Mindestens 18 Beschuldigte, die meisten davon aus dem Illertal, werden nach den Durchsuchungen im Umfeld einer „Sondengänger“-Chatgruppe verhört. Das bestätigt Holger Stabik, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West auf Nachfrage. Wie berichtet hatte es am Donnerstag insgesamt neun Durchsuchungen gegeben, sieben davon im Landkreis Neu-Ulm, zwei in den Landkreisen Biberach und Dillingen. Die Polizeibeamten wurden von Sonderkräften unterstützt, unter anderem aus dem Sachgebiet Waffen des Bayerischen Landeskriminalamts.

Verstöße gegen Kriegswaffenkontrollgesetz

Die zuständige Ermittlergruppe wird laut Stabik in den kommenden Wochen damit beschäftigt sein, zahlreiche Beweismittel und die Aussagen der Beschuldigten und möglicher weiterer Zeugen auszuwerten. Vorgeworfen wird den Beteiligten unter anderem Verstöße gegen das Waffengesetz und das Kriegswaffenkontrollgesetz: Gefunden wurden unter anderem eine Blindgänger-Handgranate, aber auch scharfe Waffen und Munition. Geprüft wird auch, ob in dem Chat Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen – also beispielsweise das Hakenkreuz – verwendet wurden. Um welche Symbole es sich handelt möchte Stabik nicht bekannt geben: Das seien „Ermittlungsinterna“. Er bestätigt jedoch „solche Tatbestände“. Die politische Motivation, die die Ermittler in Bezug auf den Sondengänger-Chat prüft, sei „eindeutig“ rechts zu suchen.

Haftgründe werden geprüft

Trotz der zahlreichen Funde ist bisher nur ein Beschuldigter in Untersuchungshaft: Dem  26-Jährigen aus dem Kreis Biberach wird der bewaffnete Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge vorgeworfen.

32-Jährigem droht Haft

Der Besitz von Waffen ist laut Stabik ein „Vergehen“, jedoch nicht automatisch ein Verbrechen. Die Untersuchungshaft werde erst dann angeordnet, wenn sich beispielsweise der Verdacht des Waffenhandels bestätigt. Dieser steht insbesondere für einen 32-Jährigen aus Vöhringen im Raum, der Administrator der Whatsapp-Gruppe zum Thema Sondengehen war, und darin auch Waffen zum Kauf angeboten haben soll. Die Ermittlungen waren in Gang gekommen, nachdem ein 29-Jähriges Mitglied der Whatsapp-Gruppe den 32-Jährigen wegen Bedrohung und Beleidigung angezeigt hatte. Die Ermittler fanden daraufhin Hinweise auf eine Vielzahl weiterer Straftaten im Umfeld des Chats.