Obstwiese Dornstadt Obstwiesenfestival mit weniger Abfall

Aufbau für das Obstwiesenfestival 2017: Die damals verwendeten großen Transparente links und rechts an der Bühne sind inzwischen zu Taschen verarbeitet worden.
Aufbau für das Obstwiesenfestival 2017: Die damals verwendeten großen Transparente links und rechts an der Bühne sind inzwischen zu Taschen verarbeitet worden. © Foto: Martina Dach
Dornstadt / Von Thomas Steibadler 12.08.2018
Keine Einwegbecher und kein Plastikbesteck: Die Veranstalter des Musikfestivals in Dornstadt investieren für die Umwelt.

Mit Bluesrock von der Band The Whiskey Foundation beginnt am Donnerstagabend das 26. Obstwiesenfestival in Dornstadt. Bis Sonntag in der Frühe werden am Lerchenberg mehrere tausend Musikfans umsonst und draußen feiern. Und sie werden weniger Plastikmüll hinterlassen als in den vergangenen Jahren. Dafür sorgen die Veranstalter, die das Freiluft-Festival insgesamt grüner machen wollen: Go Green, lautet die Devise.

Plastikmüll überall in den Ozeanen, Spuren davon selbst in der Nahrungskette. „So wollen wir nicht weitermachen“, sagt Michael Gugelfuß, Vorsitzender des Vereins Obstwiesenfestival. Aus diesem Grund hätten die 25 bei der Festival-Organisation aktiven Mitglieder bereits im vergangenen Jahr beschlossen: Einweg ist kein Weg mehr. Auch wenn die bisher verwendeten Einwegbecher aus Maisstärke angeblich kompostierbar sind. „Das funktioniert aber nicht“, hat Gugelfuß festgestellt.

Die Getränke werden deshalb in diesem Jahr in Mehrwegbechern ausgeschenkt. Zwei Euro Pfand sollen die Besucher dazu animieren, die Becher zurückzugeben. Der Lieferant stellt auch den Spülservice. „Das kostet halt, aber das ist es uns wert“, sagt Gugelfuß. Die Brauerei Gold Ochsen aus Ulm mache ebenfalls mit, auch wenn deren Logo nicht auf den Bechern zu sehen sei. Dafür auf den Pfandmarken.

Auf Strohhalme aus Plastik wird in diesem Jahr ebenso verzichtet wie auf Plastikbesteck. An den insgesamt 16 Imbiss-Ständen sollen in erster Linie Produkte aus der Region angeboten werden. Zum Beispiel Wurst und Steak vom örtlichen Metzger. Müll vermeiden ist das eine, Recycling das andere. Von früheren Festivals hat der Verein noch einige der acht mal vier Meter großen Bühnen-Transparente im Lager. Die von 2017 sind nun zu annähernd 200 Taschen verarbeitet worden. In unterschiedlichen Farben und mit Bruchstücken der früheren Schriftzüge drauf. „Die sind echt schön geworden“, sagt Gugelfuß. Diese Bannertaschen aus Meshgewebe werden nun für zehn bis 25 Euro – je nach Größe – verkauft.

Kein Dixi-Klo

Auf Chemie wollen die Festivalmacher verzichten. Das bedeutet: kein Dixi-Klo auf dem Festivalgelände. Und: „Maximalen Komfort für die Besucher“, wie Gugelfuß sagt. Den sollen die beiden Toiletten-Container mit insgesamt 32 Kabinen und Wasserspülung gewährleisten. Auf dem Campingplatz neben dem Festivalgelände werden Dusch-Container und Kompost-Toiletten aufgestellt. Zum Wohlfülen sollen auch die Yoga-Stunden am Freitag- und Samstagvormittag beitragen.

Go Green – das ist beim Obstwiesenfestival 2018 auch wörtlich zu verstehen. Der Verein hatte im Mitteilungsblatt der Gemeinde Dornstadt und in sozialen Netzwerken zu Pflanzen-Spenden aufgerufen und verfügt nun nach den Worten des Vorsitzenden über einen „kleinen Botanischen Garten“. Yucca-Palmen, Kakteen, sogar eine Avocado … Mit den Pflanzen werde zum Beispiel der Backstage-Bereich verschönert.

8000 Euro Mehrkosten

Nach dem Festival sollen die Pflanzen „nicht gleich auf dem Kompost“ landen, sichert Gugelfuß zu. Einige wollen die Vereinsmitglieder behalten, andere abgeben. „Aber nur in gute Hände.“ Auf etwa 8000 Euro beziffert Gugelfuß die Mehrkosten durch mehr Nachhaltigkeit rund um das Obstwiesenfestival. Doch wenn die erhofften 12 000 Besucher kommen, „ist das Gröbste überstanden“. Dazu sollen unter anderem die Top-Bands Tocotronic und Von wegen Lisbeth beitragen.

Auftakt der Nachbarschaftsgespräche

Kommune Mehr Umwelt auf der Obstwiese. Das passt zur Absicht der Gemeinde Dornstadt ein Konzept zur nachhaltigen Entwicklung der Kommune aufzustellen. Ein wichtiger Gesichtspunkt dabei ist die Bürgerbeteiligung. „Wir und die Welt – Dornstadt der Zukunft“ ist dieser Beteiligungsprozess überschrieben. Nach der Auftaktveranstaltung mit dem Meteorologen Sven Plöger im Bürgersaal beginnen nun die Nachbarschaftsgespräche. Dazu kommt Susanne Berger, die Koordinatorin der kommunalen Entwicklungspolitik, am Donnerstagabend und am Samstagnachmittag aufs Obstwiesenfestival. An ihrem Stand will sie informieren und „Ideen, Impulse, Gedanken für die nachhaltige Entwicklung der Gemeinde sammeln“. Weitere Nachbarschaftsgespräche mit Bürgergruppen sind für September und Oktober in allen Ortsteilen der Gemeinde geplant.

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