Langenau Porträts, die berühren - Neue Ausstellung in Langenau

Lea Napierala (links) und Nadine Maier von der Initiative Zusammenrücken zeigen den Getreidesack, in den die aus Ungarn vertriebene Familie Kerner ihre Habseligkeiten gepackt hatte.
Lea Napierala (links) und Nadine Maier von der Initiative Zusammenrücken zeigen den Getreidesack, in den die aus Ungarn vertriebene Familie Kerner ihre Habseligkeiten gepackt hatte. © Foto: Barbara Hinzpeter
Langenau / BARBARA HINZPETER 06.09.2016
Sand vom Lieblingsstrand, der Getreidesack von der Flucht – 18 Menschen aus 17 Ländern zeigen in einer Ausstellung, was sie mit ihrer Heimat verbindet.  

Wenn Fabiana Martel Mayz die Augen schließt, kann sie „die Karibik riechen“. Die 22-jährige Venezolanerin lebt seit zwei Jahren in Langenau. Der Sand, den sie von ihrem Lieblingsstrand mitgebracht hat und in einem Glas aufbewahrt, erinnert sie an die Heimat. Sie hat das Erinnerungsstück der Initiative Zusammenrücken für ihre Ausstellung im Rahmen der diesjährigen Reihe „Blickwechsel“ geliehen. 18 Menschen aus 17 Ländern zeigen Gegenstände, die sie mit ihren Herkunftsorten verbinden.  Sie erzählen, was sie ihnen bedeuten – und damit ihre ganz persönliche Geschichte. Es ist nach 2014 die zweite Ausstellung der Initiative, die 2012 auf Anregung der Stadt Langenau gegründet worden war, um das gegenseitige Verständnis und das Zusammenleben der Kulturen zu fördern.

Vor zwei Jahren habe die Gruppe Menschen gezeigt, die seit Jahren im gesellschaftlichen Leben der Stadt integriert sind, sagt Nadine Maier vom städtischen Kulturamt und Mitglied der Initiative.  „Wir stellten Vorbilder vor, an denen andere sich orientieren können.“  Bekannte Gesichter meist, denen man Tag für Tag in der Stadt begegnet: der Friseurin, dem Wirt, dem Hausmeister.

Die neue Ausstellung hingegen lässt auch Menschen zu Wort kommen, die wie Fabiana Martel Mayz erst kürzlich hierhergezogen sind, oder Kinder wie Ismet aus Albanien oder Martina aus Italien. Ein ganz besonderes Stück Heimat steuert Johann Kerner zur Ausstellung bei: den Getreidesack, in den seine Mutter und seine Großmutter das in Bettwäsche gewickelte Geschirr und andere Habseligkeiten gepackt hatten, als sie 1947 aus Ungarn vertrieben wurden. Noch ganz schwach ist der Name der Mutter zu lesen, den der damals 15-jährige Johann auf den Sack geschrieben hatte.

Vertreibung, Flucht vor Krieg und Verfolgung, aber auch berufliche Gründe und immer wieder die Liebe – so unterschiedlich die Herkunftsländer und Kulturkreise sind, so verschieden sind die Motive der Menschen, die in Langenau eine neue Heimat suchten. Schüler der Friedrich-Schiller-Realschule interviewten die Leihgeber, Nadine Maier und Wilmar Jakober redigierten die Texte für die Ausstellung. Die Gesprächspartner schauen nicht nur zurück in die Vergangenheit, sondern auch nach vorne. Die Antworten haben Nadine Maier und Lea Napierala, die für die Gestaltung der Stellwände und des Begleithefts zuständig ist, teilweise überrascht.  „Das waren nicht die üblichen Standardsätze“, sagt Nadine Maier. So findet beispielsweise die 14-jährige Bulgarin Stefka: „Das Tollste in Deutschland ist, dass man in die Schule muss.“ Die Fotografen der Arbeitsgemeinschaft  Agefocus haben die Leihgeber in ihrem alltäglichen Umfeld abgelichtet: natürlich wirkende Aufnahmen, berührende Porträts.

Mit den Augen anderer

Blickwechsel Die Ausstellung „Ein Stück Heimat – von Japan bis Peru“ wird am Donnerstag, 15. September, um 19 Uhr im Kulturbahnhof in Langenau eröffnet. Dazu gibt´s Musik von dem Trio „Akkolade“. Zudem kann Fingerfood aus den Ländern probiert werden, aus denen die Ausstellungsgegenstände stammen. Mit der Vernissage wird die diesjährige Veranstaltungsreihe „Blickwechsel – Heimat mit den Augen anderer betrachten“ eröffnet. Bis Ende Oktober stehen Vorträge, Diskussionen und Musik auf dem Programm.  

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