Treffensbuch Ostereier vom freien Huhn

BRIGITTE SCHEIFFELE 19.04.2014
In etwa 20 Stunden produziert ein Huhn die Kalkschale für das Ei, das es dann legt. "Eine unglaubliche Körperleistung", sagt Martin Mollenkopf. Auf seinem Hof in Treffensbuch hält er 4500 Hühner im Freiland.

Im Frühjahr erfreut eine überschäumende Anzahl blühender Obstbäume und saftiger Wiesen das Herz manch eines Betrachters auf der Albhochfläche. Um den paradiesischen Anblick herzustellen, braucht es viele Hände und unzählige Arbeitsstunden: Es kosten viel Zeit, die Bäume zu pflanzen und zu pflegen. "Das ist biologischer Landbau", sagt Martin Mollenkopf. Kurz vor dem Ortseingang nach Treffensbuch grasen Rinder auf saftigen Wiesen, blühen Obstbäume, schnattern Gänse. Bis zu 4500 Hühner rennen quer über die Außenanlage von Mollenkopfs Hof. Sofort schart sich das Federvieh aufgeregt um den Besucher: Futter erwartend, mit den Flügeln schlagend, wohl genährt und gesund.

Auf 1,8 Hektar, also auf 18 000 Quadratmetern, haben die Hühner Auslauf, können aber auch in den Stall. Dort bietet ihnen Mollenkopf das doppelte Platzangebot wie in der üblichen Bodenhaltung, viel Ruhe, kleine Holzhütten zum Eierlegen, dazu Tageslicht, viele Sitzstangen und einen stets begehbaren, überdachten Pavillon. Neben allen Köstlichkeiten, die saftige Wiesen oder freies Land zu bieten haben, füttert Mollenkopf seine Hühner mit selbsterzeugtem Getreide, Erbsen und getrockneter Luzerne. Dazu kauft er biologisch angebauten Soja und Mais.

Doch nach einem milden Winter und trockenen Frühjahr wie diesmal erwartet die Bio-Bauern auf der Alb eine schwierige Ernte, bekundet Mollenkopf. Zudem hätten sich die Auslaufflächen für die Hühner über den Winter nicht erholen können: "Wenn Schnee liegt, bleiben die Hühner im Stall, und das Gras kann sich erholen. Dieses Jahr ist die Erholungszeit ausgefallen und die Grasnarbe vernichtet", erklärt der Landwirt. Deswegen werde er Stück für Stück der Wiesen abgrenzen müssen, damit sie sich erholen können. "Hühner werden mit jedem Grashalm fertig. Je weicher der Boden ist, umso mehr wühlen sie."

Es ist seine Lebensphilosophie, Lebensmittel im Einklang mit der Natur und mit Respekt vor den Bedürfnissen der Tiere zu erzeugen, erzählt er. Und dadurch tragen einige biologisch wirtschaftende Höfe auch in Treffensbuch entscheidend zum Landschaftsbild bei: Mit freilaufenden Tieren, vielfältigen Feldern und Wiesen, sowie einer oft üppigen Begleitflora, die Nichtkenner auch Unkraut nennen.

Mollenkopf lebt von der Legehennenhaltung. Für die Sozialstruktur sind auch Hähne wichtig. Doch für einen Hahn müsse man um die 100 Hennen rechnen, darunter werde es schwierig: "Die streiten sonst sehr. Hähne konkurrieren, legen ein gockelhaftes Verhalten an den Tag und sind natürlich nicht nur auf eine Henne fixiert", erzählt der Treffensbucher. Sprich: Die Anzahl der Hähne bei 4500 Hühnern ist äußerst gering.

Im Alter von 20 Wochen produziert ein Huhn schon verkaufsfähige Eier. Ist es ungefähr ein Jahr alt, kann die Schale schon porös werden und die Eier lassen sich nicht mehr verkaufen. Mollenkopf hat für einige "Rentner" unter seinen Hühnern einen mobilen Stall eingerichtet: Dort fristen sie ihr Dasein und legen immer noch ein paar Eier, die aber nicht zum Verkauf gegeben werden. "Wenn man bedenkt was ein Huhn in einem Jahr leistet, ist das doch bemerkenswert": Innerhalb von 20 Stunden produziert es die Kalkschale von einem Ei. Ein täglicher Umwandlungsprozess, in dem Futter eine maßgebliche Rolle spielt. "Bioeier haben einen schönen gelben Dotter. Der geht nicht ins Rötliche", sagt Mollenkopf und beantwortet die Frage nach weißen oder braunen Eiern dahin, dass braune Hühner braune Eier und weiße Hühner weiße Eier legen. Weiße Hühner könnten aber durchaus auch braune Eier legen, nur nicht umgekehrt. "Und natürlich legen Hühner nicht mehr Eier, weil mal eben Ostern ist." Eier, so Mollenkopf, haben immer Saison.