Laichingen Packende Kämpfe der Rokkaku-Drachen

Start der Fledermausdrachen in Laichingen.
Start der Fledermausdrachen in Laichingen. © Foto: Sabine Graser-Kühnle
Laichingen / SABINE GRASER-KÜHNLE 04.10.2014
Facettendrachen, Rokkaku, Lenkdrachen, Tetraeder, Fledermäuse, Kraken und ganz einfache Trapezdrachen, sie alle haben am Freitag beim Drachenfest in Laichingen den Himmel bevölkert.

Wenn die Heidenheimer "Albflyer" zum Drachenfest auf dem Gelände des Flugsportvereins einladen, kann man sich auf eine phantastische Farben- und Formvielfalt von Drachen freuen. Wetter und Wind gut, hieß es am Freitag für die Drachenfreaks. Wenn die beiden Moderatoren Martin Haug und Mario Firmbach auf dem Aktionsfeld zu Fledermausmassenstarts, Lenkdrachenballett oder Rokkakuwettkämpfen ausriefen, scharte sich das Publikum um die Wettkampfwiese. Wie immer, fochten auch heuer rund 20 Rokkaku-Drachenfreaks harte Wettkämpfe um den Wanderpokal des Flugsportvereins. Ein kämpferisches Himmelsspektakel: Vor im Hintergrund wallender Riesenkraken, durchscheinender Facettendrachen und allerhand Drachengetier stiegen die kleinen, flinken Rokkakudrachen auf dem Aktionsfeld in die Höhe. Der eine hackt auf den anderen ein, die Zuschauer kamen in den Genuss blitzschneller Wendemanöver und kraftlos auf den Boden sinkender Verlierer. Nur einer dieser Rokkakudrachen bleibt am Ende oben - der Sieger.

Die Tradition des Rokkakuwettkampfes führt bis ins Jahr 1736 zurück: An der Nordküste Japans zerstörte ein Sturm die Urfesten eines Kanals. Lord "Mizoguchi" ließ den Kanal reparieren und belohnte die fleißigen Arbeiter mit einem Riesendrachen. Die ließen ihn freudvoll steigen - zum Leidwesen der Reisbauern, deren Feld zerstört ist, nachdem der Drachen dort landete. Ein Streit bahnte sich an. Doch der kluge Lord wollte ihn nicht Mann gegen Mann ausfechten, sondern Drachen gegen Drachen. Die Rokkakudrachen-Wettkämpfe waren geboren. Den Namen hat dieser Drachen allerdings seiner Form zu verdanken und bedeutet aus der japanischen Sprache übersetzt: "roku" - "sechs" und "kaku" - "eckig". "Diese Wettkämpfe gibt es schon seit ich denken kann", sagte Simone Schneider von den Albflyers. Die flinke Wendigkeit der Rokkakus kommt von der Hanfschnur: Wird nachgegeben, dreht sich der Drache um die eigene Achse, zieht man die Schnur an, erhält der Drachen Auftrieb in Achsrichtung. Erfahrene Drachenfreaks fechten so in rund drei Meter Höhe ihre Kämpfe aus. Jeder Rokkaku-Wettkampf auf dem Aktionsfeld entlockte den Zuschauern respektvollen Beifall.

Freilich wurden auch andere, friedvollere Vorführungen am azurblauen Himmel, gerne vom Publikum verfolgt. Nur für die Kastendrachen - dreidimensionale mehrzellige Drachen, mit einem Gesamtgewicht von gut und gerne sieben Kilogramm- war der Wind zu stark, um sie steigen lassen zu können.

Am Samstag geht das Drachenfest ab 14 Uhr weiter, am Abend, mit Einbruch der Dunkelheit, ist das große Nachtfliegen mit beleuchteten Drachen und Ballonglühen - ein Höhepunkt des Drachenfests. Anschließend gibt es Livemusik im Hangar mit der Coverband Reload. Am Sonntag ab zehn Uhr geht es in den letzten Tag des diesjährigen Drachenfestes.

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