Sport Markbronner Seniorenmannschaft fühlt sich gegängelt

Die Tennismannschaft Herren 50 des SV Markbronn:  Umberto Veneruso (von links) und Carlos Garcia – der eine Italiener, der andere Spanier  –  Arturo De Novellis, Klaus Brändle, Horst Schemtisch und Alwin Merkle.
Die Tennismannschaft Herren 50 des SV Markbronn:  Umberto Veneruso (von links) und Carlos Garcia – der eine Italiener, der andere Spanier –  Arturo De Novellis, Klaus Brändle, Horst Schemtisch und Alwin Merkle. © Foto: SV Markbronn
Markbronn / Von Helga Mäckle 10.07.2018

Tennisdeutscher – „Bah“ sagt Carlos Garcia verächtlich: „Das Wort gibt’s nicht mal. Schauen Sie im Duden nach.“ Dort findet man es tatsächlich nicht, dafür in der Wettspielordnung des Württembergischen Tennisbundes (WTB), Paragraf 10: „Spieler, die nicht die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen und ab dem Meldetermin rückwirkend mindestens fünf Jahre ununterbrochen einen ständigen Wohnsitz durch das Einwohnermeldeamt in Deutschland nachweisen und seit mehr als fünf Jahren Mitglied in einem Mitgliedsverein eines DTB Landesverbands sind, werden deutschen Spielern im Sinne dieses Status gleichgestellt.“

Herren 50, unterste Liga

Eben dieser Paragraf ärgert Carlos Garcia und seine Mannschaftskollegen der Tennisabteilung des SV Markbronn mächtig. Garcia ist Spanier, sein Mitspieler Umberto Veneruso Italiener, die anderen sind Deutsche. Sie alle spielen seit zig Jahren zusammen. Aus Spaß. Inzwischen Herren 50, Bezirksstaffel. „Weiter runter geht’s nicht“, sagt Garcia und lacht. In all diesen Jahren habe es nie Probleme wegen zweier Ausländer gegeben.

Vor drei Jahren habe ich mit Umberto ein Doppel gewonnen.“ Kurz darauf habe der WTB das Spiel annulliert, weil es von zwei Ausländern gespielt worden war. Das ist laut Wettspielordnung nicht erlaubt – in einer Vierer-Mannschaft darf nur ein Ausländer spielen. So will der Tennisbund verhindern, dass Vereine sich hochklassige Spieler einkaufen, die eine Mannschaft zum Erfolg führen, den sportlichen Wettkampf verzerren (siehe Info-Kasten). „Damit gab es immer mal wieder Betrug“, sagt Rolf Schmid, WTB-Vizepräsident und Verbandssportwart.

Damit den Markbronnern nicht noch einmal Punkte abgezogen werden, sollten Garcia und Veneruso Tennisdeutsche werden, also nachweisen, dass sie seit über fünf Jahren in Deutschland leben. „Das erste Mal habe ich das auch gemacht, damit hatte ich kein Problem “, sagt Veneruso. 15 Euro und die Stadt Ulm händigte dem 65-Jährigen, der seit fast 50 Jahren in Ulm lebt, die Wohnsitzbescheinigung aus. Garcia tat es ihm in Illereichen nach. Er kam 1965 nach Deutschland und sieht sich „schon lange nicht mehr als Ausländer“. Für die Saison 2016 war damit alles klar.

Nun will der Württembergische Tennisbund diese Bescheinigung aber jedes Jahr. „Das sehe ich nicht mehr ein“, sagt der 64-jährige Garcia. „Spielen wir etwa in der Bundesliga und fliegen jeden Samstag ausländische Top-Spieler ein?“ Außerdem: Wenn er vor zwei Jahren seinen Wohnsitz hier hatte, sei es doch logisch, dass das auch jetzt noch so sei. Zumal er durchgehend für den SV Markbronn gemeldet war. Das könne der WTB in den Spielberichten der vergangenen 15 Jahren nachlesen. Selbst wenn die Regelung rechtens sei, „Sinn macht sie deshalb nicht“.

Es gehe ums Prinzip, findet Mitspieler Veneruso. Er sei über 40 Jahre beim SV Markbronn, wie Garcia hat auch er dort zunächst Fußball gespielt. Veneruso betont, wie wichtig der Vereinssport für seine Integration war. „Als ich mit 15 herkam, konnte ich kein Wort Deutsch. Das habe ich auf dem Sportplatz gelernt.“ Er fühlt sich gegängelt. Und diskriminiert. Deshalb überlegt er, einen Anwalt einzuschalten, um zu prüfen, ob der Paragraf nicht gegen die Gleichbehandlungsrichtlinien der EU verstößt.

„Wir verdienen kein Geld damit“

Unterstützt werden Veneruso und Garcia von Spielführer Arturo De Novellis. Er hat schon etliche Briefe an den WTB geschickt. De Novellis, gebürtiger Italiener mit deutscher Staatsbürgerschaft, schnaubt vor Wut. „So was kann man im Profi-Sport machen, aber doch nicht in den unteren Ligen“. De Novellis: „Wir verdienen kein Geld damit, wir zahlen dafür.“ Da sei es doch ein Witz, dass man ihnen unterstelle, die Spiele mit Hilfe zweier Ausländer zu manipulieren. Beim Fußball krähe kein Hahn danach, wer welche Staatsbürgerschaft hat.

Gracia und Veneruso haben für diese Saison „aus Prinzip“ keine neue Wohnsitzbescheinigung beim WTB vorgelegt. Das heißt: Nur einer von ihnen darf bei Verbandsspielen als Ausländer auf den Tennisplatz. Derzeit ist Garcia gemeldet. „Jetzt ziehe ich zurück, damit Umberto spielen kann.“

WTB-Vizepräsident Rolf Schmid: Die Regelung macht Sinn

Klage Rolf Schmid, Vizepräsident des Württembergischen Tennisbundes, kann die Aufregung der Markbronner Tennisspieler nicht nachvollziehen: „Wir lassen doch jeden Ausländer zu.“ Ein in Deutschland geborener Ausländer sei unabhängig von seiner Nationalität sofort Tennisdeutscher. Ein in Deutschland lebender Ausländer müsse lediglich jährlich den Nachweis vorlegen, seit fünf Jahren hier zu leben. Anlass für die Einführung dieser Regel war ein Vorfall im Raum Ehingen: Dort hatte ein Tennisdeutscher aus Kroatien gespielt, der für vier Jahre zurück in seine Heimat ging. Er kam zurück nach Deutschland und spielte wieder für seinen alten Verein. Nachdem dessen Mannschaft ein Verbandsspiel gewonnen hatte, legte der unterlegene Verein Klage beim WTB ein, weil der Kroate die Bedingungen des Tennisdeutschen nicht mehr erfüllte. Die Rechtskommission gab dem statt und entschied, dass die Wett­kampf­ordnung geändert werden müsse. Die Mitgliederversammlung, Delegierte der 1038 Vereine, stimmte 2013 zu, dass der Wohnsitznachweis nunmehr jährlich vorzulegen ist. Die Regelung mache auch Sinn, sagt Schmid. Schließlich könne der Verband sich „nicht alle seine 80 000 Spieler merken“. Und es gebe durchaus Vereine, die Spieler einkauften. „Wenn wir die Ligen für Ausländer öffnen, dann benachteiligen wir die Deutschen.“

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