„Das ist einfach nur genial. Dabei dachten wir schon, für uns ist es mit der Schule vorbei.“ Altheims Bürgermeister Andreas Koptisch ist einfach nur begeistert. Am Montag ging im Rathaus der Genehmigungsbescheid des Regierungspräsidiums (RP) Tübingen ein. Die 1700-Einwohnergemeinde, deren öffentliche Werkrealschule zum Ende des Schuljahres 2014/15 geschlossen worden war, kann im September eine Realschule in freier Trägerschaft eröffnen.

Für 750.000 Euro wird die Gemeinde die derzeit leerstehenden Schulgebäude ertüchtigen. „Wir sind planungstechnisch schon mittendrin. Der Bauzeitenplan ist eng, aber wir schaffen das“, sagt Koptisch. Schulträger wird dann aber nicht die Kommune sein, sondern ein Verein.

Die Altheimer, die nach 480 Jahren durchgängiger Schulgeschichte und der Schließung ihrer Schule engagiert nach einer Alternative umgesehen hatten, haben, kooperieren mit fünf Pädagogen, die in den Vergangenheit alle schon einmal an der Bibrisschule in Herbrechtingen (Kreis Heidenheim) unterrichteten.

Über einen Umweg, der Kontakt kam über das freie Albgymnasium in Hohenstein (Kreis Reutlingen) zustande, fanden Andreas Koptisch und die Lehrerinnen zusammen. „Wir suchten eine Idee für eine Schule, Sie brauchten einen Standort, um eine freie Schule zu gründen“, beschreibt Koptisch die Ausgangsvoraussetzung. Und ergänzt: „Wir haben gleich gemerkt, dass das mit uns gut klappt.“

Ein Eindruck, den Anja Österreicher als Vertreterin der pädagogischen Gründungsgruppe bestätigt. „Wir sind alle total begeistert, dass das jetzt klappt“, sagt die Lehrerin aus Heidenheim. Schon gut zwei Jahre lang arbeite sie mit ihren Kollegen an einem Schulkonzept. Dass Andreas Koptisch sich gemeldet habe und es nun in Altheim/Alb den nötigen Raum für sie gibt, sei ein großer Glücksfall gewesen. „Wir hatten ohnehin fest vor, eine Schulze aufzubauen.“

Antreten wollen die Pädagogen, die allesamt mehr als zehn Jahre Berufserfahrung mitbringen, mit dem so genannten Powersport-Konzept. Jeder Tag an der neuen Altheimer Schule soll mit Sport beginnen. Und zwar verlässlich immer um 7.45 Uhr. Dafür wollen die Gründer bewusst auf Nachmittagsunterricht verzichten. Denn die Schüler sollen Zeit für Freizeitaktivitäten (zum Beispiel in den Vereinen oder der Musikschule) haben.

Dafür wird vormittags an Sechs- oder Sieben-Stunden-Tagen in Klassen mit allerhöchstens 24 Schülern unterrichtet. „In den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch werden zur besseren Förderung immer zwei Lehrer in der Klasse sein“, erklärt Anja Österreicher. Und betont, dass, wie im Albgymnasium in Hohenstein, in Altheim auch „sehr praxisorientiert“ gearbeitet werden soll. Dafür sucht die Schule die Kooperation mit örtlichen Firmen.

Letztere werden auch benötigt, um die junge Schule zu finanzieren. Denn Geld vom Land gibt es für freie Träger erst ab dem vierten Betriebsjahr. Zuvor muss der Verein für die Kosten komplett selbst aufkommen. „Wir freuen uns über Unterstützer“, sagt Österreicher deshalb. Das Schulgeld für die Freie Realschule soll im ersten Schuljahr laut Österreicher unter 150 Euro betragen. Bürgermeister Andreas Koptisch ist trotzdem zuversichtlich: „Es gibt einen Finanzplan, der zeigt, dass sich die Schule trägt.“

Beginnen wird der Unterricht mit nur einer Klasse. Jahr für Jahr soll sich die Schule dann sukzessive füllen. „Drei von uns gehen gleich zum ersten Schuljahr nach Altheim, eine halbe Stelle schreiben wir aus“, umreißt Österreicher das Start-Kollegium. Sind in der Schule dann alle Klassenstufen besetzt, sollen in Altheim zwölf volle Lehrerstellen angesiedelt sein. „Sie können aber sicher sein, wir fangen gleich mit großem Einsatz an“, sagt die Pädagogin.

Und das gilt auch fürs Marketing. Der Trägerverein und die Lehrer wollen in den kommenden Wochen mit einer Informationskampagne zum Schulkonzept beginnen. So können Interessierte die Lehrer am Samstag, 20. Februar, zwischen acht und zwölf Uhr an einem Infostand auf dem Altheimer Wochenmarkt antreffen. Und für Montag, 29. Februar, planen Anja Österreicher und ihre Gründungskollegen Bettina Ehringer, Werner Kobes, Markus Maier und Wulf Saur einen Informationsabend an der Altheimer Schule (Lange Straße 18).

Mit Zuspruch für die Freie Realschule Altheim rechnet Bürgermeister Koptisch auch aus der Nachbarschaft: „Es haben jedenfalls schon viele Kollegen interessiert angerufen.“