistags beibehalten werden. Eine entsprechende Resolution ist auf Antrag der CDU verabschiedet worden. Der Halbstundentakt ist in Gefahr, weil das Land die in Amstetten haltenden Regionalexpress-Züge streichen will. Übrig blieben nur die stündlichen Regionalbahnen.