Sie bieten die Chance schlechthin, einen Stellplatz in der ersten Reihe am Gardasee zu ergattern: die Pfingstferien in Bayern und Baden-Württemberg. Im Frühsommer, in der Nebensaison, mit der ganzen Familie in den Urlaub fahren – und der teuren, überlaufenen Hauptsaison entgehen. Schon klar, weshalb der Süden Deutschlands an seinen geliebten Pfingstferien und den deshalb verhältnismäßig späten Sommerferienzeiten festhalten möchte.

Pfingsten: Könnten die zwei freien Wochen bald wegfallen?

In den vergangenen Tagen ist eine Diskussion um den Verzicht auf die Pfingstferien entflammt. Diese resultiert aus der immer wiederkehrenden Debatte um eine Verschiebung der Sommerferien. Einige plädieren für die Teilnahme Bayerns und Baden-Württembergs am rollierenden System, das in allen übrigen Bundesländern bereits angewendet wird. Demnach wären die Sommerferien in der Region mal früher, mal später, aber nicht so spät wie jetzt, erklärt Matthias Schneider, Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Dagegen spricht sich der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) aus. Er wolle am späten Sommerferienstart festhalten, denn die Pfingstferien sprächen gegen eine Verschiebung der Termine, sagt Kretschmann. Daher wirbt die GEW für mehr lernen am Stück, durch den Verzicht auf die Pfingstferien. Politiker anderer Bundesländer sehen in der extra Regelung für den Süden außerdem eine Sonderbehandlung. Das sei nicht mehr angemessen, meint Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD).

Das sagen Schulleiter in der Region zur Debatte

Die Schulleiter von zwei Neu-Ulmer Gymnasien hingegen sehen das anders. Martin Bader ist Leiter des Lessing-Gymnasiums. Er findet: „Der Unterricht ist wie ein Spurt. Die Schüler brauchen dringend Pausen.“ Die Pfingstferien seien nötig, um den Schülern ausreichend Erholung zu bieten. Eine Lernphase von bis zu zwölf Wochen sei nicht produktiv, sagt Bader.

Auch Mark Lörz, der Schulleiter des Bertha-von-Suttner-Gymnasiums in Neu-Ulm, ist nicht gegen die Pfingstferien. Klar ist für ihn aber: „Das wichtigste ist, dass die Schuljahre gleich lang sind und zwischen den Ferien ungefähr sechs Wochen liegen“, sagt Lörz. „Alle Jahrgänge sollten die gleichen Voraussetzungen haben.“ Deshalb sei ein Wechsel des Ferienstarts von mehreren Wochen problematisch – und nicht die Tatsache, dass es die Pfingstferien überhaupt gibt. „Planungssicherheit für den Lehrplan tut der Schule immer gut“, so der Schulleiter.

An der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule, einer Ulmer Berufsschule, gibt es um die Pfingstferien noch keine Diskussion, sagt Schulleiter Lorenz Schulte. Es handle sich eher um eine Debatte auf Bundesebene, die das Gesamtkonzept der Ferien betrifft. „Das Rotationssystem der anderen Bundesländer ist schon sinnvoll, weil es bei den Prüfungen dann nicht so heiß ist“, man habe sich aber schon an die späten Sommerferienzeiten gewöhnt, so Schulte.

Das wollen Schüler und Eltern

Zwei Schülerinnen der Friedrich-List-Schule Ulm sind sich einig: „Die Pfingstferien sind mega wichtig.“ Rachel Wölflik (18) ist gerade mit dem Abitur fertig. Sie verstehe die Debatte zwar, weil die Ferien an Pfingsten so „mittendrin kommen und den Unterricht ein bisschen ausbremsen“. Trotzdem würde sie nicht auf die freien Tage verzichten wollen – weil sie die Zeit zum Lernen auf Klausuren vor den Sommerferien brauche, sagt Wölflik. Maja Vujic (19) geht in die zwölfte Klasse des Wirtschaftsgymnasiums. Zu den Pfingstferien hat sie eine klare Meinung: „Die Pfingstferien sind perfekt, um sich von Klassenarbeiten zu erholen und wegzufahren. Sie müssen bleiben.“

Der Ulmer Gesamtelternbeirat (GEB) möchte sich an der Diskussion um die Ferienzeiten derzeit nicht beteiligen. Gerd Braig, Vorsitzender des GEB, sagt: „Wir haben bisher keinerlei Elternanfragen oder Einwände in diese Richtig bekommen.“ Im Beirat werde ein Thema erst dann diskutiert, wenn es an Dringlichkeit gewinne oder es ein persönliches Anliegen der Eltern sei.

In der Ulmer Innenstadt nimmt Max Mammel, 47 Jahre alt und Vater von vier Kindern zwischen drei und elf Jahren, Stellung zur Debatte. Er sagt, die Pfingstferien seien für seine Familie die einzig sinnvolle Zeit, um in den Urlaub zu fahren. „In den meisten Betrieben ist es fast unmöglich, im August Urlaub zu bekommen. Da wollen alle weg.“ Das sieht auch die 52-jährige Kirsten Tretter aus Neu-Ulm so. Sie bezeichnet die Pfingstferien als vorgezogene Sommerferien. „Im Juni ist noch Off-Season, also ist es da in den meisten Urlaubsländern noch nicht zu heiß“, sagt Tretter. In den Sommerferien sei es außerdem „viel zu teuer, obwohl Bayern und Baden-Württemberg ja schon andere Ferienzeiten haben“.