Amstetten / Matthias Stelzer  Uhr
Nach heftigen Vereinsquerelen ruht der Nostalgiezug-Verkehr zwischen Amstetten und Gerstetten. Statt Dampfzügen verkehrt auf der Alb seit Saisonbeginn im Mai nur ein Oldtimer-Bus. Mit der Zeit drückt der Betriebsausfall auf die Finanzen der Eisenbahnfreunde.

Von Mai bis Oktober tuckern normalerweise jeden Sonntag Nostalgiezüge über die Alb. Anders in diesem Jahr: Auf der Museumsbahnstrecke zwischen Amstetten und Gerstetten ruht der Verkehr. Statt der Züge fahren historische Omnibusse. Und das, obwohl der Verein fahrtüchtige Diesel-Schienenbusse und Dampfloks im Depot hat.

Der Grund für die Betriebsruhe sind Querelen innerhalb des Vereins, der die Lokalbahnstrecke betreibt. Bei den Ulmer Eisenbahnfreunden (UEF) Lokalbahn Amstetten-Gerstetten ist seit Jahresbeginn richtig Druck im Ehrenamtskessel.

Generationen-Konflikt bei den Eisenbahnfreunden

Nachdem bei einer außerordentlichen Sitzung im März der alte Vorstand nach Beanstandungen durch die Kassenprüfer geschlossen zurücktrat, läuft im Verein und auf den Schienen nichts mehr geradeaus. Zwischen den Altvorderen der Eisenbahn-Enthusiasten und dem neuen, verjüngten Vorstand knirscht es gewaltig. Eine Art Generationen-Konflikt und ein Streit über die Frage, ob die jetzige Vereinsführung ausreichend kompetent ist. „Das ist Schikane“, sagt der 19-jährige Jan Niclas Hoffmann, der seit März im Vorstand Marketing und Pressearbeit verantwortet. „Die ehemaligen Vorstände sind mit der neuen Führung nicht zufrieden. Uns werden ständig Steine in den Weg gelegt.“

Bei den Ulmer Eisenbahnfreunden ist nicht nur Dampf im Kessel, sondern Feuer unterm Dach. Höhepunkt des Streits: Der Verkehr ist eingestellt.

Oder besser gesagt, Vorschriften und Auflagen. Denn im Mittelpunkt des Konflikts steht der Eisenbahnbetriebsleiter. Severin Dünnbier, Ingenieur aus Eglfing (Oberbayern), ist aus Sicht des  neuen Vorstands der Buhmann. Denn er gibt die Strecke zwischen Amstetten und Gerstetten nicht frei. „Das Problem ist, er steht hinter dem alten Vorstand, der ihn auch angestellt hatte, und schikaniert uns mit immer neuen Kleinigkeiten“, sagt Hoffmann. Mal würden zu wenig geölte Weichen moniert, dann wieder Büsche entlang der Strecke. „Er schickt uns immer neue Mängellisten und gibt uns einfach keine Fahrerlaubnis“, klagt der Pressesprecher aus Illerkirchberg.

Dennoch hofft man bei den Eisenbahnfreunden immer noch auf ein baldiges Ende der Misere. „Im August fahren wir auf jeden Fall. Aber vielleicht schaffen wir es auch im Juni“, sagt Hoffmann. Die Streckenfreigabe versucht der Vorstand nun offensichtlich durch einen personellen Wechsel zu erreichen. Ein Nachfolger soll nun tun, was Severin Dünnbier bisher verweigerte.

„Wir haben den Eisenbahnbetriebsleiter bereits gekündigt“, sagt Hoffmann. Jetzt müsse noch geklärt werden, wie die Übergabe an einen bereits gefundenen Nachfolger funktionieren könne.

Kündigung? Keine Kündigung

„Dass mir gekündigt worden ist, ist einfach falsch“, sagt dagegen Severin Dünnbier selbst. Vielmehr habe er aufgrund der Querelen und der öffentlich ausgetragenen Konflikte selbst die Reißleine gezogen. Die Vorwürfe des aktuellen Vorstands, er boykottiere die Streckenfreigabe bewusst, weist Dünnbier zurück: „Es geht um personelle Faktoren und um Vorschriften, für deren Einhaltung ich verantwortlich bin.“ Mehr will der Ingenieur nicht sagen. Nur noch eins: „Ich habe einen Vertrag zu erfüllen, der bis zum 30.9. läuft.“

Hans-Karl Kunhäuser, der im Vorstand der Eisenbahnfreunde für die Lokomotiven und Fahrten zuständig ist, will die Querelen nicht kommentieren. „Ich würde liebend gerne fahren“, sagt er nur. Ein Wunsch, der sich mit den finanziellen Anforderungen des Vereins deckt. Denn mit der Streckensperrung entgeht den Eisenbahnfreunden viel Geld. Zwar gibt es für den Oldtimerbus-Ersatzverkehr Zuschüsse vom Land. Aber der Zuspruch der Wochenendgäste sinkt, und auch der ausfallende Güterverkehr zwischen Amstetten und dem Kies- und Sandlager im ehemaligen Bundeswehrdepot Benzwang reißt finanzielle Löcher. Pressesprecher Hoffmann: „Noch haben wir kein akutes Problem, aber wenn es so weitergeht, wird es irgendwann schon knapp.“

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Schienenersatzverkehr mit dem Oldtimerbus

Verein Der eigenständige Verein „UEF Lokalbahn Amstetten-Gerstetten“ wurde im Dezember 1999 gegründet und gehört als selbstständige Sektion zu den Ulmer Eisenbahnfreunden (UEF). Der Verein hat sich die Unterhaltung und den Betrieb der Lokalbahn zwischen Amstetten und Gerstetten zur Aufgabe gemacht. Neben zwei Dampflokomotiven werden mehrere Fahrzeuge mit Dieselmotor, ein Personenzug sowie einige Güterwagen betreut. Der gesamte Zugbetrieb und -unterhalt wird ehrenamtlich von Vereinsmitgliedern gestemmt.

Betrieb Der Zugverkehr auf der Strecke hätte eigentlich am 1. Mai mit einem Diesel-Triebwagen beginnen sollen. Die erste Dampflokfahrt war für den 30. Mai vorgesehen. Bisher kam aber noch keine Feiertags- oder Sonntagsfahrt zustande. Der Verein hat aber vorerst einen Schienenersatzverkehr eingerichtet. Ein historischer Omnibus ist im Auftrag der Eisenbahner unterwegs. Den Fahrplan gibt es im Netz unter der Adresse: uef-lokalbahn.de