Noch bevor für den geplanten Bahnhalt in Merklingen eine belastbare Machbarkeitsstudie vorliegt, bricht sich rund um die Schwäbische Alb ein Konkurrenzkampf um Infrastruktur Bahn. Erst in der vergangenen Woche hatte der Geislinger SPD-Landtagsabgeordnete Sascha Binder beklagt, dass ein Bahnhalt in Merklingen den Wirtschaftsraum Geislingen unverantwortlich schwäche.

Nun legt Binders Unions-Kollegin Nicole Razavi nach: "Wir werden nicht akzeptieren , dass Verbindungen im Nahverkehr aus dem Filstal auf die Neubaustrecke verlagert werden", stellte die verkehrspolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion jetzt per Pressemitteilung klar. Sorgen müsse sie sich aber bisher nicht machen, weil es noch gar keine Finanzmittel für das Projekt gebe. Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) wecke Hoffnungen, die er nicht erfüllen könne. "Das ist nicht seriös", sagte Razavi.

"Diesen Ball spielen wir gerne zurück", kommentierte Winfried Hermanns Sprecher Edgar Neumann gestern die Vorwürfe. Natürlich gebe es bei den Regionalisierungsmitteln eine Knappheit. "Das liegt aber daran, dass der Bund zu wenig zur Verfügung stellt. Da könnte sich Frau Razavi einsetzen. Vom Bundesrat gibt es bereits eine einstimmige Forderung an die Regierung: eine Milliarde mehr im Jahr", sagte er und versicherte: "Es sind entsprechende Gelder verfügbar und bisher auch für diese Projekt reserviert." Allerdings stehe eine 50-prozentige Beteiligung immer unter dem Vorbehalt des Machbarkeits-Nachweises und "einem entsprechenden Engagement der Region".

"Damit sind dann die Rufe nach einer vollständigen Finanzierung durch das Land vom Tisch", kommentierte Ulms SPD-Landtagsabgeordneter Martin Rivoir den Vorstoß Razavis spöttisch. Und ergänzte, weil sein hiesiger CDU-Kollege Karl Traub bei einer Veranstaltung in Laichingen vergangene Woche noch die volle Kostenübernahme aus Stuttgart gefordert hatte: "Ich finde es bemerkenswert, wie einig sich der Wahlkreis-Abgeordnete und die verkehrspolitische Sprecherin in diesem Punkt sind." Die Lösung sieht der Sozialdemokrat deshalb immer noch in einer Umlenkung von Mitteln aus der Neubautrassen-Finanzierung. Rivoir: "Das ist ein Thema für den Stuttgart-21-Lenkungskreis."