Wirtschaft Nicht aktive Mitglieder erhalten eventuell auch Kündigung

Wortakrobat Jörg Hammerschmidt trat als Udo Lindenberg auf.
Wortakrobat Jörg Hammerschmidt trat als Udo Lindenberg auf. © Foto: Sabine Graser-Kühnle
Laichingen / Sabine Graser-Kühnle 07.06.2018

Die Volksbank Laichinger Alb  trotzt Niedrigzinsen und den Folgen von Regularien mit Hilfe von soliden Bilanzzahlen. Vorstandsvorsitzender Ralf Schiffbauer berichtete in der Generalversammlung am Montagabend von einer um 1,9 Prozent gestiegenen Bilanzsumme von knapp 510 Millionen Euro im Jahr 2017. Die Ertragslage mit 718 000 Euro Bilanzgewinn ist dagegen weiter rückläufig. So hielt sich Schiffbauer bei seinem Jahresbericht auch bescheiden zurück und sprach von einem „noch zufriedenstellenden Jahr 2017“.

Als Gründe für die zurückgehenden Erträge führte er zum einen die Niedrigzinspolitik der EZB an. Die Kunden legten ihr Geld daher bevorzugt in kurzfristigen Anlageformen an. Obendrein habe die Bank sich bei der Vergabe von Krediten mit langfristiger Zinsfestschreibung zurückgehalten. Somit hat die Bank um 1,9 Prozent weniger Kredite vergeben. Eine Kreditklemme verspürten die Bankkunden jedoch nicht, versicherte Schiffbauer, sondern: „Mit dieser  Maßnahme reduzieren wir unser Zinsänderungsrisiko und stabilisieren unsere Ertragslage in der Zukunft.“ Tatsächlich liege die Laichinger Bank damit deutlich über dem Verbandsdurchschnitt.

Doch der Bericht der Prüfungskommission, den Aufsichtsratsvorsitzender Wolfgang Uhlmann verlas, prognostiziert für die Volksbank Laichinger Alb für die kommenden Jahre eine weiterhin sinkende Ertragslage. Dagegen konnte die Bank ihre Provisionüberschüsse ausbauen, da die Kunden verstärkt in Aktien- und Fonds investierten. Das Depotgeschäft, insbesondere bei den Verbundpartnern der Bank, konnte also ausgeweitet werden.  Von den insgesamt 349 Millionen Euro Kundeneinlagen machen nicht fest angelegte Kundengelder mehr als die Hälfte aus und tragen somit maßgeblich zum Plus von 2,3 Prozent bei.

Auch die Bank leide unter der Zinspolitik. So reduzierte sich der Zinsüberschuss erneut und lag bei 11,13 Millionen Euro. Ebenso beschneiden die Verwaltungsaufwendungen den Gewinn. Das erklärte Schiffbauer insbesondere mit dem enormen bürokratischen Aufwand, den die Bankenregulierungen mit sich bringe.

Die Versammlung folgte Bankvorstand und Aufsichtsrat und legte eine Dividende von vier Prozent fest. Damit sinkt die Dividende im Vergleich zum Vorjahr um ein Prozent. In Summe werden 136 776 Euro an die 10 344 Mitglieder ausgeschüttet.

Mitglied kritisiert Dividende

Ein Umstand, den ein Mitglied kritisierte: Vier Prozent sei zu niedrig. Das sei immer noch deutlich höher, als bei anderen vergleichbaren Geldanlagen, konterte Schiffbauer. Er kritisierte in diesem Zusammenhang das Geschäftsgebaren einiger Volksbank-Mitglieder: „Dividende kassieren, aber den Kredit bei einer Direktbank holen, das passt nicht zum genossenschaftlichen Gedanken unserer Bank.“ Er räumte ein,  dass die Bank sich erlaube, in Fällen, wo keine Geschäftstätigkeit festzustellen sei, die Mitgliedschaft satzungskonform zu kündigen.

Für diese Haltung erhielt Schiffbauer Beifall aus der Versammlung. Erfreut nahmen die Mitglieder zur Kenntnis, dass die Bank ihr Eigenkapital weiter aufgestockt hat und nunmehr, zusammen mit dem Fonds für allgemeine Bankrisiken, über eine solide Risikobasis verfüge. Schiffbauer berichtete außerdem von den Plänen des Dachverbands, die derzeit 950 bundesweiten Genossenschaftsbanken auf 300 zu reduzieren. „Das zeigt den Wandel von der einstigen Ortsbank zur regionalen Bank.“ Dennoch bekennen sich die Genossenschaftsbanken auch im „Internetzeitalter ausdrücklich zu den Geschäftsstellen vor Ort“, sagte er.

Der Abend endete mit heiteren Parodien von Promis aus Politik, Sport und Glamour: Der Wortakrobat Jörg Hammerschmidt nahm Marotten und Eigenheiten bekannter Persönlichkeiten aufs Korn und kommentierte die Dividendendebatte von kurz zuvor: „Vier Prozent? Bei den allgemein niedrigen Zinsen? Da gibt es nur eine Antwort.“ Sprach‘s und sang als Udo Lindenberg: „Hinterm Horizont geht’s weiter.“

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