Soziales Pflegeplätze und Freizeitangebote ausbauen

Michael Seefelder 02.11.2018

Damit Menschen mit geistiger, körperlicher oder seelischer Behinderung immer besser am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können, arbeiten die Stadt Ulm und der Alb-Donau-Kreis eng zusammen. Vor zehn Jahren haben sie dazu den ersten gemeinsamen Teilhabeplan vorgelegt, der Handlungsempfehlungen beispielsweise in den Bereichen Mobilität, Arbeit und gezielte Förderung vorgibt. Für das Jahr 2019 ist nun eine Fortschreibung vorgesehen. Der aktuelle Stand dazu wurde nun beim Eingliederungsforum im Haus des Landkreises in Ulm vorgestellt. Dabei wurde deutlich: Es gibt noch viel zu tun, um die Chancen und Möglichkeiten von Menschen mit Behinderung in der Region mit konkreten Maßnahmen zu erhöhen.

Wie Brigitte Länge, Fachdienstleiterin für soziale Sicherung, berichtete, finden in diesen Wochen Foren zur regionalen Teilhabeplanung des Landkreises statt. Dabei sollen Betroffene und Angehörige direkt vor Ort benennen können, „wo der Schuh drückt“. Unter diesem Motto fand zuvor auch eine schriftliche Befragung von Menschen statt, die Leistungen im Zuge der Eingliederungshilfe erhalten.

Länge nannte Punkte, die in den Gesprächen bei den Foren deutlich wurden: Menschen mit Behinderung wünschen sich unter anderem mehr Kurzzeitpflegeplätze, gemeinsames Wohnen mit Menschen ohne Behinderung, mehr Arbeitsmöglichkeiten außerhalb von speziellen Werkstätten, mehr Freizeitangebote und mehr Fahrdienste. Für das erste Quartal 2019 seien nun Workshops geplant, sagte Länge. Der Kommunalverband für Jugend und Soziales werde außerdem konkrete Zahlen liefern. Alle Erkenntnisse sollen dann in den regionalen Teilhabeplan einfließen, der Mitte 2019 vorliegen wird.

Vonseiten der Stadt Ulm informierte Manuela Wettels von der Abteilung Soziales, Fachplanung Behindertenhilfe. Auch dort wurden Betroffene befragt. „Wir haben jetzt erstmals eine belastbare Datenlage für Menschen mit Behinderung im Stadtgebiet“, berichtete Wettels. Außerdem gab es Workshops zu Themen wie Freizeit, Gesundheit, Bildung oder Arbeit. Die Ergebnisse zeigen, wo Menschen mit Behinderung noch Defizite sehen: Der Öffentliche Personennahverkehr muss behindertengerechter werden, es fehlen barrierefreie Wohnungen, aber auch Bildungsangebote und Möglichkeiten, sich politisch einzubringen. Vor allem jüngeren Betroffenen ist es zudem wichtig, auf den ersten Arbeitsmarkt zu gelangen. Deshalb sieht der kommunale Aktionsplan der Stadt Ulm vor, mehr Menschen mit Behinderung in Ausbildung und Arbeit zu bringen.

Landrat Heiner Scheffold dankte allen Anwesenden, die sich haupt- oder ehrenamtlich in der Behindertenhilfe engagieren. Musikalisch umrahmt wurde das Eingliederungsforum von einem lautstark beklatschten Auftritt der Band „Unpluggers“ der Lebenshilfe Donau-Iller.

Wandel hin zur Gleichberechtigung

Konvention Durch die UN-Behindertenrechtskonvention aus dem Jahr 2006 (eigentlich „Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderung“) hat sich ein grundlegender Wandel in der Betrachtung von Menschen mit Behinderung ergeben. Sie werden fortan als gleichberechtigte Menschen und nicht mehr als Kranke gesehen. Der völkerrechtliche Vertrag hat politische Konsequenzen. Auch das Bundesteilhabegesetz wurde vor diesem Hintergrund beschlossen. Dessen zahlreiche neue Bestimmungen müssen wiederum auch auf kommunaler Ebene umgesetzt werden.

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