Festival Frei.Wild und Co.: Rechte Lebenswelten für Laichingen?

Kritiker fürchten, dass die Bands beim Laichinger Festival „Rock dein Leben“ rechtslastiges Publikum anziehen könnten.
Kritiker fürchten, dass die Bands beim Laichinger Festival „Rock dein Leben“ rechtslastiges Publikum anziehen könnten. © Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
Laichingen / Bernd Rindle 29.06.2018
Die für das Laichinger Festival gebuchten Bands hält die Agentur für soziale Perspektiven für ultrapatriotisch.

Wölfe im Schafspelz, stumpfe völkische Stammtisch-Rassisten oder weitgehend harmlose Proleten-Combos? Hinsichtlich der Bands, die beim geplanten Festival „Rock dein Leben“ in Laichingen auftreten sollen, gibt es unterschiedliche Einschätzungen. Während die Veranstalter beschwichtigen, befürchten Kritiker, dass die Gruppen mindestens so weit vom demokratischen Boden entfernt sind wie der Backstage-Bereich vom Publikum.

Um eine angemessene Einordnung vornehmen zu können, hat nun das Ulmer Bündnis gegen Rechts den Berliner Bildungsreferenten Michael Weiss eingeladen, der für die Agentur für soziale Perspektiven (ASP) seit vielen Jahren „Grauzonen und rechte Lebenswelten“ untersucht, um die inhaltlichen und strukturellen Schnittstellen zwischen extrem rechten, rechten und vermeintlich unpolitischen Szenen und Milieus herauszuarbeiten.

 Dabei stößt er zwangsläufig immer wieder auf Bands, die der rechten Szene zugeordnet werden können – manchmal deutlich, manchmal nur mittelbar. Seit der Wende 1990 seien derartige Combos „explosionsartig“ aus dem Boden geschossen und trieben seither in unterschiedlichen Erscheinungsformen ihr musikalisches Unwesen. Nicht alle als bekennende Rechtsextreme, und nicht unbedingt auf Dauer. Manche haben dem mittlerweile abgeschworen oder zumindest öffentlichkeitswirksam so getan.  Als klassische rechtsextreme oder gar Nazibands bezeichnet Weiss die für das Laichinger Festival gebuchten Gruppen nicht, sehr wohl allerdings als Vertreter rechter Lebenswelten mit völkischem Gedankengut.

Was sich bisweilen in bizarrer Heimatromantik und Liebeserklärungen zur Scholle Bahn bricht. Der Gesinnung seiner „Kaiserjäger“-Zeit offenbar abgeschworen, macht der südtiroler „Freiwild“-Sänger heute auf ultrapatriotisch: "Ich dulde keine Kritik an diesem heiligen Land, das unsere Heimat ist", was Michael Weiss als „absolut knallhart nationalistisch“ einordnet.

Aufruf zur Demo am 14. Juli

Mit den „Krawallbrüdern“ steht eine Band nicht nur auf dem Laichinger Veranstaltungsplakat, sondern „seit Jahren immer wieder in der Kritik“, weiß Weiss, zumal sie zu Konzerten nicht selten rechtsextreme Vorbands dabei hätten, obwohl man sich offiziell von dieser Szene distanziere. Mag deren Musik inhaltlich auch lediglich „prollig auf Stammtischniveau“ angesiedelt sein, sei sie doch für dieses Milieu von Relevanz. Abgesehen davon, dass vereinzelte Mitglieder von „geläuterten“ Bands mitunter auch in rechtsextremen Combos mitspielten.

 Allen Bands, die in Laichingen auftreten sollen, sei aber zu eigen, dass sich in ihrem Schlepptau auch rechtslastiges Publikum befinde. Deshalb geht der Berliner Experte davon aus, dass eine Menge Pegida-naher Leute nach Laichingen kommen werden. Mit vielen noch extremeren Anti-Demokraten rechnet er dagegen nicht.

Gleich, wer sich da zum Konzert ankündigt, darunter ist nichts, was das Bündnis hier haben will – schon gar nicht, dass Laichingen als Spielort rechtslastiger Konzerte etabliert wird. Die autonome Gruppe „Kollektiv 26“ hat mittlerweile für den 14. Juli zur Demonstration auf dem Laichinger Marktplatz aufgerufen. „Laichingen ist kein Ort für ein rechtsoffenes und ausländerfeindliches Festival“, heißt es. „Wer gegen andere Kulturen und Homosexuelle ist, der hat in Laichingen oder sonstwo nichts zu suchen.“

Infoveranstaltung und Diskussion am 8. Juli

Als Reaktion auf das Rockfestival in Laichingen gibt es am 8. Juli um 20 Uhr im Café 4 in Blaubeuren eine Infoveranstaltung zum Thema „Rechtsextreme Musik und Grauzone: Wie Songs, Bands und ihre Auftritte einzuordnen sind.“ Dazu hat Micha Schradi Cord Dette als Referenten eingeladen. Er ist vom Albbündnis für Menschenrechte gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Zudem geht es in einem Fachvortrag und einer Diskussion darum, wie in einer Demokratie kommuniziert wird, ob es Grenzen gibt. Angelika Vogt vom Demokratiezentrum in Suttgart wird kurz über ihre Arbeit berichten. Veranstalter ist das evangelische Jugendwerk, unterstützt vom Helferkreis Asyl und Integration in der Stadt Blaubeuren.

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