Eigentlich habe er doch nur „olle Kamellen“ im Gepäck, sagte Rudolf Schauflinger bei seinem historischen Rundgang durch Ennabeuren. Also „alte, nicht mehr besonders geschmacksintensive Karamellbonbons“, doch diese entpuppten sich dann doch als schmackhafte Anekdoten aus der Gemeindegeschichte von Ennabeuren. Mit einem mitreißenden Vortrag konnte Rudolf Schauflinger die rund 200 Zuhörer begeistern.

Dabei habe ihn Altes früher gar nicht so sehr interessiert. Erst, als 2005 der Kindergarten geschlossen worden war, in dem seine Tante lange gearbeitet hatte, kam er in Berührung mit der Vergangenheit: „Ich stellte eine Bildersammlung zusammen und ging dazu von Haus zu Haus.“ Und von jeder Familie bekam er nicht nur Bilder, sondern hörte oft auch Geschichten. Von da an suchte er gezielt nach Informationen: in den Archiven des Pfarrbüros, der Zeitung, den Büchern der Oberamtsbeschreibungen aus dem Bezirk Münsingen und dem Landes- und Staatsarchiv. Und freilich erfuhr er dabei immer wieder neue alte Geschichten.

Für das 40-jährige Jubiläum des Ennabeurer Dorfhocks hatte sich der Veranstalter, der Schwäbische Albverein, den Rundgang als Auftaktveranstaltung gewünscht. Ausgestattet mit Mikrofon und mobilem Lautsprecher führte Schauflinger seine Gruppe durch die Stadt: von der Dorfmitte aus auf dem historischen Weg über die evangelische Kirche „Cosmas und Damian“.

Die Rundgänger hörten auch vom früheren Kolonialladen direkt neben der Kirchenmauer, in dem die Amerikaner 1945 Quartier bezogen hatten. Und erfuhren, dass es nach der Reformation in Ennabeuren eine Kirche für beide Konfessionen gab, katholisch und protestantisch. Dass ein Gebetsort aber längst nicht nur Einigkeit bedeuten muss, darauf verwies die damit verbundene Anekdote, wonach ein evangelischer Pfarrer zum katholischen Schmid gesagt hatte, „an mei Pferd langscht du et na“. Mit solch überlieferten Geschichten  lockerte der Referent nicht nur seine Vorträge auf, sondern hauchte auch den frühen Ennabeurern wieder Leben ein.

Jung und Alt scharten sich um Schauflinger, der jeden exponierten Standort erklomm, um für seine vielen Zuhörer nicht nur akustisch über den Lautsprecher, sondern auch optisch präsent zu sein. Selbst ein Dorfbrunnen geriet so zum Rednerpult. Die Jüngeren freuten sich schlicht auf spannende Geschichten über ihre Vorfahren und die der Nachbarn, so, wie die jungen Frauen Rebecca und Leonie, beide Mitglieder der Trachtenkapelle. Und Beate Ruopp, eine „Zugezogene“, war erstaunt, zu erfahren, dass ihre Ennabeurer Heimstatt einst ein katholischer Kindergarten war. „Das habe ich in 30 Jahren, die ich hier lebe, noch nicht gehört.“ Nach gut einer Stunde Rundgang, als die Sonne vollends verschwunden war, setzte Schauflinger den Exkurs im Festzelt fort mit an die Leinwand geworfenen Bildern. Eine Ausstellungswand im Festzelt blieb stehen – für Gäste des Dorfhocks, die den Rundgang verpasst haben.