Das im vergangenen Jahr umstrittene Deutschrock-Festival „Rock dein Leben“ in Laichingen wird in seiner zweiten Auflage größer – und vielseitiger. „Wir werden breiter“, sagt Veranstalter Andy Kamm aus Winnenden, der 2018 rund 9000 Besucher zählte und jetzt eine Genehmigung für bis zu 12 500 Gäste beantragt. Er hat neben Deutschrock-Bands auch den Laichinger Schlagersänger Myke van Hyke verpflichtet und ein Wolfgang Petry-Double für eine große Wolfgang-Petry-Show. Wieder im Programm sind die bei einer Umfrage im vergangenen Jahr meist gewünschten Bands „Freiwild“ und „Unantastbar“.

„Ulm gegen Rechts“ sieht das kritisch

Das ist für das Bündnis „Ulm gegen Rechts“ Anlass genug, sich kritisch mit der Veranstaltung zu beschäftigen. Auch einige neue „einschlägige Acts“ seien dabei, etwa „Maerzfeld“ und „Stahlzeit“, schreibt „Ulm gegen Rechts“ in seiner Einladung zu einer Informationsveranstaltung am Dienstag, 9. April, 18 Uhr, im Alten Rathaus in Laichingen. Titel: „Rock dein Leben-Festival – doch nicht so unproblematisch wie behauptet?“ Das Bündnis hat als Referenten ein Mitglied des Recherchekollektivs „Allgäu rechtsaußen“ eingeladen. Der Referent werde sich den vom 25. bis 27. Juli in Laichingen auftretenden Bands, deren Liedtexten und Netzwerken widmen und zeigen, wo es Überschneidungspunkte zu „rechten Lebenswelten“ gibt. „Wir sagen nicht von vornherein, alles ist böse“, sagt Antje Trosien vom Bündnis „Ulm gegen Rechts“. „Wir wollen die Möglichkeit geben, sich zu informieren und zu diskutieren.“ Es sei wichtig zu wissen, was in der Rock- und Pop-Kultur abgehe, sagt Antje Trosien. „Welche Message wird da transportiert?“Am kommenden Mittwoch gastiert „Freiwild“ in Ravensburg, dort erkennen die Grünen in den Texten der Gruppe „eine Wertehaltung, die eher auf der rechten Seite besteht“.

Der Laichinger Flugsportverein, der wieder sein weitläufiges Gelände für „Rock dein Leben“ zur Verfügung stellt und in bestimmten Bereichen mitarbeitet, sieht kein Problem. Er hat bei der Bundesprüfstelle nachgefragt und die Antwort bekommen, dass keine Werke der auftretenden Musikgruppen auf dem Index stehen. Laut Vorstandschaft stehen die Mitglieder einstimmig hinter der Veranstaltung.

„Rechts ist bei uns kein Thema“

„Wir haben es bewiesen: Rechts ist bei uns auf dem Platz kein Thema“, betont Kamm. „Solche Leute wollen wir hier nicht haben.“ In der Tat hatte es bei „Rock dein Leben“ im vergangenen Jahr nichts Auffälliges gegeben. Bei der Rockmusik kämen die Texte eben nicht so geschliffen daher wie beim Schlager, das sei aber deswegen nicht schon politisch. „Ganz normale Leute“ kämen zum Festival, sagt Kamm. Sein Ziel sei, Bürger aus der Region für das Festival zu begeistern. Deswegen werde auch eine breite Palette geboten, „die jeden anspricht“. Dazu gehören auch Christian von Richthofens Show „AutoAuto!“ zur „musikalischen Verschrottung eines Autos“ sowie eine Feuer- und eine Lasershow.

Im vergangenen Jahr seien manche auf der Alb noch auf Distanz zum Festival gegangen, auch mögliche Geschäftspartner. Nun sei es so, dass rund 80 Prozent der Dienstleister aus der Region kommen, berichtet Kamm. Und am Samstagvormittag spielt die Stadtkapelle Laichingen zum Weißwurstfrühstück auf.

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„Freiwild“-Konzert in Flensburg abgesagt


Bedenken In Flensburg ist ein geplantes „Freiwild“-Konzert abgesagt worden. Wie der Norddeutsche Rundfunk berichtet, hatte es keinen gültigen Mietvertrag für die Halle gegeben, der Hallenbetreiber hatte Sicherheitsbedenken geltend gemacht. Gegen den Auftritt der Band aus Südtirol hatte es in der Stadt Widerstand gegeben. Das Konzert wird verlegt in den rund 80 Kilometer entfernten Ort Pahlen.

Organisation Was die Sicherheit des Festivals „Rock dein Leben“ in Laichingen anbelangt, gab es 2018 von Seiten der Behörden keine Beschwerden. Auch der Flugsportverein Laichingen bescheinigt dem Berufsfeuerwehrmann Andy Kamm und seinem Team eine sehr gute Organisation. Für 2019 ist die Genehmigung noch nicht eingetroffen, auch im vergangenen Jahr sei das erst wenige Wochen vor dem Festival der Fall gewesen, berichtet Kamm. Nach einem Gutachten könnte das Laichinger Flugplatzgelände bis zu 13 000 Menschen fassen. Kamm beantragt eine Genehmigung für 12 500 Besucher, was aber wohl nicht ausgeschöpft werde.