Dietenheim Protestanten feiern 60. Jahrestag der Christi Himmelfahrt-Kirche

Dietenheim / STEFANIE GRAF 14.07.2015
Gehaltvolle Reden, Geschenke und gutes Miteinander beim Festakt in der Dietenheimer Stadthalle: Gefeiert wurde der 60. Geburtstag der evangelischen Kirche schon am Vormittag mit einem Festgottesdienst.

"Gott will keine Paläste, aber braucht Orte, wo Raum ist für sein befreiendes Wort": So fasste Schuldekan Michael Pfeiffer seine Einschätzung zur aktuellen Situation in der Diaspora-Gemeinde Dietenheim zusammen. Dass die evangelische Kirchengemeinde "in einem erzkatholischen Ort einer Randzone" liegt, hatte eingangs bereits Inge Paal gesagt, die Vorsitzende des Kirchengemeinderates Dietenheim. Damit machte sie keinen Hehl daraus, dass das Jubiläum "60 Jahre Christi Himmelfahrt-Kirche" zwar eine große Freude für alle sei, die 1700 Gläubige starke Gemeinde sich aber deutlich in der Minderheit gegenüber der katholischen Übermacht befindet.

Zahlreiche Gläubige hatten das Jubiläum am Vormittag zum Anlass genommen, der Prozession mit der historischen Bürgerwehr und dem anschließenden Festgottesdienst mit Prälatin Gabriele Wulz beizuwohnen (wir berichteten).

Um Macht und Befreiung und daraus entstandener neuer Geschwisterlichkeit ging es im Festakt danach in allen Reden. Was Schuldekan Pfeiffer begann, setzte der katholische Pfarrer Gerhard Bundschuh fort. Vor 60 Jahren am fünften März 1955 nämlich wurde Deutschland von der Besatzungsmacht befreit und just in diesem Jahr auch die evangelische Kirche in Dietenheim eingeweiht. Die nunmehr aus den Gemeinden Dietenheim, Regglisweiler, Illerrieden, Wangen und Dorndorf bestehende Seelsorgeeinheit ist erst seit 1980 selbstständig. Sie gehe "vermutlich gerade wegen der Umbrüche nach dem Krieg", so Schuldekan Michael Pfeiffer, besonders geschwisterlich Seite an Seite mit der katholischen Gemeinde. Es sei die "gemeinsame Aufgabe, sich um die Menschen zu sorgen", formulierte es der Kollege der katholischen Gemeinde, was Pfarrer Ernst Eyrich von evangelischen Nachbargemeinde aus Wain nur bestärken konnte.

Dass die Historie ganz klar prägend gewesen sei und im wahrsten Sinne zusammengeschweißt hätte, erklärte auch Bürgermeister Christopher Eh. "Was die Mauern der Kirche erzählen könnten, wenn sie sprechen könnten", fragte er sich. Seiner Einschätzung zufolge haben die Glaubensgemeinschaften gerade "im Inneren für die Mitglieder besondere Bedeutung", auch wenn sie gesellschaftlich zurückgedrängt würden. Früher und auch heute in einer Phase, die "mit dem Urchristentum vergleichbar" sei, "leisten ökumenische Bemühungen einen wesentlichen Beitrag zum Frieden in der Welt", betonte Max Semler von der Unita Dei Cristiani. Die vielen Angebote der evangelischen Kirche, "in ihrer Vielfalt doch einheitlich", seien beachtlich und nicht mehr aus der Stadt wegzudenken. Ob ökumenische Bücherei, Seniorenzentrum oder Familientreff; es sei für alle Generation etwas geboten, sagte Semler. Damit rückte er, wie auch seine Vorredner, die Geschwisterlichkeit klar in den Fokus und bestärkte die Gläubigen auf dem gemeinsamen Weg in die Zukunft. Dieser sei aus der Geschichte gewachsen, "aus Provisorien entstanden" und stellt jetzt, wie Schuldekan Pfeiffer den Gedanken abschloss, "feste Räume des Glauben sicher zur Verfügung". Optimistisch und freudig klang die Festveranstaltung mit einem gemeinsamen Mittagstisch und einem bunten Unterhaltungsprogramm aus. Dafür zogen etliche Vereine alle Register.

Den Sekt bezahlt Wain

Kurios. Ernst Eyrich brachte zur Geburtstagsfeier einen Wunsch statt eines Geschenkes mit. Der Wainer Pfarrer bat um die Rechnung für den ausgeschenkten Sekt. Ebenfalls um finanzielle Unterstützung ging es bei den anderen Gaben der Gäste. Es wurden Schecks überreicht. Das Geld soll für die Kirche verwendet werden. Nach 60 Jahren ist dort einiges sanierungsbedürftig, besonders die Garderobe.