Wirtschaft Online-Handel

Der „Online-Marktplatz“ kann den Handel in der Innenstadt stärken, meint Bürgermeister Klaus Kaufmann.
Der „Online-Marktplatz“ kann den Handel in der Innenstadt stärken, meint Bürgermeister Klaus Kaufmann. © Foto: Sabine Graser-Kühnle
Laichingen / Sabine Graser-Kühnle 03.08.2018

Laichingen, Berghülen, Merklingen, Nellingen und Westerheim bewerben sich gemeinsam beim Ideenwettbewerb des Landes „Lokaler Online-Marktplatz“. Zuletzt berieten die Ratsgremien Laichingen und Berghülen darüber – mit differenziertem Votum: Während sich die Laichinger Räte einstimmig für die Teilnahme aussprachen, kam in Berghülen nur eine äußerst knappe Mehrheit zustande. Die große Frage in beiden Gremien war, was man sich unter einem Online-Marktplatz vorstellt. Die beiden Bürgermeister Klaus Kaufmann (Laichingen) und Bernd Mangold (Berghülen) lieferten Erklärungen. In Laichingen servierte außerdem Harry Titos vom eigens gegründeten Arbeitskreis „Online-Handel“ Informationen und Argumente.

Der lokale Einzelhandel wird von den Bürgermeistern als „wichtige Grundlage der Nahversorgung“ gesehen. Doch der Onlinehandel, etwa durch Amazon, ist eine mächtige Konkurrenz. Der Einkauf via Internet sei derweil nicht aufzuhalten, und so sucht der extra gegründete Arbeitskreis „Online-Handel“, bestehend aus Vertretern der Wirtschaftsvereinigung Laichingen (WVL) und der Stadt Laichingen, neue Wege, sich im Internet sichtbarer zu präsentieren. Die Idee des virtuellen „Online-Marktplatzes“ ähnelt einem realen Markt, wo konzentriert alle möglichen Waren angepriesen werden. Die Händler wollen sich nunmehr im Internet auf dem Online-Marktplatz tummeln.

Dieser Marktplatz bietet längst nicht nur den Händlern eine Plattform, ihre Produkte anzubieten und mit Aktionen und Werbung auf sich aufmerksam zu machen. Auf diesem Online-Marktplatz stoßen die Internetbesucher obendrein auf Dienstleister mit ihren Portfolios sowie die Kommunen. Darüber hinaus können Vereine ihre Freizeitangebote öffentlich machen. Ob Werbeaktion oder kulturelle Veranstaltung, ob neues Produkt im Sortiment oder Sonderangebote. Hier lädt ein Verein zum Schnuppern ein, dort weist die Stadtverwaltung auf Neuigkeiten oder Angebote hin. Mit Cross-Channel-Marketing kann man online bestellen und die Ware im Laden abholen oder am selben Tag nach Hause liefern lassen (click und collect). Auf dem Online-Marktplatz gibt es keine Schranken.

Chance für die Innenstadt

Bürgermeister Kaufmann sieht im Online-Marktplatz gar eine Chance, die Innenstadt wieder zu beleben. „Die Leute informieren sich im Internet und holen sich beim Einzelhandel ihre Bestellungen ab.“ Bernhard Schweizer (Laichinger Allgemeine Bürgerliste) kommentierte: „Das ist schon längst überfällig. Und wenn die Mitglieder der WVL sich dermaßen engagieren, ist es keine Frage, dass die Stadt sie unterstützt.“

Freilich geht das nicht zum Nulltarif. „Wir müssen vor allem Manpower investieren, also unsere Zeit“, meinte Harry Titos. Obendrein braucht es einen so genannten „Kümmerer“, der die Marktplatzseite aktuell hält. Und natürlich müssen Büro, Marketing und Werbung sowie Events finanziert werden. Die fünf Kommunen, so wünscht man sich, sollen ab dem dritten Projektjahr, wenn der Förderbetrag abgegolten ist, den Fehlbetrag mit insgesamt rund 25 000 Euro decken.

Beteiligte des Online-Marktplatzes haben einen Mitgliedsbeitrag zu entrichten, obendrein bezuschusst der Verbund der Wirtschaftsvereinigungen den Marktplatz im zweiten und dritten Jahr. „Wenn wir von teilnehmenden Unternehmen überrannt werden, stemmen wir das Projekt sogar ohne kommunale Unterstützung“, sagte Titos am Laichinger Ratstisch.

In Berghülen störten sich die Räte jedoch an mehreren Faktoren. So meinte Walter Nessyt, die Berghüler Händler seien mit ihren Homepages ausreichend im Internet präsentiert. Zudem habe die Gemeinde jüngst die City-Hub-App als interaktives Kommunikationsmittel zwischen Rathaus und Bürgern angeschafft. „Ich sehe keine Notwendigkeit und halte unsere kleckerweisen Verbindlichkeiten für nicht richtig.“ Konrad Schwarzenbolz konnte ebenso keinen Vorteil für die örtlichen Händler erkennen, Martin Kast störten die hohen Mitgliedsbeiträge. Karl Kücherer meinte, die Gemeinde solle die Chance nutzen, einmal „von Anfang an dabei zu sein“, und Kurt Kröner wollte sich gegenüber der Wirtschaftsvereinigung Laichingen als Initiator solidarisch zeigen. Mit nur einer Stimme Mehrheit stimmte der Berghüler Gemeinderat zu.

Arbeitskreis rechnet mit 200 000 Euro Förderung

Finanzierung Der Arbeitskreis „Online-Handel“ rechnet mit einem Förderbetrag von 200 000 Euro. Die Finanzierung soll zusammen mit der jährlichen Grundgebühr für eigene Seiten im Portal, den monatlichen Mitgliedsbeiträgen und ab dem dritten Jahr mit dem Zuschuss der Kommunen, erfolgen. Die Monatsbeiträge betragen im ersten Jahr 35 Euro, im zweiten Jahr 65 Euro und im dritten Jahr 80 Euro. Zudem werden Zusatzbeiträge fällig, je nachdem, welches Paket das Mitglied wählt.

Prüfung Der jährliche kommunale Beitrag von zusammen 25 000 Euro ab dem dritten Jahr wird für jede Gemeinde anhand der örtlichen Beteiligungsbetriebe individuell errechnet. Nach fünf Jahren soll die Nachhaltigkeit auf den Prüfstand kommen, das ist Wettbewerbsvorgabe. Die Bewerbung zum Wettbewerb ist fristgerecht zum 31. Juli 2018 erfolgt.

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