Südbahn Sperrung zwischen Ulm und Laupheim: Probefahrt im Schienenersatzverkehr

Region / Von Pia Reiser 01.10.2018

Eines sollte man im Gepäck haben, ist man dieser Tage zwischen Laupheim und Ulm unterwegs: Zeit. Vikoria Robertus hat davon gestern ein gutes Stück mehr mitgenommen als sonst. Täglich fährt die Ulmerin mit ihrem Sohn Leonard nach Laup­heim. Dort geht er in den Kindergarten und seine Mutter in die Arbeit. Statt 20 Minuten brauchen die beiden nun 48 für die Strecke. Der Grund: Die Südbahn wird elektrifiziert und ist deshalb von Ulm bis Laupheim seit gestern für Züge voll gesperrt (wir berichteten). Rund 25 Busse sind stattdessen bis Dezember als Schienenersatzverkehr (SEV) unterwegs. Grund genug, diesen auszuprobieren.

Gut startet die Probefahrt nicht, denn die SEV-Busfahrten von Ulm nach Laupheim lassen sich weder über die App noch das Online-Portal der Bahn buchen. Also muss man als Nicht-Monatskartenbesitzer früher los und den Fahrkartenautomaten bemühen. Warum der Online-Kauf nicht funktioniert, konnte die Bahn-Pressestelle gestern nicht mehr in Erfahrung bringen. Im SEV-Bus selbst kann man keine Karten kaufen.

Nächste Herausforderung: Die Haltestelle in der Schillerstraße in Ulm finden, von der die Busse starten, die auch im Industriegebiet Donautal und in Erbach halten. Andreas Kasper, am frühen Morgen auf dem Weg von München nach Erbach, ist daran fast verzweifelt. „Für die Vorbereitung der Bahn gebe ich eine Fünf Minus, das ist gerade die schlimmste Reise seit Odysseus.“ Die SEV-Haltestelle hat die Bahn direkt am Ende des Fußgängerstegs eingerichtet, der momentan von den Gleisen 2/3 und 7/8 erreicht werden kann. Gestern am Morgen stehen am Busstop auch mehrere Menschen mit Warnwesten, die Fragen zu den Bussen oder Anschlusszügen beantworteten. Von diesen Helfern soll von der ersten Fahrt bis zur letzten immer mindestens einer je an den Haltestellen in Ulm, Neu-Ulm und Laupheim-West stehen.

Die Haltestelle einmal gefunden, verläuft die Fahrt reibungslose. Der Bus hält pünktlich im Donautal, in Erbach und Laupheim-Stadt, die Stimmung ist ruhig bis müde. Viktoria Robertus Sohn erzählt vor sich hin. Seine Mutter findet die Ausschilderung am Ulmer Bahnhof übrigens „super“. „Nur der weitere Weg mit Kind und Kinderwagen ist anstrengend“, sagt sie.

Nach einer Stunde Fahrt steigen die meisten der rund 20 Fahrgäste in Laupheim-West aus und hasten zum Zug mit Diesellok, der schon auf dem Gleis wartet.

Auch in Laupheim steht ein Bahnmitarbeiter und weist den Reisenden den Weg. Oliver Mayer hat als Angebotsplaner den Schienenersatzverkehr selbst mit entworfen und schaut sich nun am ersten Tag an, wie es läuft. Überfüllte Busse gibt es laut ihm am Montag nicht, eher das Gegenteil. „Wir vermuten, dass heute viele mit dem Auto gefahren sind.“ Was Mayer beobachtet hat: Die Reisenden nutzen die Schnellbus-Verbindung zwischen Neu-Ulm und Laupheim nicht so gerne – wohl aus Sorge, den Anschlusszug in Neu-Ulm zu verpassen. „Obwohl sie damit rund 15 Minuten Zeit sparen, trotz Umsteigens“, sagt Mayer und lotst schon die nächsten Reisenden mit ihren Rollkoffern auf dem Bahnhofsvorplatz in Laupheim zu einem Schnellbus. Diese fahren zwischen Laupheim-West und Neu-Ulm bis auf den Stopp in Laupheim-Stadt ohne Halt durch.

Schnellbusse bis Neu-Ulm

In einen solchen Bus steigt auch Torsten Rimkus ein, auf dem Weg aus der Schweiz in Richtung Heidenheim. Er ist sichtlich entspannt und zufrieden mit dem Schienenersatzverkehr: „Bei mir gab es gar keine Probleme.“ Genervt vom Busfahren ist dagegen Kerstin Gowor, die einen Platz weiter sitzt. Täglich pendelt sie von Ravensburg nach Ulm. „Da zahlt man 277,10 Euro für die Monatskarte, und dann dauert das ewig!“ Ebenfalls 40 Minuten mehr pro Strecke muss Alexej Gößler einplanen, der von Biberach nach Ulm pendelt.

Am ZUP in Neu-Ulm heißt es dann nochmal umsteigen auf den Stadtbus oder die Züge in Richtung Ulmer Hauptbahnhof. Auch hier helfen orange gewandete Menschen, den richtigen Weg zu finden. Nach rund 2 Stunden 15 Minuten ist die Probefahrt von Ulm nach Laupheim und zurück beendet, ohne große Dramen oder Zwischensprints.

Auch wenn die Reisenden  mehr oder weniger verärgert über die langen Fahrtzeiten sind – in einem sind sie sich einig: Es sei gut, dass die Strecke vom Diesel auf den elektrischen Antrieb umgestellt wird. Und einen Vorschlag für das Ende der Sperrung hat eine Reisende auch: „Vielleicht kriegen wir die erste E-Fahrt ja umsonst. Das wäre doch was!“

Schülerströme müssen sich noch normalisieren

Organisation Jürgen Schnabl, als Projektleiter Schiene für die Planung des Schienenersatzverkehrs mitverantwortlich, zeigt sich am Montag zufrieden: „Bisher klappt es sehr gut, die Fahrzeiten der Busse sind ausreichend und die Kapazität passt.“
Jedoch könne man erst gegen Mitte der Woche ein aussagekräftigeres Fazit ziehen, wenn die Schüler nach den Ferien wieder wie gewohnt unterwegs sind. Die Beschilderung zur SEV-Haltestelle an der Schillerstraße werde man am Eingang des Hauptbahnhofs umgehend verbessern.

Zeitplan Bis Ende 2021 soll die Strecke Ulm-Friedrichshafen-Lindau voll elektrifiziert sein. Zwischen Ulm und Laupheim-West soll der Zug am 22. Dezember wieder rollen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel