Die gute Nachricht: Seit Freitag vergangener Woche ist die Bahnstrecke von Amstetten bis zum Sand- und Kieslager im ehemaligen Materialdepot der Bundeswehr im Benzwang wieder für den Zugverkehr freigegeben. Das sagte Korbinian Fleischer, Vorsitzender der Eisenbahnfreunde Ulm Lokalbahn Amstetten–Gerstetten, auf Nachfrage. Ebenfalls eine gute Nachricht ist, dass die Dampflok 75 1118  ihre Wartung und Hauptuntersuchung im thüringischen Meiningen erfolgreich hinter sich gebracht hat und somit wieder betriebsbereit im Lokschuppen in Gerstetten steht.

Fahrt an Sonntagen

Die Lok aus dem Jahr 1921 könnte nun also eigentlich an Sonn- und Feiertagen auf der Museumsbahnstrecke zwischen Gerstetten und Amstetten wieder Zugbegeisterte, Kinder, Familien und Wanderer transportieren. Allerdings hakt es noch am restlichen Abschnitt der Strecke, vom ehemaligen Bundeswehrdepot bis nach Gerstetten. Um auch dafür die Freigabe vom zuständigen Eisenbahnbetriebsleiter zu bekommen, müssten die Vereinsmitglieder noch einige Arbeiten erledigen, etwa an Bahnübergängen, erklärt Fleischer. Auch sei es aus Sicherheitsgründen dringend nötig, das Gebüsch entlang der Gleise auszuschneiden. „Das ist in den vergangenen Wochen ordentlich gewuchert.“ Die rechtlichen Auflagen für die Freigabe sind hoch, neben dem Freischneiden der Strecke gibt es zahlreiche weitere Punkte zu beachten: Sichtfelder  an Bahnübergängen, Signaltechnnik, die Befähigung der Lokführer und so weiter.

Erster Fahrtag für die Lokalbahn ist der 21. Juli

Am 21. Juli soll der erste Fahrtag für die Lokalbahn sein, das zumindest hofft der 37-jährige Vorsitzende. Doch mit den technischen Voraussetzungen ist das Thema nicht erledigt, im Hintergrund schwelt weiter der Streit innerhalb der Lokalbahn-Freunde. Im März war der alte Vorstand – wie berichtet – nach massiven Vorwürfen zurückgetreten.

Unter anderem ging es damals um die Einnahmen, die der Verein über seine Lokalbahn Betriebsgesellschaft mbH Amstetten–Gerstetten aus Güterzugfahrten zum Sandlager erzielt (siehe Infokasten). In den Wochen nach dieser Mitgliederversammlung wurde viel Porzellan zerschlagen, etliche der ehrenamtlichen Mitarbeiter der Lokalbahn Amstetten–Gerstetten zogen sich von ihren Aufgaben zurück, es gab auch Vereinsaustritte.

Eisenbahnfreunde leiden unter„extremen Personalengpässen“

Dass Vereinsmitglieder, teils mit großem Fach- und Spezialwissen über Strecke, Anlagen und Loks, nicht mehr mitarbeiten, ist insofern schwierig, weil damit Personal für den Betrieb der Lokalbahn fehlt. Korbinian Fischer bestätigt, dass die Eisenbahnfreunde an „extremen Personalengpässen“ leiden. Vor allem für die Fahrten mit der Dampflok brauche man viele Helfer. „Daher wäre es schön, wenn mehr Leute mitmachten.“ Angesprochen auf den Streit zwischen altem und neuem Vorstand, betont Fleischer, dass sich die Situation inzwischen weitgehend beruhigt habe. „Wir sind auf bestem Weg zurück zur Harmonie.“

Marcus Vöhringer ist einer der Männer, die sich im März zurückgezogen haben. Er war mehr als zehn Jahre verantwortlich für die Anlagen der Lokalbahn. Mit viel Herzblut, wie er sagt. Insofern tue es ihm leid, dass die Sache so gelaufen ist. Denn es sei ein ungeheures Fachwissen erforderlich, um ein solches Projekt am Laufen zu halten. Dieses Wissen habe sich das alte Team im Lauf der Jahre angeeignet. „Und wir haben da schon hervorragend zusammengearbeitet.“ Vöhringer versteht nach eigenen Worten bis heute nicht wirklich, warum der Streit im Verein sich so auswachsen konnte. „Klar, gab es auch Meinungsverschiedenheiten.“ Öl ins Feuer gießen will nicht. Er halte sich auch künftig zurück. Er übergebe seinen Aufgabenbereich geordnet an die neue Vorstand­schaft, stehe auch durchaus für Fragen zur Verfügung. Das sei selbstverständlich.  „Ich mache mir aber schon große Sorgen, dass die Eisenbahn stirbt.“

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Firma zahlt Nutzungsgebühr für Sandtransporte


Güterwaggons: Eine Ulmer Firma nutzt die Gleise der Lokalbahn Amstetten–Gerstetten, um Sand und Kies mit Güterwaggons vom Bahnhof in Amstetten zu ihrem Lager im ehemaligen Bundeswehrdepot in Benzwang zu transportieren. Für die Nutzung der Strecke, die der Lokalbahn Amstetten–Gerstetten gehört, bezahlt sie Entgelte an den Verein. Für dieses Geschäft wurde eigens die Lokalbahn-Betriebsgesellschaft gegründet. Das Geld kommt der Vereinsarbeit zugute. Wie viele Züge fahren, hänge zum einen von der Jahreszeit ab, zum anderen von der Baukonjunktur, sagt Vorsitzender Korbinian Fleischer. „Das kann täglich einer sein oder auch nur zwei im Monat.“