Unterbalzheim Recyceln am laufenden Faden

Unterbalzheim / SWP 28.04.2012
Recycling schont die Umwelt. Das Wiederverwerten ist auch bei Baumwolle möglich, wie ein neues Produktionsverfahren in der Spinnerei der Firma Otto Garne zeigt. Eine Ökobilanz liefert dazu die Zahlen.

Um ein Baumwoll-T-Shirt herzustellen, braucht es sage und schreibe 4200 Liter virtuelles Wasser. Damit wird die Wassermenge bezeichnet, die nach einer umfassenden Bilanz als tatsächlich verbrauchte Menge für ein Produkt anfällt und in die beispielsweise auch die Bewässerung auf den Feldern einfließt. Baumwolle braucht viel Wasser, um zu wachsen.

Bei solchen Mengen ist klar, dass Ökologie und sparsamer Umgang mit natürlichen Ressourcen wichtige Stellschrauben sind - auch für Betriebe, die Baumwolle verarbeiten. Und sie sind auch längst zu Themen geworden, die die Verbraucher angehen.

Die Katastrophe des Aralsees ist ein prominentes Beispiel für die Verknappung des Wassers durch intensiven Baumwollanbau: Innerhalb von 40 Jahren haben es die Menschen geschafft, den einstmals gigantischen See austrocknen und dort eine Wüste entstehen zu lassen. Ein ähnliches Szenario spielt sich derzeit beim Tschadsee in Afrika ab, der ebenfalls von Jahr zu Jahr dramatisch schwindet.

Die Firma Otto Garne verarbeitet seit über 100 Jahren Baumwolle und hat in jüngster Zeit ein besonders umweltfreundliches Produktionsverfahren entwickelt: Recot2. Die Bezeichnung setzt sich zusammen aus den Teilen "Re" für recycled (wiederverwertet), "cot" für Cotton (Baumwolle) und die Potenz2 steht für die Größenordnung der Einsparmöglichkeit beim virtuellen Wasser. "Unser Projekt Recot² hat das Ziel, Wasser und den Einsatz von Pestiziden durch die Verwendung einer recycelten Baumwolle zu verringern", lautet die Firmenphilosophie. Dazu fließen Abfälle wie fehlerhafte Garne, Spulfäden oder Webkanten wieder in den Produktionsprozess ein, ohne dass dies Abstriche bei der Qualität bedeutet. Auf diese Weise beträgt die Menge des virtuellen Wassers für ein T-Shirt am Ende nur noch 2100 Liter Wasser.

Die Zahlen zum ökologischen Nutzen des neuen Verfahrens sind nicht grob geschätzt, sondern wurden in einer umfangreichen Ökobilanz berechnet, die in Zusammenarbeit mit der Uni Ulm entstand.

Nachhaltigkeit ist für Geschäftsführer Andreas Merkel wichtig. Der Betrieb hat mehrere Öko-Zertifikate. Beispielsweise werden Fairtrade-Baumwolle und hautfreundliche Farbstoffe verwendet. Es gibt Produkte mit dem zertifizierten GOTS-Siegel (Global Organic Textiles Standard), das kontrolliert biologischen Anbau vorschreibt, die Nutzung chemisch-synthetischer Pestizide und Düngemittel sowie das Verwenden gentechnisch veränderter Organismen verbietet.

Im Jahr 2010 hat Otto Garne für seine Bemühungen eine Anerkennung beim Umweltpreis für Unternehmen im Sektor Industrie des Landes Baden-Württemberg bekommen. Die Ökologie ist für Merkel ein Eckpfeiler des ökonomischen Erfolgs des Betriebs.

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