Politik Nur scheinbar alles gut mit der Kultur

Kern des Langenauer Kulturlebens: der Pfleghof, besucht vom Gemeinderat.
Kern des Langenauer Kulturlebens: der Pfleghof, besucht vom Gemeinderat. © Foto: Thomas Vogel
Thomas Vogel 05.07.2018

In die Langenauer Kulturlandschaft kommt Bewegung. Im März hatte sich der Gemeinderat bereits mit der in Papierform vorliegenden „Raumbedarfsanalyse“ der städtischen Kultureinrichtungen beschäftigt. Jetzt folgte die Erkundung vor Ort. Nicht die glänzenden Seiten standen dabei im Vordergrund, sondern sehr ausdrücklich die Defizite und Mängel.

Stadtbücherei Ihre Räume strahlen Atmosphäre aus, die Nutzerzahlen steigen. Doch ihre Beliebtheit wird für die Einrichtung immer mehr zum Problem. „Wir stoßen räumlich an unsere Grenzen“, erklärte Leiterin Sabine Köperl während des Rundgangs in dem verwinkelten historischen Pfleghof-Gebäude. Längst ist mit 26 000 Medien die Kapazitätsgrenze erreicht: „Für jedes neue Buch fliegt ein Bestandsbuch raus – unfreiwillig.“ Wenn sie ein vertrauliches Telefonat führen müsse, suche sie die Toilette auf. Denn das einzige Büro („wir nennen es auch Käfig“), das auch noch die Teeküche beherbergt, ist nur 22 Quadratmeter groß. Die sieben Beschäftigten müssen sich dort vier Schreibtische teilen.

Gravierend für Rollstuhlfahrer und Besucher mit Rollatoren: Das Haus ist nicht barrierefrei. Fast wie Ironie mutet es an, dass der Bestand „Älter werden“ von Besuchern mit Geh-Einschränkungen nicht erreicht werden kann. 71 000 Besucher zähle die Bücherei im Jahr, 300 pro Tag. Für so manche sei die Einrichtung mehr als reiner Dienstleister, sondern auch Ort für soziale Kontakte. Doch selbstredend sind auch die Plätze zum Verweilen rar.

Pfleghof-Saal Seine Angebote sind es maßgeblich, welche die Kultur zur „Marke unserer Stadt“ (Kulturamtsleiter Edwin Köperl) werden ließen. Problem sind die beschränkten Kapazitäten, die auch die Einnahmen beschränken. Schon bei rund 170 Besuchern heißt es „ausverkauft“. Aber auch „Sauna“. Denn dann heize sich der Saal ohne Heizung auf. Köperl wies auf weitere Problem hin: unzureichendes Equipment für Licht und Ton, eine zu schmale Bühne, unzureichende Umkleiden für die Künstler, die laute Lüftung im Gang.

„Braunwarth’sches Haus“ Dieses beherbergt das Museum für Vor- und Frühgeschichte, die Ungarischen Heimatstuben und das Stadtarchiv. Doch das gemeinsame Foyer ist auch das Lager für die Stadtbücherei und den Pfleghof und wirkt wie eine Rumpelkammer. Es müffelt, denn die Feuchtigkeit hat das nicht unter Denkmalschutz stehende Gebäude von 1913 ergriffen. Dem Museum fehlt, wie Nadine Maier (Kulturamt) und Gudrun Rogowski (ehrenamtliche Mitarbeiterin) unisono ausführten, außerdem ein eigenes Magazin.

Resultat ist eine schier überquellende Fülle präsentierter Exponate. Auch das Archiv sei längst an seinen Kapazitätsgrenzen angelangt, erläuterte dessen ehrenamtlicher Leiter Emanuel Königer. Das historische Gedächtnis der Stadt mit Archivalien bis aus der frühen Neuzeit laboriert zudem an einer maroden Heizung, schlechter Elektrik, einem leckenden Dachstuhl und „an Gewichtsproblemen“.

Heimatmuseum Ist streng genommen allein eine Sammlung von Alltagsgegenständen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Aktiv gesammelt wird nicht, es gibt kein Magazin. Bürgermeister Daniel Salemi regte an, über die Ziele des Hauses neu nachzudenken. Nicht nur die Beleuchtung ist duster.

Güterschuppen beim Bahnhof Mit bis zu 400 Sitzplätzen könnte er als Veranstaltungsort die Lücke zwischen Pfleghofsaal und Stadthalle füllen und für Salemi eine Fülle von Möglichkeiten auch für private Nutzungen eröffnen. Ist im Moment aber kaum mehr als ein großer Bretterverschlag, der unter Denkmalschutz steht. Und außerdem nicht ganz zufällig im Sanierungsgebiet „Bahnhof“. Erster Beigeordneter Christoph Schreijäg orakelte, dass somit knapp die Hälfte der Sanierungskosten über Zuschüsse abgedeckt werden könnte. Gemeinderat Heinrich Buck (GUL) stöhnte: „Wie kriegt man das denn schalldicht?“

Vorbild für Umbau des Güterschuppens

Verwaltung Es braucht noch einige Fantasie, um sich den historischen Güterschuppen neben dem Bahnhof als weiteren Ort für Veranstaltungen vorstellen zu können. Die Verwaltung lässt aber keinen Zweifel, dass dies möglich wäre mit entsprechenden Um- und Anbauten und indem die bauliche Struktur ertüchtigt wird. Kulturamtsleiter Edwin Köperl benannte als Referenzobjekt den zum Kulturzentrum ausgebauten Güterbahnhof in Meckenbeuren. Bürgermeister Daniel Salemi kündigte eine Exkursion des Gemeinderats dorthin an.

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