Lokalgeschichte Rosshaar-Ring aus Napoleons Russland-Feldzug

Gerti Böhringer besitzt noch einen Ring mit Rosshaar von ihrem Vorfahr, Johannes Stollmeier, der diese Art der Ring-Produktion beim Napoleon-Feldzug in Russland lernte.
Gerti Böhringer besitzt noch einen Ring mit Rosshaar von ihrem Vorfahr, Johannes Stollmeier, der diese Art der Ring-Produktion beim Napoleon-Feldzug in Russland lernte. © Foto: Thomas Spanhel
Merklingen / Thomas Spanhel 15.02.2018
In Merklingen ist das alte Schmuckstück über Generationen weitergegeben worden. Es erzählt von schweren Stunden.

Ein alter Ring mit Rosshaaren hat in Merklingen für Aufsehen gesorgt. Gerti Böhringer hatte den besonderen Ring eines ihrer Vorfahren zum Treffen der Interessengemeinschaft für Geschichte und Brauchtum in Merklingen (IGM) mitgebracht. Jakob Salzmann von der IGM berichtete, wie dieser Ring aus Russland nach Merklingen kam. Das Schmuckstück stammt von Johannes Stollmeier, der 1782 auf der Alb geboren wurde und 1812 im württembergischen Kontingent der Grande Armee Napoleons am Russland-Feldzug teilnahm. Nach verlorenen Schlachten geriet Stollmeier in russische Gefangenschaft, heißt es in der mündlich überlieferten Familiengeschichte, die von Barbara Braitinger 1982 erstmals schriftlich festgehalten wurde. Während dieser Gefangenschaft muss Stollmeier einen immer besseren Draht zu Russen aufgebaut haben. Er zeigte ihnen die Art der Weberei, wie er sie gelernt hatte und wie sie in Merklingen üblich war. Er selbst lernte dort, Ringe mit Rosshaar auf ganz besondere Art zu gestalten und Buchstaben in die Ringe einzugravieren.

Offenbar hatte er in Russland schließlich so gute Kontakte, dass er gerne dort hätte bleiben können, berichtete Barbara Braitinger über ihren Ur-Großvater. Aber Stollmeier übermannte das Heimweh, und nach etwa eineinhalb Jahren bewältigte er den langen Weg zurück auf die Schwäbische Alb.

Details über den Feldzug und den abenteuerlichen Rückmarsch sind nicht bekannt. Immerhin jedoch wurde Stollmeier noch
81 Jahre alt. Der Ring vererbte sich über seine Tochter Elisabetha Lamparter. „Seine Gefangennahme durch die Russen rettete ihm vermutlich das Leben“, schätzt Jakob Salzmann und verweist darauf, dass nur ein kleiner Teil der Soldaten vom Russland-Feldzug Napoleons tatsächlich wieder lebend zurück kamen. Kein Wunder, dass Gerti Böhringer den alten Ring sorgfältig in dem dazugehörigen Blechdöschen aufbewahrt und in Ehren hält.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel