Arnold Goller vom Regierungspräsidium Tübingen ist verantwortlich für"das größte Straßenbauprojekt im Regierungsbezirk". Vor wenigen Wochen haben Arbeiter bei Dornstadt mit dem Ausbau der A 8 zwischen Ulm-West und Hohenstadt begonnen. Von Ende 2018 an soll der Verkehr auf sechs Spuren rollen. Dann sollen auch die direkten Autobahnanschlüsse des Ulmer und des Dornstadter Gewerbegebiets fertig sein. Die Kosten des Autobahnausbaus auf 22,6 Kilometern Länge betragen nach aktueller Berechnung 202,8 Millionen Euro.

Gleichzeitig baut die Bahn die neue ICE-Trasse zwischen Ulm und Wendlingen. Stefan Kielbassa von der DB-Projektbau ist verantwortlich für die Arbeiten auf drei Abschnitten: Albhochfläche von Dornstadt bis Widderstall bei Hohenstadt, Albabstieg von Dornstadt bis Ulm, Umbau des Ulmer Hauptbahnhofs. Zwei Abschnitte - Albhochfläche und Albabstieg - sind planfestgestellt, also genehmigt. Die Bahn beziffert die Kosten für alle drei Abschnitte auf eine Milliarde Euro. Ende 2020 soll die gesamte Neubaustrecke (NBS) fertig sein.

Goller und Kielbassa warteten am Donnerstagabend im Dornstadter Gemeinderat mit weiteren Zahlen auf, die auf besonderes Interesse stießen. Demnach fahren täglich 67 000 Fahrzeuge über die A 8 bei Dornstadt, davon 15 Prozent schwere Lastwagen. Weil die Autobahn nur über schmale"Nothaltestreifen" verfüge, komme es schon wegen eines Pannenfahrzeugs immer wieder zu Staus, sagte Goller. Dann nimmt der Verkehr auf der Umleitungsstrecke durch die Dornstadter Teilorte Tomerdingen und Temmenhausen sowie durch Merklingen schlagartig zu.

Um solchen Ausweichverkehr während der Bauzeit zu vermeiden, werde es möglichst wenige und möglichst kurze Teil- oder Vollsperrungen geben, sagte Goller. So wie am vergangenen Wochenende, als gleichzeitig etwa 100 Arbeitskräfte auf der Baustelle im Einsatz gewesen seien. Außerdem werde versucht, verkehrsbehindernde Arbeiten nachts bei geringem Verkehrsaufkommen auszuführen. Auch wenn"Nachtbaustellen für die Arbeiter immer gefährlich sind". Goller verwies ferner darauf, dass trotz Baustelle in beiden Richtungen zwei Fahrspuren zur Verfügung stehen. Die insgesamt 13 Meter breite Behelfsfahrbahn koste allein 4,5 Millionen Euro.

Trotzdem sei der Ausweichverkehr in Temmenhausen bereits jetzt so stark, dass die Durchgangsstraße mitunter kaum zu überqueren sei, sagte Ortsvorsteher Andreas Engels. Nur eine Fußgängerampel könne Abhilfe schaffen. Dieser Forderung begegnete Goller mit einer Aufforderung an die Gemeinde: Die solle eine Verkehrszählung veranlassen, und wenn tatsächlich eine größere Belastung registriert werde, könne auch über eine Fußgängerampel geredet werden.

Nicht nur die Autos und Lastwagen auf der Autobahn und der Umleitungsstrecke beschäftigen Planer und Kommunalpolitiker. Auf der Baustelle selbst herrscht ebenfalls mächtig Verkehr. Allein für den Autobahnausbau müssen mehr als 3,4 Millionen Kubikmeter Boden bewegt werden. Weil mehr Erde auf- als abgetragen wird, bleibt ein Defizit von etwa 800 000 Kubikmetern. Diese wird durch den Aushub für die neue ICE-Trasse ausgeglichen: Die Gleise werden in etwa 25 Metern Abstand parallel zur Autobahn verlegt, aber zwei Meter tiefer als die Fahrbahn. Das ist wegen der Oberleitung notwendig. Andernfalls müssten die Brücken über Autobahn und Bahngleise zwei Meter höher und mit längeren Rampen gebaut werden, sagte Kielbassa. Zwischen Straße und ICE-Trasse wird zur Sicherheit noch ein drei Meter hoher so genannter Abrolldamm aufgeschüttet.

Trotzdem bleiben vom Trassen-Aushub zwischen Dornstadt und Widderstall 1,8 Millionen Kubikmeterübrig, die zu Deponien abtransportiert werden müssen. Etwa 150 Lastwagenfahrten pro Tag sind laut Bahn zu erwarten. Welche Strecken die Lkw nehmen, steht Kielbassa zufolge noch nicht fest. Der Auftrag werde voraussichtlich erst Mitte August vergeben. Die Organisation des Baustellenverkehrs sei Sache des Unternehmens und kein Vergabekriterium.

Auf die Frage von Andreas Aigeltinger (Freie Wähler), wie der Verkehr für den Bau des etwa sechs Kilometer langen Albabstiegstunnels von Dornstadt nach Ulm geregelt werde, sagte Kielbassa:"Wir werden mit Sicherheit nicht durch Dornstadt fahren." Die Baustelle werde möglichst direkt an die B 10 und die A 8 angebunden.