Sie machen einen zufriedenen Eindruck, die zehn Kälbchen, die rechts neben dem Eingang des Stalls stehen oder auf dem Boden liegen. 14 bis 100 Tage sind sie alt, ihre Vollmilch bekommen sie aus einem Automaten. Später einmal sollen sie selbst Milch liefern, im Schnitt 5000 Liter pro Jahr – Spitzenleistung: etwa 7000 Liter. „Bei konventioneller Viehhaltung sind es im Schnitt 8000 bis 9000 Liter pro Jahr mit einer Spitzenleistung bis zu 14.000 Liter“, sagt Friedhelm Gansloser: „Die Bauern stehen unter ökonomischem Druck und drücken die Leistung der Kühe bis an deren physiologische Grenze.“

Der Agraringenieur betreibt mit seiner Frau Annerose und seinem Sohn Matthias den Kalmenhof in Dornstadt-Scharenstetten. Den Hof gibt es seit 1996, seit 2009 ist er nach Demeter-Richtlinien zertifiziert. Gansloser lässt seine Kühe von Mitte Mai bis Ende Oktober auf den mehr als acht Hektar Wiese direkt neben dem Hof weiden; die Jungtiere haben einen befestigten Auslauf. Den Kraftfuttereinsatz fährt der Landwirt zurück. „Das Tier ist gesünder und lebt länger. Die geringere Leistung gleicht der höhere Preis aus“, erklärt Gansloser. „Wir fahren finanziell mindestens genauso gut wie vorher.“

Wachstum ist nicht alles

Einer auf maximale Effizienz setzenden, konventionellen Landwirtschaft steht er kritisch gegenüber: „Sie können die Effizienz steigern bis zum Anschlag, bis die Kuh tot umfällt, man wird nie viel Geld dabei verdienen.“ Er ist gegen den „Glauben, dass nur Wachstum alles verbessert“ – eine Haltung, mit der er sich in der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) aufgehoben fühlt. Nachdem er mehrere Jahre keine Beiträge bezahlt hatte, kehrte Gansloser dem Bauernverband im Jahr 2000 endgültig den Rücken, frustriert von dessen Milchpolitik. Er wechselte zur AbL, deren Landesvorsitzender er von 2012 bis 2014 war. „In der AbL sind die Leute, die sich selbst noch nicht aufgegeben haben, die Fehler sehen und was dagegen machen“, sagt Gansloser.

Angesichts einer Million Euro Schulden durch die Hofgründung sei das finanzielle Risiko zu groß gewesen, schon 1996 auf Bio umzusteigen. Mit der Entwicklung der Landwirtschaft war Gansloser aber schon länger unzufrieden. Er las in den 2000er Jahren wissenschaftliche Studien, die Pflanzenschutzmittel als ungefährlich einstuften – habe aber erkannt, dass bestimmte Gefahrenbereiche ausgeblendet wurden. Die zunehmende Finanzierung der Wissenschaft durch Drittmittel habe die Forschungsfreiheit eingeschränkt: „Wer von Mon­santo bezahlt wird, wird ihnen sagen, was Monsanto will.“ Ganslosers Vertrauen war erschüttert. „An der Landwirtschaft werden Millionen verdient, nicht aber in der Landwirtschaft“, empört er sich. „Entweder verdrängt man es aus dem Bewusstsein oder man muss etwas tun. Ich habe mich fürs Handeln entschieden.“ Seit der Umstellung auf Demeter habe er das Gefühl, wieder „wirklich Landwirtschaft“ zu betreiben. „Ich schaffe mit der Natur, nicht gegen sie“, sagt er.

Sofort wieder Demeter

Auf der rechten Seite des Stalls steht der gesamte Nachwuchs von 50 Jungtieren. Am Ende des Stalls dominiert die Trägheit: Trächtige Kühe, zwei Jahre und älter, mit dicken Bäuchen, stehen dort. Nachdem sie das erste Mal gekalbt haben, wechseln sie zur gegenüberliegenden Seite des Stalls. Dort tummeln sich 55 Milchkühe.

Gansloser produziert aber nicht nur Milch. Auf 60 Hektar Ackerland baut er Weizen, Dinkel, Einkorn, Hafer, Ackerbohnen, Buchweizen und Linsen an. Der Bauer verkauft seine Produkte ab Hof und an Demeter-Abnehmer wie die Verarbeiter Erdmannhauser und Naturata.

Gansloser würde „sofort wieder“ auf Demeter umstellen. Die Kunden und Abnehmer wertschätzen ihn und seine Produkte. Stabile Preise garantieren dem Landwirt eine gewisse Planungssicherheit. Warum stellen dann nicht mehr Bauern auf Bio um? Um zu wechseln, müsse man Zweifel an der konventionellen Landwirtschaft entwickeln, sagt Gansloser. Manche Bauern hätten zudem Angst davor, dass sie die Bio-Produkte nicht loskriegen. „Andere kleine Betriebe haben schlicht und ergreifend resigniert.“ Diese würden ihre Tiere gerne artgerecht halten, erhielten vom Staat aber kein Fördergeld.

In Ganslosers Kuhstall mit 800 Quadratmetern Fläche sind die Tiere nicht eingepfercht. Sogar einen ganz eigenen Stall hat das Pferd namens Lukas. Der Schwarzwälder Fuchs ist schon 26 Jahre alt. „Lukas bleibt vollends da, der kommt nicht mehr in die Wurst“, sagt sein Besitzer.

Mitgliederzahlen der AbL