Sanierung Nur die schöne Ehrensteinerin fehlt noch

Blaustein / Helga Mäckle 11.10.2018

Abgestaubt und poliert stehen wieder alle Heiligenfiguren in der Kirche St. Martin in Blaustein. Nur eine fehlt: die Schöne Ehrensteinerin. Die spätgotische Madonnenfigur mit Kind (siehe Infokasten) ist während der Renovierung der Ehrensteiner Kirche im Ulmer Museum ausgestellt. „Aus Sicherheitsgründen, aber auch weil das Raumklima für eine solch wertvolle Figur stimmen muss“, sagt Roman Egle, Kirchenpfleger der katholischen Kirchengemeinde Ehrenstein, zu der rund 1800 Mitglieder gehören.

Mitte September haben die Arbeiten an der Martinskirche begonnen. Es ist die erste große Renovierung des Gotteshauses, das im Jahr 1982 geweiht worden ist. Der Neubau ersetzte damals die alte Martinskirche, die an der Blau, Ecke Martinstraße und Hummelstraße, stand, und 1985 abgerissen wurde. „Die Kirche war in keinem guten Zustand“, weiß Egle. Sie sei auch nicht besonders wertvoll oder gar denkmalgeschützt gewesen. Aus ihr stammen die Heiligenfiguren, die nun die neue Martinskirche schmücken ebenso wie das Kruzifix und die Schöne Ehrensteinerin. Die heißt im übrigen nicht offiziell so, „aber bei den Ehrensteinern schon“, sagt Egle und fügt hinzu: „Die Figur ist wirklich wunderschön.“ Allein wie lebendig die Kleider der hölzernen Madonna fallen, sei eine Augenweide. Und man merkt Egle an, dass er sich riesig freut, wenn die Marienfigur am 1. Dezember wieder an ihrem angestammten Platz in der Martinskirche zurückkehrt.

Innen ist inzwischen alles fertig: Die Wände sind gestrichen, ebenso wie eine Vielzahl von Kleinigkeiten gerichtet wurden, die sich angehäuft hatten, erzählt Roman Egle. Am vergangenen Samstag war zum ersten Mal wieder Gottesdienst in der Kirche, nachdem sich die Gemeindemitglieder vier Wochen lang mit dem angebauten Gemeindesaal zufrieden geben mussten. Außen allerdings steht noch das Gerüst. Auch hier steht ein neuer Anstrich an. „An manchen Stellen müssen wir den Putz ausbessern, außerdem richten wir die Entwässerung rund um das Gebäude.“  Auch das Ziffernblatt und die Zeiger der Kirchturmuhr werden gereinigt.

300 000 Euro kostet die Renovierung alles in allem. Geld, das die Kirchengemeinde, die neben Herrlingen, Arnegg, Klingenstein, Blaubeuren und Dietingen/Markbronn zur Seelsorgeeinheit Blautal gehört, alleine aufbringen muss. „Wir haben dafür aber seit Jahren Rücklagen gebildet“, sagt der Kirchenpfleger. Für den ökumenischen Festgottesdienst anlässlich 50 Jahre Großgemeinde Blaustein am Sonntag, 21. Oktober, wird die Kirche wohl noch eingerüstet sein. Zum Martinstag am 11. November aber soll – zu Ehren des Namensgebers – alles fertig und wieder schön sein. Die Schöne Ehrensteinerin aber wird noch ein Weilchen fehlen.

Frühes Werk von Gregor Erhart

Künstler Die Ehrensteiner Madonnenfigur wurde zwischen 1490 und 1494 von Gregor Erhart geschaffen. Er ist Sohn von Michel Erhart, der als einer der bekanntesten Bidlhauer und Bildschnitzer des späten 15. Jahrhunderts gilt. Die  mehr als einen Meter hohe Laubholzskulptur der Muttergottes mit Kind gilt als frühes Werk Gregor Erharts, das dieser wohl als Mitarbeiter in der Ulmer Werkstatt seines Vaters geschaffen hat. Von diesem stammt die bekannte Schöne Ulmerin, eine Reliquienbüste der heiligen Maria Magdalena. Diese ist – wie derzeit die Schöne Ehrensteinerin – im Ulmer Museum ausgestellt.

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