Ermittlungen Skelett-Fund in Lonsee: Rathaus überprüft Meldedaten

Aus alten Meldebüchern werden derzeit im Lonseer Rathaus die Namen von Gastarbeitern aus Südtirol zusammengetragen – Menschen die ab den 60er Jahren in die Gemeinde zogen.
Aus alten Meldebüchern werden derzeit im Lonseer Rathaus die Namen von Gastarbeitern aus Südtirol zusammengetragen – Menschen die ab den 60er Jahren in die Gemeinde zogen. © Foto: Volkmar Könneke
Lonsee / Petra Laible 09.08.2018
Auch im Lonseer Rathaus wird auf der Suche nach dem Vermissten aus dem Steinbruch Ermittlungsarbeit geleistet.

Vieles deutet darauf hin, dass es sich bei dem Mann, dessen Skelett im Lonseer Steinbruch gefunden wurde, um einen dort beschäftigten Arbeiter handelte.

Ein Indiz: In dem Kalksilo war auch ein Paar Schuhe gefunden worden. Dabei handle es sich um typische Arbeitsschuhe, wie sie vor etwa 30 bis 40 Jahren verwendet worden sind, sagt Polizeisprecher Wolfgang Jürgens. Die Ermittler hätten dahingehend mehrere Hinweise erhalten, nachdem das Foto von einem der Schuhe veröffentlicht worden war.

Derzeit deutet alles darauf hin, dass der etwa 40-jährige Mann durch ein Unglück zu Tode kam. Bei der Obduktion wurden keine Hinweise auf eine Gewalteinwirkung entdeckt. Ein Baggerfahrer hatte wie berichtet bei Abbrucharbeiten vergangenen Donnerstag auf seiner Baggerschaufel Knochen und einen Schuh bemerkt und daraufhin die Polizei alarmiert.

Vermisster wohl kein Einheimischer

Im Bauschutt wurden weitere Knochen gefunden, am Ende konnte ein fast vollständiges Skelett zusammengesetzt werden. Damit begann das große Rätseln darüber, wer der verschwundene Mensch war. Kein Einheimischer, da sind sich die Leute in Lonsee sicher. Vielmehr nehmen sie an, dass es sich um einen der Gastarbeiter aus Südtirol handeln könnte, die ab 1939 nach Lonsee kamen und dort im Steinbruch beschäftigt waren (siehe Infokasten). Es waren über die Jahre Hunderte, darunter auch ganze Familien. Als Unterkunft für die Menschen erstellte der Unternehmer  gegenüber des Steinbruchs einfache Wohnhäuser „Im Herrengärtle“.

Ein Abgleich der Polizei ergab, dass das Skelett nicht zu den aktuellen Vermisstenfällen in der Region passt. „Wir nehmen an, dass der Mann nicht erst vor einigen Jahren, sondern schon vor Jahrzehnten verschwunden ist“, stellt Jürgens fest. Mehrere Zeugen hätten sich inzwischen nach einem Aufruf gemeldet, überwiegend ältere Menschen, weil sie „sich an etwas vor vielen Jahren erinnern“. Offenbar kursiert auch der Name eines Mannes.  Dazu will sich Jürgens nicht näher äußern: „Denken Sie an die Familie des Verschwundenen, bei der wieder Hoffnung auf eine Klärung auflebt“.

Rathaus überprüft alte Meldedaten

Es gebe zwei bis drei Leute in der Gemeinde, denen im Gedächtnis ist, „dass mal jemand verschwunden ist“, sagt der Lonseer Bürgermeister Jochen Ogger. Auch im Rathaus laufen „Ermittlungsarbeiten“: „Wir sind gerade dabei, die Meldedaten der Gastarbeiter aus Südtirol zu erheben“, erklärt Ogger. All jener Menschen, die in den drei Häusern im „Herrengärtle“ gemeldet waren – von 1960 bis in die 80er Jahre. Dafür werden im Rathaus Meldebücher mit handgeschriebenen Einträgen ausgewertet, auf denen An- und Abmeldedaten vermerkt sind. Mitarbeiterin Tanja Köpf vom Bürgerbüro hat damit alle Hände voll zu tun, am Donnerstag hatte sie rund 630 Personen in eine Excel-Tabelle übertragen.  „Ich bin aber erst bei 1973“, sagt sie.

Es gebe allerdings auch eine Dunkelziffer, fügt Ogger hinzu.  „Damals ist das nicht so genau genommen worden.“

Ein Kommen und Gehen im Steinbruch

Steinbruch  Das Kalk- und Schotterwerk Häge in Lonsee nahm in den 1920er Jahren seinen Betrieb auf.  Das Kalkwerk wurde bereits 1977 stillgelegt, Kalk wurde zugekauft. Der Steinbruch wurde 1979 aufgegeben.

Gastarbeiter „Es war ein Kommen und Gehen“, erzählt der Lonseer Georg Hößle über Arbeiter im Steinbruch: Einheimische, ab 1939 vor allem Südtiroler, später auch Kriegsgefangene aus Frankreich, Russland und Italien, ab 1959 Flüchtlinge aus der DDR, ab 1965 türkische Zuwanderer.

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