Dornstadt/Herrlingen Rommelkaserne umtaufen

Erhält die Rommelkaserne in Dornstadt einen neuen Namen? Das jedenfalls verlangen Grünen-Sprecher Omid Nouripour und seine Bundestagsfraktion. Befehlshaber der Wehrmacht seien nicht als Namensgeber für Bundeswehrkasernen geeignet, auch Erwin Rommel nicht. Foto: Matthias Kessler
Erhält die Rommelkaserne in Dornstadt einen neuen Namen? Das jedenfalls verlangen Grünen-Sprecher Omid Nouripour und seine Bundestagsfraktion. Befehlshaber der Wehrmacht seien nicht als Namensgeber für Bundeswehrkasernen geeignet, auch Erwin Rommel nicht. Foto: Matthias Kessler
Dornstadt/Herrlingen / WILLI BÖHMER 06.11.2012
Die Rommelkaserne in Dornstadt muss nach Ansicht der Grünen ihren Namen ändern. Verteidigungspolitiker Omid Nouripour meint, Erwin Rommel tauge nicht als Vorbild für die Bundeswehr.

Der Rommel-Film am Donnerstag in der ARD hat eine bereits früher geführte Debatte wieder aufleben lassen: Darf eine Bundeswehrkaserne den Namen eines Wehrmachtsgenerals tragen? Darf sie nicht, sagt Omid Nouripour, verteidigungspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion im Bundestag. Und weil Generalfeldmarschall Erwin Rommel im Dritten Reich ein Aushängeschild der Wehrmacht war, müssen auch die Rommel-Kasernen umgetauft werden, sagt Nouripour. Zwei Kasernen der Bundeswehr sind nach dem "Wüstenfuchs", wie er wegen seines Afrikafeldzuges auch genannt wurde, benannt: eine in Augustdorf in Nordrhein-Westfalen und die in Dornstadt.

Es gehe nicht darum, diese Menschen zu verdammen oder ihre Namen zu beschmutzen, versichert Nouripour. Aber mit dem Wandel der Aufgaben der Bundeswehr und der Abschaffung der Wehrpflicht habe sich vieles weiterentwickelt, auch die Geschichtsschreibung. In einer Berufs- und Zeitsoldatenarmee werde die Innere Führung immer wichtiger. Dazu gehörten auch die richtigen Vorbilder. Es sei unbestritten, dass die Wehrmacht einen Angriffskrieg geführt hat. Damit schieden deren militärische Vertreter, die Befehlshaber der Wehrmacht, automatisch als Namensgeber für die Bundeswehrkasernen von heute aus. Das müsse auch für Erwin Rommel gelten, der mit seiner Familie in Herrlingen lebte.

Und es gehe ganz bestimmt nicht darum, den Generalfeldmarschall und Befehlshaber des Afrika-Feldzugs, der hinterher als Held gefeiert wurde, als Kriegsverbrecher darzustellen. "Das wäre aus heutiger Sicht auch falsch." Aber es sei nicht so, dass es unter Rommels Kommando keine Kriegsverbrechen gegeben hat, sagt Nouripour, beispielsweise in Italien und Libyen. Dass er etwas davon wusste oder gar dieses geduldet hat, dafür gebe es jedoch keine Belege. Es stehe aus ihrer Sicht auch fest, dass es deutlich schwerere Fälle gebe als den des Erwin Rommel. Etwa den des SS-Offiziers General Hüttner, nach dem eine Kaserne in Hof benannt ist, sagte der Grüne.

Bereits am 6. Juli 2011 hatte die Grünen-Fraktion im Bundestag den Antrag gestellt, Namen von Bundeswehrkasernen zu überprüfen. In diesem Antrag tauchte bereits die Rommelkaserne in Dornstadt auf. In der Debatte mit den anderen Fraktionen habe sich schnell abgezeichnet, dass man sich in der Sache weitgehend einig sei. Deshalb hat die Fraktion am 24. Oktober 2012, vor zwei Wochen, einen zweiten Antrag nachgereicht. Es handle sich um eine entschärfte Version, der auch die anderen Fraktionen zustimmen könnten.

In dem neuen Antrag, der von Gregor Gysi (Die Linke) sowie von Renate Künast und Jürgen Trittin (Grüne) unterzeichnet wurde, heißt es unter anderem: Das Verteidigungsministerium habe in der Vergangenheit das Militärgeschichtliche Forschungsamt (MGFA) wiederholt beauftragt, zu einigen Namensgebern von Kasernen historische Studien, biografische Skizzen oder Gutachten zu erstellen. Die wissenschaftlichen Ergebnisse würden allerdings bislang unter Verschluss gehalten. Diese müssten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Und die Bundesregierung müsse dafür Sorge tragen, dass als Namensgeber und Vorbilder für die Bundeswehr keine Personen in Frage kommen, die nach ethnischen, rechtsstaatlichen oder freiheitlich-demokratischen Kriterien nicht in besonderer Weise beispielhaft und erinnerungswürdig sind.

Über diesen zweiten Antrag wurde bislang nicht diskutiert, sagte Nouripour. Aber es hätten sich bereits an die 15 Menschen bei ihm gemeldet und ihr Unverständnis darüber geäußert. Ein Großteil habe einen ausländerfeindlichen Zungenschlag gehabt, seines Namens wegen, und er habe sie deshalb nicht ernst nehmen können.

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