Erbach / FRANZ GLOGGER Zum "Kandidaten-Gespräch" hatte der Erbacher Gewerbeverein geladen. Viele Kandidaten sind gekommen, leider nicht ganz so viele Wähler.

22 Stimmen zu verteilen auf 65 Gemeinderatskandidaten: Den Erbacher Wählern wollte der Handwerker- und Gewerbeverein Hilfestellung leisten und Gelegenheit bieten, diejenigen kennenzulernen, die "die Zukunft Ihres Wohnorts, Ihrer Heimat, gestalten". Für die "Kandidaten-Gespräche" waren in der Erlenbachhalle Sitzgruppen eingerichtet und Stehtische aufgestellt worden. Sitzbälle und Turnbänke signalisierten, hier geht es um Jugend und Familie, ein kleiner Schilderwald symbolisierte das Thema Verkehr. "Wähler und Bürger sollen zwanglos ins Gespräch kommen können", sagte Anne Fleiner vom Organisationsteam.

Zunächst konnten die vier Listen - CDU, Freie Wähler, SPD und Grüne - erklären, warum gerade sie die Wählerstimmen verdient hätten, und was eine Fee für Erbach Gutes tun könnte. Nach 20 Sekunden musste alles gesagt sein, durften die Kandidaten noch den begonnen Satz vollenden. Nach vier Fragen bat Moderator Kai Biedermann den nächsten Vertreter der nächsten Fraktion zur Antwort in den Ring. So ungezwungen die Form, so freundlich die Gespräche.

Wie kaum anders zu erwarten, kristallisierte sich bald die Erneuerung der Erbacher Innenstadt und, damit verbunden, die Verkehrsbelastung auf der B 311 und der Erlenbachstraße (L 240) als zentrales Thema heraus. Ferner standen Mitarbeiter des Rathauses um Hauptamtsleiter Florian Ott bereit, um Fragen zu den nicht ganz einfachen Modalitäten der Kommunalwahlen in Baden-Württemberg zu beantworten.

Veranstalter, Kandidaten und Besucher waren sich einig, dass die zwanglose und kompakte Form der Politik-Präsentation eine Fortsetzung finden sollte. "Das ist auch vorgesehen", sagte Anne Fleiner: "Zur Erneuerung der Innenstadt, aber auch anderen Themen wollen wir Bürger und Verantwortliche ins Gespräch bringen."

Einziges Manko der Premiere der "Kandidaten Gespräche" war die geringe Beteiligung der eigentlichen Zielgruppe. Lediglich etwa 25 Wähler waren am Freitagabend in die Erlenbachhalle gekommen, darunter vielleicht fünf Jungwähler. "Schade", befand Josef Gatti, einer der Nicht-Mandatsträger. Dabei sei die Gelegenheit, mit Kandidaten ins Gespräch zu kommen, selten so günstig gewesen. Auch für Peter Ehehalt war das geringe Interesse der Wahlberechtigten in Erbach unverständlich. Auf der einen Seite werde geklagt, die Gemeinderatskandidaten kaum oder nicht zu kennen. Der Abend aber habe gezeigt, "wenn man will, kommt man mit ihnen ins Gespräch." Dem stimmte Inge Christel zu: "Hier habe ich alle auf einem Haufen. Die beste Gelegenheit, diejenigen kennen zu lernen, die zur Auswahl stehen."