Rettungsdienst Rettungsübung: Positiver Stress für alle

Proben für den Ernstfall: Stadtgärtner Dominik Wansing mimt bei der Übung des Deutschen Roten Kreuzes in Langenau das schwer verletzte Opfer, das aus einem Auto geboren werden muss.
Proben für den Ernstfall: Stadtgärtner Dominik Wansing mimt bei der Übung des Deutschen Roten Kreuzes in Langenau das schwer verletzte Opfer, das aus einem Auto geboren werden muss. © Foto: Barbara Hinzpeter
Barbara Hinzpeter 10.09.2018

Kommunikation ist das A und O“, sagt Rettungsassistent Jochen Keck. Er ist der Erfahrenste im Team der Rotkreuzler, das bei einer Übung des Ortsverbands Langenau zu einem Verkehrsunfall am Stadtrand gerufen wird. Die „Helfer vor Ort“ Tina Knieling und Janis Schneider-Blumberg waren als erste da und haben Notarzt und Feuerwehr alarmiert. Denn der Autofahrer ist eingeklemmt, die Fahrzeugtüren gehen nicht auf. Aus Straß treffen zehn Feuerwehrleute mit Gruppenführer Martin Salzer und Kommandant Steffen Hofmann ein. Sie trainieren bei der Gelegenheit das Öffnen des Autodachs.

Die Helfer wüssten bei der Übung nicht, was sie am Einsatzort genau erwartet, erläutert Peter Wolhein. Sie bekämen die Meldung genau wie im Ernstfall, so der Bereitschaftsleiter. Er hat sich die Szenarien für die unterschiedlichen Einsätze an verschiedenen Orten in der Stadt ausgedacht. Ersthelfer und Rettungsdienst werden zu einem Herzinfarkt im häuslichen Umfeld, zu einer Reanimation im Bauhof und zu einem Drogenkonsumenten in der Stadthallen-Toilette gerufen. Spektakulär ist auch der Einsatz am Löffelbrunnen, wo die Rotkreuzler einen unterkühlten Mann versorgen, der ins Wasser gefallen war. „Patient“  ist in diesem Fall wieder der Stadtgärtner Dominik Wansing, der bereits sehr überzeugend den verunglückten Autofahrer mimte.

21 Mitglieder des Langenauer Ortsvereins beteiligen sich an der Übung, das sind laut Peter Wolhein zwei Drittel der Aktiven – vom Sanitätshelfer bis zum Notfallsanitäter seien alle Qualifikationen vertreten. Sie treffen auf möglichst realistische  Bedingungen und müssen strukturiert nach vorgegebenem Schema vorgehen, was – auch im Ernstfall – nicht immer einfach ist. „Denn jede Situation ist anders“, sagt Janis Schneider-Blumberg. Und jedes Mal tauchen andere Schwierigkeiten auf. Auch deshalb sind die festgelegte Strategie und Prioritätenliste wichtig. Krankheitsbilder und vitale Bedrohungen zu erkennen und richtig zu handeln, gehören ebenso dazu wie die gute Betreuung des Patienten und die Arbeit im Team. Die muss auch mit der hinzugezogenen Feuerwehr klappen.

Die Rotkreuzler, die im Sanitätsdienst tätig sind, bekommen es an diesem Tag mit fünf Fällen zu tun, mit denen sie in ihrem Dienstalltag konfrontiert sein können: Sie üben den Einsatz bei einem Fahrradunfall, versorgen eine Schnittverletzung und bekommen es mit Patienten zu tun, die von einer Bierbank gestürzt sind oder sich bei einer Schlägerei verletzt haben. Die Übungseinsätze werden anschließend eingehend analysiert – auch Sicht von Ausbildern, Kollegen, „Verunglückten“ und den Helfern selbst. Für die ist die Ganztagsübung „positiver Stress“, so Jochen Keck.

Weiterbildung für die Einsätze

Fortbildung Damit im Ernstfall alle Handgriffe sitzen, absolvieren die Sanitätshelfer 16 Fortbildungsstunden in zwei Jahren. Jeder Helfer, der im Rettungsdienst eingesetzt ist, benötige 30 Fortbildungsstunden, sagt Peter Wolhein. Die Mitglieder des Langenauer DRK-Ortsvereins seien in diesem Jahr bisher zu 25 Hausnotruf-Einsätzen ausgerückt, zu 49 Rettungsdienst-Unterstützungen, zu 160 Ersthelfer-Einsätzen und haben 52 Sanitätsdienste absolviert.

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