Überall ist es schön. Und überall gibt es gute Menschen.“ Insofern kann Pfarrer Gerold Hornung die Frage nicht beantworten, wo es ihm in seinem langen Priesterleben am besten gefallen hat: Schramberg, Schwäbisch Hall, Schorndorf, Gingen an der Fils, Bietigheim-Bissingen – Westerstetten. „Es war mir alles gleich lieb.“

Immer Freude am Leben als Pfarrer

In Westerstetten setzt sich Hornung nun zur Ruhe. Und das mit 80 Jahren, also deutlich über dem üblichen Rentenalter. „Ich war immer fit, warum sollte ich nicht weitermachen?“, sagt der Mann mit dem weißen Rauschebart, der als Markenzeichen ein hölzernes Kreuz um den Hals trägt. Auch gebe es immer weniger katholische Pfarrer, seine Arbeit sei daher benötigt worden. Und sie habe ihm immer Freude bereitet. „Das Schöne am Pfarrer-Sein ist, dass man eine Beziehung zu Alt und Jung bekommt, dass man Freud’ und Leid erlebt, dass man so vielen Menschen begegnet.“ Dass immer mehr Menschen der katholischen Kirche den Rücken kehren, die Missbrauchsdebatte? Das tue ihm weh. „Aber ich leide nicht an der Kirche. Sie ist die Organisation. Ich aber arbeite für das Reich Gottes“, sagt Hornung, der nach eigenen Worten mit 16, 17 sicher war, dass Priester seine Berufung ist – und derer er sich bis heute gewiss ist.

Seelsorgeeinheit Westerstetten-Lonsee hat 3500 Gläubige

3500 Gemeindemitglieder betreut der Pfarrer seit seinem Wechsel nach Westerstetten im Jahr 2002. Zu der – flächenmäßig nicht eben kleinen – Seelsorgeeinheit gehören auch die Katholiken aus Lonsee, Holzkirch, Breitingen, Weidenstetten und Altheim/Alb. „Westerstetten gehörte nicht zur evangelischen Reichsstadt Ulm, sondern zum Kloster Elchingen“, daher sei der Großteil der Westerstetter bis heute katholisch, umgeben von lauter evangelischen Gemeinden.

Seine Predigten lernt er auswendig

Seine Predigten trägt Hornung frei vor. „Nur die Zitate lese ich ab.“ So habe er es gelernt. „Wir mussten jeden Gottesdienst auswendig lernen. Und das ist bis heute ein gutes Gehirntraining“, sagt er und lacht. Ihm sei die Eucharestie-Feier sehr wichtig, „weil es für mich das Zentrum des Glaubens ist“. Doch nicht nur Gottesdienste und die Seelsorge gehören zur Arbeit eines Gemeindepfarrers, auch ganz profane, bauliche Dinge: In Westerstetten waren das in den vergangenen 17 Jahren unter anderem der Einbau der neuen Orgel in der Kirche St. Martin, die Sanierung des Gemeindehauses St. Joseph, die Kirchenrenovierung in Lonsee. Auch das hat Hornung umgesetzt, der über sich selbst sagt: „Ich bin technisch völlig daneben.“ Glücklicherweise habe er bei solchen Sachen immer viel Unterstützung und Hilfe aus seinen Kirchengemeinden bekommen.

Weil er der Überzeugung ist, dass Familien gemeinsam etwas unternehmen sollten, hat er in Westerstetten und Lonsee neun Familienkreise gegründet, die sich regelmäßig treffen, wandern, spielen. „Mir war von Anfang an wichtig, dass eine Gemeinschaft entsteht.“ Geschwisterlichkeit ist für den Priester ein wichtiges Wort, das es auch im Miteinander mit Inhalt zu füllen gelte: „Und so wie’s in den Wald reinschallt, so kommt’s wieder raus.“

Großes Interesse an Geschichte

Hornung interessiert sich sehr für Geschichte. Das kann man in seinem Arbeitszimmer erkennen: Neben vielen Heiligenbildern und -figuren hängt ein fein altcolorierter Stammbaum seiner Familie, die aus Wernau bei Plochingen stammt, an der Wand. Ebenso das Familienwappen und große Fotografien seiner Urgroßeltern. Dazu passen die Reisen, die Hornung mit Freunden und Gemeindemitgliedern unternommen hat: nach Rom, Lourdes, Assisi, Griechenland und natürlich nach Israel. „Aber ich war auch gerne in den Bergen, beim Wandern.“

Neuer Pfarrer soll nach Westerstetten kommen

Technik ist nicht sein Ding. Dafür hat Hornung einen grünen Daumen. Wer den Garten vor dem 300 Jahre alten Pfarrhaus in Westerstetten sieht, weiß Bescheid: Im Vorgarten blühen Oleander, Geranien, Bougainvillea – ein Meer von bunten Blüten, um die unzählige Bienen, Hummeln und Insekten schwirren, sehr zur Freunde Hornungs: „Mein Vater und mein Großvater waren Imker.“ Aber auch der Gemüsegarten neben dem Pfarrhaus kann sich sehen lassen: „Wir essen nur, was wir im Garten haben, selbst Salat können wir das ganze Jahr holen.“ Und zum ersten Mal während des Gesprächs klingt so was wie Stolz aus Hornungs Stimme.

Den Garten muss der Pfarrer aber wohl irgendwann abgeben. Denn früher oder später wird ein neuer Pfarrer und in das Pfarrhaus einziehen. Hornung selbst wird in Westerstetten bleiben. Er hat sich ein kleines Haus gekauft, das derzeit umgebaut wird und den 80-Jährigen offenbar einige Nerven kostet. Bei dem Thema winkt er gefrustet ab. „Das läuft nicht ganz so gut.“

„Arbeite solange mir Gott die Kraft gibt“

Umbau und Ruhestand hin oder her. Bis der neue Pfarrer kommt, wird Gerold Hornung für seine Gemeindemitglieder da sein, „solange Gott mir die Kraft gibt und ich gebraucht werde“. Das sei sein Leben. „Und das hat mich zufrieden gemacht“.

Was dich auch interessieren könnte:

Verärgerte Kindergarten-Eltern Kein Platz für Auer Kinder in Au

Illertissen

Abschiedsgottesdienst am Sonntag


Feier Die Seelsorgeeinheit Wester­stetten-Lonsee verabschiedet Pfarrer Hornung am Sonntag, 15. September, mit einem Gottesdienst ab 14 Uhr in der Kirche St. Martin. Anschließend wird mit der Kirchengemeinde in der neuen Lonetalhalle gefeiert.