Laichingen / JOACHIM STRIEBEL  Uhr
Der Streit um den Notarztdienst auf der Alb spitzt sich zu: Einige der Ärzte, die zum Jahresende gekündigt haben, sehen sich unter Druck gesetzt. Die Notarzt-Gruppe will sich an den Landrat wenden.

Bis spätestens vergangenen Montag hätten sich die Mediziner, die auf der Laichinger Alb mit dem ASB zu Notarzteinsätzen ausrücken, beim Bereichsausschuss für den Rettungsdienst melden sollen. Sie sollten erklären, ob sie über den 31. Dezember 2015 hinaus zur Verfügung stehen. Wie Dr. Michael Gösele, der Sprecher der Notarzt-Gruppe sagt, hat jedoch keiner seine vor Wochen ausgesprochene Kündigung zurückgenommen. Somit ist weiterhin unklar, wie es im neuen Jahr mit dem Notarztdienst weitergehen wird. "Wir werden uns im Laufe der Woche geschlossen an den Bereichsausschuss wenden", sagt Gösele, der Versuche sieht, die Gruppe auseinander zu bringen.

Wie berichtet, hatte der Bereichsausschuss auf Grund eines von ihm in Auftrag gegebenen Gutachtens beschlossen, den Standort des von einem ASB-Mitarbeiter gesteuerten Notarzteinsatzfahrzeugs (NEF) grundsätzlich nach Laichingen zu verlegen, um von dort aus gleich mit einem Arzt ausrücken zu können. Das verbessere die Hilfsfristen. Bisher ist das Fahrzeug entweder in Merklingen oder Laichingen stationiert, der Fahrer holt den diensthabenden Arzt ab. Die Neuregelung würde für die nicht in Laichingen wohnenden oder praktizierenden Ärzte eine 24-Stunden-Bereitschaft auf der Wache bedeuten. Das lehnen Gösele, der im Hauptberuf Oberarzt ist in Günzburg und in Nellingen wohnt, Dr. Ramiro Soria aus Merklingen und Dr. Christa Glöckner, die in Berghülen wohnt, ab.

Nicht nur aus Solidarität mit den Kollegen, sondern weil mit einem geschrumpften Team noch mehr Dienste auf die verbleibenen Notärzte zukommen würden, haben alle sieben Mediziner gekündigt. Auf die Palme gebracht hat den Laichinger Arzt Dr. Paul-Gerhard Steinestel, der zusammen mit drei Kollegen eine Praxis betreibt, ein Anruf von Wolfgang Schneider, Geschäftsführer der ADK GmbH für Gesundheit und Soziales und als Vertreter der Krankenhausträger Beratendes Mitglied im Bereichsausschuss. Schneider habe einen Zusammenhang zwischen dem Notarztdienst und der Zukunft seiner Praxis hergestellt, empört sich Steinestel. Die Gemeinschaftspraxis ist Mieter im Gebäude der ADK GmbH, das zum Medizinischen Versorgungszentrum werden soll. "Zwei voneinander vollständig unabhängige Sachverhalte in Verbindung zu bringen", erinnere ihn an fragwürdige Methoden in anderen Staaten, heißt es in einem Brief an Wolfgang Schneider, den Steinestel auch seinen Kollegen zukommen ließ.

Schneider wehrt sich gegen die Darstellung. "Ich habe das überhaupt nicht in einen Topf geworfen", sagt er. "Ich habe da nie jemanden unter Druck gesetzt." Er habe lediglich an die Verantwortung der niedergelassenen Ärzte appelliert. Es sei auch nicht so, dass er vom Bereichsausschuss vorgeschickt worden sei, betont Schneider. "Ich hatte mich angeboten, das Gespräch zu suchen."

Steinestel rät Schneider, sich lieber um den Notarztdienst in Blaubeuren zu kümmern, für den das Krankenhaus zuständig ist. "Wir müssen nach wie vor dort Einsätze fahren, weil der Standort nicht besetzt ist", schreibt Steinestel. Schneider dazu: Das Krankenhaus bewerkstellige den Dienst mit Ärzten aus der Klinik und vom Bundeswehrkrankenhaus Ulm. "Durch Personalausfälle kann es mal passieren, dass man abmelden muss", sagt Schneider. Denn es könne nicht plötzlich ein Arzt aus dem OP geholt werden.

Steinestel warnt davor, das funktionierende Notarztsystem auf der Laichinger Alb zu zerstören. "Wir machen das seit 30 Jahren ohne Beanstandung." Michael Gösele will sich jetzt an Landrat Heinz Seiffert und die Kreisräte wenden. "Seit einem Vierteljahr verhandeln wir. Und da hat sich nichts bewegt."