Internet #Merklingen: Auf Twitter für rechte Parolen missbraucht

Der Ortsname Merklingen wird auf Twitter für rechte Parolen missbraucht.
Der Ortsname Merklingen wird auf Twitter für rechte Parolen missbraucht. © Foto: dpa
Merklingen / Samira Eisele 18.10.2017
Tweets mit fremdenfeinlichen Äußerungen unter dem Schlagwort „#Merklingen“. Bürgermeister Sven Kneipp: „Wir können da drüber stehen.“

Merklingen ist ein Ort im Alb-Donau-Kreis. „#Merklingen“ nicht unbedingt. Im Nachrichtendienst Twitter finden sich unter diesem Hashtag  diverse Tweets, die mit der Gemeinde nicht mehr als den Namen gemein haben. Sie beschäftigen sich mit Flüchtlingen, die mit dem Namen der Bundeskanzlerin Angela Merkel zum vermeintlichen Kunstwort werden.

Nutzer, die über #Merklingen twittern heißen etwa „Rückführungshelfer“ und „DarkDeutschland“. Mitteilungen unter dem Hashtag lauten zum Beispiel „Heidelberg ist bis zur Halskrause zugeschissen mit #Merklingen). So wie jede andere mittelgroße Stadt in Deutschland.“ Oder: „Die Fachkenntnise von #Merklingen beschränken sich oft auf hüten von Ziegen und Schafen #Taharrush Rummessern, Umgang mit Sprengstoff.“ (sic).

In den Tweets verlinkte Artikel beschäftigen sich meist mit Kriminalität, die die Nutzer Flüchtlingen zuschreiben. Auch AfD-Werbung findet sich dort: „#AFD für Bayern, wir haben die Schnauze voll von #Merklingen“ heißt es da, drei der etwa zehn Nutzer, die #Merklingen so benutzen, schreiben im Profil, dass sie Wähler der Partei sind.

Urheber stehen vermutlich der AfD nahe

Eugen Ciresa, Kreisvorsitzender der AfD Ulm/Alb-Donau, nutzt Twitter nur sporadisch und kannte die Tweets bislang nicht. Nach dem Lesen einiger Äußerungen vermutet er, dass die Urheber keine AfD-Mitglieder, jedoch Sympathisanten oder Wähler sind. „Ich habe da nichts wirklich bösartiges gefunden“, sagt Ciresa: „Wenn wirklich gegen Flüchtlinge gehetzt wird, bin ich da dagegen.“

Dass Twitter-Nutzer Kriminalitätsmeldungen auflisten, könne er verstehen und finde es „soweit legitim“, auch den Kontext zu Flüchtlingen und Angela Merkel. „Etwas unglücklich gewählt“ sei der Name Merklingen: Ciresa würde „Merkels Flüchtlinge“ bevorzugen. „Das ist ja unsere Heimat. Dass man den Ort in den Kontext bringt und in Sippenhaft nimmt, finde ich nicht in Ordnung.“ Für eine Distanzierung sieht Ciresa keinen Grund: „Es geht nicht von uns aus.“ Mit Meinungen von Sympathisanten müsse man leben: „Ich glaube auch nicht, dass jedes CDU-Mitglied Werbung für die CDU macht.“

„Ich finde es nicht schön“, sagt Merklingens Bürgermeister Sven Kneipp: „Das gilt aber generell für Ausgrenzung, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit.“ Die Kombination des Bundeskanzler-Namens und Flüchtlingen zu „#Merklingen“ findet er „albern und blöd“, die vermittelte Interpretation des politischen Geschehens „nicht nachvollziehbar“.

Gegen den Missbrauch des Ortsnamens vorgehen möchte Kneipp nicht: Zum einen, weil nur etwa 35 Tweets den Ortsnamen in diesen Kontext stellen – in anderen geht es um den Bahnhof, die Autobahn und andere Themen der Gemeinde. Zum anderen, weil keine Persönlichkeitsrechte von Merklingern verletzt würden. „Merklingen ist ja keine Marke oder so, die ich schützen kann.“  Er empfiehlt eine andere Reaktion: „Ich denke, dass wir als Gemeinde da drüber stehen können und dieser fehlgeleiteten Interpretation keinen Raum geben.“

Hassrede melden, Straftaten anzeigen

Richtlinien Viele Soziale Netzwerke verbieten das Verbreiten von rassistischen Inhalten oder Hassrede gegen Flüchtlinge. Um dagegen vorzugehen, bieten Twitter, Facebook und Co. „Buttons“, mit denen die Inhalte anonym gemeldet werden können. Strafrechtlich relevante Beiträge wie Volksverhetzung oder die Aufforderung zu Straftaten können auch bei der Polizei angezeigt werden.