Am Ortseingang stoppt der Kleintransporter, die restlichen Meter ins Dorf geht die Gruppe zu Fuß. Dort gehen die Bettler von Haus zu Haus, sprechen Leute an, ziehen in Wohngegenden umher und erwecken den Eindruck, als ob sie etwas aushecken.

Flächendeckend treten solche organisierten Gruppen in der Region auf. „Sie grasen die kleinen Orte ab“, sagt Uwe Krause, Sprecher des Polizeipräsidiums Ulm. Die Zahl der Bettler auf dem Land sei in den vergangenen Wochen „unheimlich gestiegen“. Zugenommen haben in diesem Zusammenhang auch Diebstähle und Betrügereien.

So erging es zum Beispiel jüngst einem Mann, der in einem Geschäft von einer Bettlerin auf seinen schönen Ring angesprochen wurde, erzählt Krause. Die beiden unterhielten sich über das Schmuckstück. Erst draußen habe der Mann bemerkt, dass die Frau seinen Ring abgezogen hatte. Ein anderer Fall: Der Hausbesitzer kam heim, als jemand aus seiner Garage sprang und ihm eine Bettelkarte vor die Nase hielt. In der Garage hatte der Eindringling offenbar nichts Brauchbares gefunden. Bei den Diebstählen stünden Bargeld und Schmuck im Vordergrund, sagt Krause. Geld sei bei einer Kontrolle unauffällig, der Schmuck werde eingeschmolzen.

Die aufdringlichen Bettler-Gruppen sind auch ein Thema für die Bürgermeister der kleinen Gemeinden. Umgehend tritt zum Beispiel der Weidenstetter Bürgermeister Georg Engler auf den Plan, wenn er von einer Truppe im Ort erfährt. „Aggressives Betteln gibt es bei mir nicht“, sagt Engler. Bevor er rausgeht, frage er bei der Polizei, ob diese kommen kann. Wenn nicht, fordere er die Gruppe auf, die Gemeinde zu verlassen. „Wenn ich nicht durchdringe, drohe ich an, die Polizei zu rufen.“ Er bleibe hartnäckig, sagt Engler, der als Bürgermeister auch die Ortspolizeibehörde vertritt. Wie mit Bettlern umgegangen wird, ist in der Polizeiverordnung der Gemeinde geregelt. Engler: „In der Regel rufen sie dann mit dem Handy ihren Anführer an, der holt sie mit dem Bus wieder ab.“ Im nächsten Ort geht es mit der Bettel-Tour weiter. „Wir hatten schon welche vormittags, später waren sie dann in Altheim/Alb.“ Engler hat auf die Vorfälle, die sich häufen, reagiert: Im Gemeindeblatt empfahl er, Bettlern mit großen Vorbehalten zu begegnen.

Der Altheimer Bürgermeister Andreas Koptisch warnte ebenfalls im Mitteilungsblatt und auf der Homepage der Gemeinde vor betrügerischen Bettlern und riet, umgehend Gemeindeverwaltung oder Polizei zu verständigen. So sei eine Gruppe Bettler Ende Februar im Dorf unterwegs gewesen. Einige Tage später sei erneut ein Mann in den Ort gekommen und habe nach Geld gefragt. Er sei zu Fuß unterwegs, habe dieser erzählt – und nicht erwähnt, dass er „seinen Großraum-Pkw auf dem Albhallen-Parkplatz abgestellt hatte“. Die Langenauer Polizei habe ihn kontrolliert, keine weiteren Anhaltspunkte gefunden und einen Platzverweis ausgesprochen. Koptisch fügt aber auch hinzu: „Wie die Aufnahme der Flüchtlinge in Altheim/Alb erneut bewiesen hat, sind wir eine Gemeinde die fremden Menschen offen und hilfsbereit gegenübertritt.“

„Man muss nicht total verunsichert sein und Angst haben, wenn man das Haus verlässt“, betont Krause. Häufig ist von Bettlern aus Osteuropa die Rede. Das könne man so nicht sagen, sagt der Polizeisprecher. „Das ist ein riesenbreiter Raum.“ Manche von ihnen lebten auch in Deutschland. Ihre Vorgehensweise ist bekannt: „Jeder hat eine feste Rolle, die er einstudiert hat.“ So würden verschiedene Maschen trainiert. Eine Zeitlang sei etwa gefälschter Schmuck im Raum Ulm an der Haustüre und auf der Straße zum Kauf angeboten worden, mittlerweile nicht mehr. „Es hat sich herumgesprochen, dass damit kein Schnäppchen zu machen ist.“ Ein anderer Trick: Eine Umarmung, nach der die Halskette fehlt.

Oder die Sprit-Masche: Vergangenen Freitag bei Ehingen stoppten zwei Männer auf einem Feldweg das Auto einer jungen Frau und bedrängten sie, ihnen Geld für Sprit zu geben, damit sie ihren leeren Tank füllen und weiterfahren können. „Auch das ist kein Einzelfalll“, sagt Krause. Wenn vor einer Masche ein paar Wochen Ruhe sei und keiner mehr daran denke, tauche sie garantiert an einer anderen Ecke des Landkreises auf. „Das sind reisende Täter.“


 

TIPPS
Abschreckung: „Es ist nicht ungewöhnlich, dass Einbrecher zunächst über Betteln geeignete Objekte ausspähen. Deshalb sollte Bettlern mit großen Vorbehalten begegnet werden“, schreibt der Weidenstetter Bürgermeister Georg Engler im Mitteilungsblatt. Er empfehle, umgehend Polizei oder Gemeindeverwaltung zu informieren. „Außerdem empfehle ich, einen Fotoapparat bereit zu legen und gegebenenfalls von den Bettlern ein Bild zu machen.“ Falls es zu Einbrüchen komme, könne man eventuell einen Zusammenhang herstellen. „Auch würde ein Foto auf Leute mit bösen Absichten vermutlich abschreckend wirken.“ Die Polizei rät allerdings, nicht selber Maßnahmen zu ergreifen, sondern Auffälligkeiten umgehend zu melden und sich das Fahrzeug-Kennzeichen zu notieren. Kontrollen und gefasste Täter hätten eine abschreckende Wirkung. „Das spricht sich in den Kreisen herum“, sagt Uwe Krause vom Polizeipräsidium Ulm.
Beratung: Bernd Heß von der Ulmer Polizei wird am Mittwoch, 13. Mai, in Weidenstetten sein und ab 14.30 Uhr im Sportheim über das Thema Einbruchschutz sprechen. Er steht auch für Fragen zur Verfügung.