Öl-Anschläge Öl-Anschläge: Verdächtige sollen zum DNA-Test

Das Foto vom 17.04.2011 zeigt ein beschädigtes Motorrad an der Unfallstelle zwischen Marktrettenbach und Ottbeuren (Schwaben), an der zuvor der Fahrer tödlich verunglückte. Seit mehr als zwei Jahren ermittelt die Kripo Kempten wegen der Serie von Ölfleck-Anschlägen auf Motorradfahrer - nun hat ein Fernsehteam über die Arbeit der Fahnder eine Dokumentation gedreht.
Das Foto vom 17.04.2011 zeigt ein beschädigtes Motorrad an der Unfallstelle zwischen Marktrettenbach und Ottbeuren (Schwaben), an der zuvor der Fahrer tödlich verunglückte. Seit mehr als zwei Jahren ermittelt die Kripo Kempten wegen der Serie von Ölfleck-Anschlägen auf Motorradfahrer - nun hat ein Fernsehteam über die Arbeit der Fahnder eine Dokumentation gedreht. © Foto: Polizeipräsium Schwaben
Region / PETRA LAIBLE 04.10.2013
Rund 50 Hinweise sind bei der Polizei nach der Fernseh-Reportage über Öl-Anschläge auf Auto- und Motorradfahrer eingegangen. Darunter mehrere auf Personen: Diese werden zum DNA-Abgleich gebeten.

Eine Mülltüte voller Obst auf der Fahrbahn. Das ist einem Anrufer so verdächtig vorgekommen, dass er den Hinweis an die Kripo weitergab, nachdem er vergangenes Wochenende die Fernsehreportage über Öl-Anschläge auf Verkehrsteilnehmer in Süddeutschland gesehen hatte. Von der Sendung erhoffte sich die „Ermittlungsgruppe Ölfleck“ beim Polizeipräsidium Schwaben Süd/West in Kempten wertvolle Hinweise. Die Obsttüte allerdings führe wahrscheinlich nicht weiter, sagte Polizeisprecher Christian Owsinski auf Anfrage. Zu weit sei diese Vorgehensweise von der des Täters entfernt.

Dieser hatte zwischen 2007 und 2011 in Bayern und Baden-Württemberg zugeschlagen, indem er mit Altöl gefüllte Wein- und Sektflaschen auf Straßen zerschmetterte. Bekannt sind wie berichtet acht Fälle, unter anderem zwischen Regglisweiler und Orsenhausen sowie bei Bad Schussenried (Kreis Biberach), bei Wittislingen und Höchstädt (Kreis Dillingen). Die Polizei war auf die Anschlags-Serie gestoßen, als sie im April 2011 nach einem tödlichen Motorrad-Unfall in Markt Rettenbach (Unterallgäu) ermittelte. Dabei stellte sich heraus, dass der Familienvater auf einer vorsätzlich aufgebrachten Ölspur verunglückt war. Die Staatsanwaltschaft stuft den Fall als vorsätzliches Tötungsdelikt ein. 420 Spuren und Tipps gingen die Ermittler bisher nach, doch der Fall konnte nicht aufgeklärt werden.

Nun gibt es rund 50 weitere Hinweise, die seit der Fernsehsendung eingegangen sind, teilte Owsinski mit. Die wohl interessantesten beziehen sich auf Personen. In mehreren Fällen gebe es einen konkreten verdacht. „Da werden wir in die Ermittlungen einsteigen“, kündigte er an. Die zuständigen Dienststellen der Kripo werden informiert, die verdächtigten Männer erst mal zu einem freiwilligen DNA-Abgleich gebeten. Denn nach dem tödlichen Motorrad-Unfall konnte das bayerische Landeskriminalamt unter den Schraubverschlüssen der abgebrochenen Flaschenhälse identische DNA-Spuren eines Mannes sichern. Ein Abgleich mit der DNA-Datei beim Bundeskriminalamt ergab keinen Treffer, der Mann wurde bisher offenbar nicht erkennungsdienstlich behandelt. Dennoch hat die Polizei mit der Spur einen Trumpf in der Hand: Mittels DNA-Abgleich lasse sich ein Verdacht schnell ausräumen – oder bestätigen.

Profiler gehen davon aus, dass der Täter ein zurückgezogen lebender Eigenbrötler ist. Dieser wolle Macht ausüben, Angst erzeugen, um sein Selbstwertgefühl aufzubauen. Dabei gehe er sehr kontrolliert vor. Ursprünglich wurde davon ausgegangen, dass ihn Hass auf Motorradfahrer antreibt. Inzwischen nehmen die Ermittler an, dass sich die Anschläge gegen alle Verkehrsteilnehmer richten.

Etliche der neuen Hinweise drehten sich um das bei den Anschlägen verwendete Altöl. Es gab beispielsweise den Tipp, das Öl analysieren zu lassen. „Damit könnte theoretisch festgestellt werden, von welchem Hersteller und Fahrzeugtyp das Altöl stammt“, erklärte Owsinski . Diese Möglichkeit habe die Polizei jedoch schon vor längerer Zeit verworfen, weil sie zu wenig erfolgversprechend sei. „Was würde es der Sache nutzen, wenn herauskäme, dass es sich um einen VW Golf handelt?“

Zumal die für die Anschläge verwendete Altöl-Menge zu groß sei, als dass sie nur von einem Fahrzeug stammen könne. „Der Täter muss eine etxerne Quelle haben“, erklärte Owsinki. Da gebe es etliche Möglichkeiten: Werkstätten, eine private Hebebühne, landwirtschaftliche Fahrzeuge, Firmen, Verkaufsstellen von Motorenöl . . .