Merklingen/Laichingen / Joachim Striebel  Uhr

Die Krankenhaus GmbH Alb-Donau-Kreis übernimmt zum 1. November die Trägerschaft des Notarztstandorts Merklingen/Laichingen. Die Ärzte rücken wie bisher mit Fahrer und Fahrzeug des ASB aus, das nun weiterhin von Merklingen oder von Laichingen aus startet. Das hat der Bereichsausschuss für den Rettungsdienstbereich Ulm/Alb-Donau beschlossen.

Zur Standortfrage heißt es in einer knappen Pressemitteilung: „Auf der Laichinger Alb wird der Notarztdienst von niedergelassenen Ärzten mit flexiblem Standort von Laichingen oder Merklingen aus sichergestellt.“ Nähere Angaben dazu macht Eckart Fuchs, Geschäftsführer des Bereichsausschusses, nicht.

Der Beschluss bedeutet, dass der Ausschuss nicht mehr darauf besteht, dass sich der diensthabende Notarzt zusammen mit dem Fahrer in einer Wache in Laichingen aufhält und dort auf den Einsatz wartet. Die Notarztgruppe Merklingen hatte sich gegen diese Regelung gewehrt. Die Mediziner hatten im vergangenen Jahr vorsorglich gekündigt und dann weitergemacht, als es hieß es bleibe zunächst beim alten System.

Berufen hatte sich der Bereichsausschuss damals auf ein Strukturgutachten, wonach von Laichingen aus mehr Menschen innerhalb der angestrebten Hilfsfrist zu erreichen seien. „Dieses Gutachten habe ich immer noch nicht gesehen, das hält irgendjemand unter Verschluss“, sagt Dr. Paul-Gerhard Steinestel, Notarzt und niedergelassener Arzt in Laichingen. „Das war ja die Basis“, sagt Steinestel, der als Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung einen Sitz im Bereichsausschuss hat, allerdings ohne Stimmrecht. Er werde nicht mehr an den Sitzungen teilnehmen, kündigte er gestern an und kritisierte die fehlende Offenheit. Sein Kollege Dr. Michael Gösele aus Nellingen, Sprecher der Notarztgruppe Merklingen, werde dort nicht als Stellvertreter akzeptiert.

Gösele, im Hauptberuf Oberarzt im Bezirkskrankenhaus Günzburg, übernimmt in seiner Freizeit Notarzt-Bereitschaftsdienste. Er wird von dem in Merklingen stationierten Notarzteinsatzfahrzeug des ASB zu Hause abgeholt und an die Einsatzstelle gefahren. Um die Hilfsfristen zu verbessern, hatte er vorgeschlagen, in Nellingen einen Raum für den Fahrer zur Verfügung zu stellen und hatte dafür auch eine Zusage der Gemeinde Nellingen für eine kostenneutrale Lösung. Darüber sei wohl in der Sitzung des Bereichsausschusses gar nicht diskutiert worden, sagt Gösele. 

Er und Paul-Gerhard Steinestel halten es für zwingend, bei einer durchschnittlichen Einsatzhäufigkeit von 2,4 Einsätzen in 24 Stunden dem Notarzt  keine Anwesenheitspflicht auf einer Wache vorzuschreiben. Sonst könnten in Zukunft gar keine entsprechend qualifizierten Mediziner mehr gewonnen werden.

Formal ist nun vom 1. November an die Krankenhaus GmbH Alb-Donau-Kreis dafür verantwortlich, dass auf der Laichinger Alb stets ein Notarzt zur Verfügung steht. An der bisherigen Praxis werde sich dadurch nichts ändern, die Notarztgruppe organisiere sich weitgehend selbst, sagt Daniela Rieker, Pressesprecherin der Krankenhaus GmbH. Abrechungen mit den Krankenkassen seien dann aber Sache der Krankenhausgesellschaft. Bisher erledigte das der in Merklingen ansässige ASB Alb und Stauferland. Er hatte im Frühjahr angekündigt, dies nicht mehr zu tun, dann aber doch die Abrechnungen weiter erledigt. Auch darüber ärgerte sich Paul-Gerhard Steinestel. „Das ist doch kein Stil.“

Lösung für die Zukunft

Die Notarztgruppe hatte in den vergangenen Jahren keinen Träger mehr, nachdem die Kassenärztliche Vereinigung den Vertrag im Jahr 2010 gekündigt hatte.

Nun werden sich die Notarztgruppe Merklingen und die Krankenhaus GmbH zusammensetzen für eine schriftliche Vereinbarung. Steinestel hofft, dass auch gleich eine Lösung für ein in jüngster Vergangenheit immer wieder genanntes Problem gefunden werden kann: die drohende Sozialversicherungspflicht für Notärzte, die als Honorarkräfte tätig sind. „Das muss dann eben der Träger übernehmen.“