Geschichte Ortshistorie als Taschenbuch

Rolf Riek, Heinz Surek, Heinz Pfefferle und Eberhard Schanbacher (von links) zeigen die Entwürfe für das Buch über die Laichinger Alb im Mittelalter, das im Dezember erscheinen wird.
Rolf Riek, Heinz Surek, Heinz Pfefferle und Eberhard Schanbacher (von links) zeigen die Entwürfe für das Buch über die Laichinger Alb im Mittelalter, das im Dezember erscheinen wird. © Foto: Sabine Graser-Kühnle
Laichingen / Sabine Graser-Kühnle 03.11.2018

Die Laichinger Alb im Mittelalter“ – so lautet der Arbeitstitel eines ersten Bandes einer nach modernen Gesichtspunkten wissenschaftlichen Aufarbeitung der Laichinger Geschichte. Autor ist Heinz Surek. Der pensionierte Deutsch- und Geschichtslehrer ist schon lange als Lokalhistoriker in wissenschaftlicher Disziplin auf den Spuren der Stadtgeschichte. Seit rund vier Jahren stellt er Recherchematerial zusammen für diesen ersten Band, dem eine Reihe weiterer folgen soll. Als hochwertiges Taschenbuch will der Geschichtsverein Laichinger Alb, bei dem Surek Mitglied ist, als Herausgeber dieses Werk im Eigenverlag drucken und es in Eigenregie vertreiben.

Die Hauptversammlung des Vereins hat den drei Initiatoren Heinz Pfefferle (Vorsitzender), Rolf Riek (Schatzmeister) und Heinz Surek dazu grünes Licht gegeben. „Dieses Buch könnte das Standardwerk der Laichinger Geschichte werden“, kommentierte Mitglied Walter Karras. Schließlich gäbe es außer den beiden Bänden „Beiträge zur Geschichte von Laichingen“ der beiden Stadtarchivare Gottlieb und Friedrich Oelhafen (Vater und Sohn) nichts Ähnliches über Laichingen. Nicht zu vergleichen sind die beiden Werke der Stadtarchivare und das Buch von Surek: Denn während die Stadtarchivare eine Sammlung von Schriften, mit teilweisen eigenen Zusammenfassungen, veröffentlichten, ging Surek sein Werk wissenschaftlich an.

Er erforschte die Geschichte ab dem frühen bis ins späte Mittelalter, also vom sechsten Jahrhundert an, hinein in die Zeit des Rittertums und der ersten Burgen, bis Ende des 15. Jahrhunderts, in die Zeit der Merowinger und Karolinger. Dabei legte er den Fokus ausschließlich auf Laichingen.

Während Surek aus der Zeit im frühen Mittelalter, mit der Entstehung der Handwerkerzünfte, dem Patriziertum mit seinen reichen Bürgern, viel aus Überlieferungen schöpfen musste, standen ihm ab dem hohen Mittelalter um 1250 erhaltene schriftliche Quellen zur Verfügung. Surek geht dennoch zurück bis zur Siedlungsgründung durch den Alemannen „Laicho“, dem Laichingen wohl seinen Namen verdankt.

Wesentlich mehr Raum nehmen die Rechtsverhältnisse zwischen dem Blaubeurer Kloster und den Lehensleuten aus Laichingen ein, Surek berichtet über die Helfensteiner und ihren Laichinger Besitz und geht auf die Stadterhebung im späten Mittelalter mitsamt deren Folgen für die Laichinger ein. Dieser erste Band endet mit der Reformation auf der Laichinger Alb. Kurz kommen zudem die Teilorte Suppingen, Machtolsheim und Feldstetten während desselben Zeitraumes vor.

„Es ist zwar alles wissenschaftlich erforscht, aber auf moderne, für jeden gut lesbare Art“, versichert Surek. Auslöser für die Zusammenstellung des Buchs war das Stadtjubiläum 2014. Beauftragt vom Bürgermeister, sollte der Geschichtsverein eine Chronik erstellen. „Die wurde dann aber zu vielschichtig, passte nicht in das moderne Format, das die Stadt sich für die Feierlichkeiten wünschte“, berichtet Surek. Somit fließen längst nicht nur die Rechercheergebnisse von Surek in diesen Band ein, sondern alle historischen Fakten, die die Mitglieder des Geschichtsvereins mittlerweile zusammengetragen haben. „Ungemein wichtig“ waren laut Heinz Surek als Lektoren Dr. Heinz Pfefferle, pensionierter Geschichtslehrer, und Dr. Eberhard Schanbacher, ebenfalls pensionierter Lehrer und Lokalhistoriker, sowie Albert Gnädinger. Das Titelbild mit der Kirchenburg der Kirche St. Alban stammt von der örtlichen Malerin Rose Lamparter.

Erlöse beim Verein

Viel Vorarbeit leistete das Dreigestirn Pfefferle, Riek und Surek bei der Frage, ob das Buch im Fremd- oder Eigenverlag herausgegeben werden soll. Es überzeugten die Argumente, dass der Verein im Eigenverlag auch die Erlöse einsteckt und zudem „Herr aller Beschlüsse“ ist. 700 Stück des etwa 250-seitigen Buches werden nun bei der Druckerei Fink in Merklingen in Auftrag gegeben. Die sponsert das Buch mit einem kräftigen Nachlass. Ebenso hat der Laichinger Bürgermeister Klaus Kaufmann einen beträchtlichen Zuschuss zugesichert.

Obendrein setzt der Geschichtsverein beim Verkauf des Buches auf die örtlichen Schulen: „Es ist der Traum eines jeden Geschichtslehrers, die Themen des Lehrplans mit lokalen Bezügen zu ergänzen“, meinte Heinz Pfefferle. Zudem würde sich der Band sehr gut für Schülerreferate eignen und sei gutes Beispiel für wissenschaftliches Arbeiten, ein wesentliches Thema an den Schulen. Einige Sponsoren haben ebenfalls schon finanzielle Hilfe angekündigt, so dass Schatzmeister Rolf Riek mit Blick auf die Vereinsfinanzen guten Gewissens sagen konnte: „Die Finanzierung ist gesichert, außerdem kommt das Geld ja über den Verkauf wieder rein.“

Der Verkauf soll Anfang Dezember beginnen

Vorstellung Falls die Druckerei ihren zugesagten Liefertermin einhalten kann, beginnt der Verkauf des Buchs Anfang Dezember, also rechtzeitig zum diesjährigen Weihnachtsgeschäft, auf das der Geschichtsverein setzt. Verkauft wird es über die Mitglieder und die Buchhandlung Aegis zum Preis 19,50 Euro. Diskutiert wurde, ob es als gebundenes Buch herausgegeben werden soll. Doch die vergleichsweise hohen Kosten sowie die Tatsache, dass der Verein keine eigenen Räume hat, wo die anfangs nicht verkauften Exemplare lagern können, sprachen dagegen. Der Verein hofft, dass die Stadt die ihnen in der Anne-Frank-Realschule zugesicherten zwei Schränke bald zuweisen wird. Vorerst werden die Bücher privat gelagert. Mitte Dezember will Heinz Surek das Buch öffentlich vorstellen.

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