Es hat Tradition, dass Handel, Wirtschaft und Handwerk der Nachbargemeinden Merklingen und Nellingen gemeinsam einen Neujahrsempfang veranstalten. Am Dienstagabend hatten die Merklinger Verwaltung und der örtliche Gewerbeverein dazu eingeladen, und knapp 50 Gemeinde- und Ortschaftsräte sowie Gewerbetreibende beider Kommunen kamen. Bürgermeister Sven Kneipp hob in seiner Rede einmal mehr „die gute und vertrauensvolle Arbeit“ hervor. In beiden Gemeinden war 2017 Bürgermeisterwahl, in beiden wurde der Amtsinhaber bestätigt, so könne der „positive Weg“ weiter gemeinsam gegangen werden.

Zum ersten Mal fand die Veranstaltung im neuen Backhaus statt, für das es von allen Seiten großes Lob gab. Mit stolzgeschwellter Brust rührte Kneipp die Werbetrommel für das knapp 700.000 Euro teure Projekt, in dem in den nächsten Monaten viele Veranstaltungen und private Feiern stattfinden. Das Haus stehe allen offen, nicht nur den Merklingern, betonte Kneipp. In seinem Rückblick erinnerte er an die Gewerbeschau im April, die „ein riesen Erfolg“ gewesen sei. Klar, der Spatenstich für den Merklinger Bahnhof wurde nicht vergessen, ebenso das erste „Alb Air“ mit den Dorfrockern. Glasfaserausbau, Ableitungskanal zur Stilllegung der Kläranlage, Baumgräber, 125 Jahre Obst- und Gartenbauverein, Fertigstellung des „Hochhauses“ und Bebauungsplan „Breite IV“ waren weitere Themen. 2018 stehen die Sanierung des Siedlungsweges, die Erschließung weiterer Gewerbeflächen im Gebiet Nord-Ost II und neue Bauplätze in der Anbindung Lindenstraße sowie der Breitbandausbau auf dem Plan.

Dorfkultur belebt

„Mit dem Backhaus wird die frühere Dorfkultur in den Ort zurückgeholt. Die Tradition wird neu belebt“, beglückwünschte Nellingens Bürgermeister Franko Kopp die Merklinger, der sich im Spaß etwas zerknirscht zeigte, dass Merklingen jetzt die 2000er-Marke bei der Einwohnerzahl geknackt habe. Dort lebten zum 31. Dezember 2001 Bürger, in Nellingen sind es vier weniger. „Dafür haben wir 25 Vereine, Merklingen nur 17“, gab Kopp schmunzelnd zu bedenken.

Auch in Nellingen habe sich 2017 viel ereignet. Unter anderem sprach Kopp 21 verkaufte Bauplätze im „Bruckäcker V“, das Bebauungsplanverfahren für das Gewerbegebiet „Oppinger Grund III“, die Wiederaufnahme  in das Landessanierungsprogramm und die Breitbanderschließung an. Zudem erwähnte er die Planung für den Bau des Seniorenzentrums und die zusätzliche Kleinkindbetreuung. Kopp betonte, dass die Erhebung zum gemeinsamen Kleinzentrum von Nellingen und Merklingen, die der Regionalverband Donau-Iller plant, „sehr positiv“ gesehen werde. Der sich im Bau befindende Bahnhof vermittle „gute Chancen und Zukunftsentwicklungen“. Er freue sich, dass die Zeit des Kirchturmdenkens schon lange beendet sei. Dennoch: Die Entwicklung müsse mit Maß und Ziel angegangen werden. „Wir dürfen hier unsere Menschen auf der Alb nicht durch ein überbordendes Wachstum, nicht im Wohn- und nicht im Gewerbebereich, überfordern.“ Die „tolle Lebensqualität“ in beiden Gemeinden dürfe nicht darunter leiden. „Die Struktur und die Identität der Dörfer sollten erhalten bleiben“, meinte Kopp.

Martin Fink, Vorsitzender des Gewerbevereins Merklingen, bestätigte „das gute Miteinander“. Man habe alles richtig gemacht. „Nur gemeinsam sind wir erfolgreich.“ Das zeigten die gestiegenen Einwohnerzahlen, die zusätzlich ausgewiesenen Gewerbeflächen, die neuen Wohngebiete und das stetig steigende Angebot an neuen Arbeitsplätzen. Davon könne man sich beim „Tag des offenen Betriebs“ am Sonntag, 22. April, in Nellingen selbst ein Bild machen, ergänzte Herbert Bühler, Vorsitzender der dortigen Wirtschaftsvereinigung. Er machte keinen Hehl daraus, dass es derzeit sehr schwierig sei, geeignete Azubis und Facharbeiter für Handwerk und Dienstleistung zu finden. Deshalb müsse man „ein gesundes Maß an Zuzug“ in den beiden Gemeinden vorantreiben.