Die Schwäbische Alb ist löchrig wie ein Schweizer Käse, sagen Geologen. Dass nun ein großer Gang in der Blaubeurer Vetterhöhle den Namen "Emmental" trägt, hat aber nichts mit diesem bildlichen Vergleich zu tun. Sondern damit, dass der rund 250 Meter lange Hohlraum bei einer gemeinsamen Tour der Ostschweizerischen Gesellschaft für Höhlenforschung und des für die Vetterhöhle zuständigen Höhlenvereins Blaubeuren(HVB) entdeckt wurde. Die Schweizerin Simone Buchmann zwängte sich im Drachenfelsgang durch eine schmale Spalte und stand plötzlich im Neuland.

Otto Schwabe vom Höhlenverein Blaubeuren zeigte am Samstag bei der Hauptversammlung des Vereins im "Höfo-Haus" in Blaubeuren-Seißen Bilder vom "Emmental". Wie an anderen Stellen der Vetterhöhle gibt es dort Lehmsäulen, filigrane Gebilde mit einer besonderen Entstehungsgeschichte: Wasser tropft auf einen Lehmboden und schwemmt das Material nach und nach weg. Wo aber kleine Steine liegen, ist der Lehm vor den Tropfen geschützt. Eigenartig wirkende Säulen bleiben stehen. Das "Emmental" ist nach Angaben des HVB-Vorsitzenden Markus Boldt rund 250 Meter lang. Es erreicht eine maximale Breite von etwa 15 und eine Höhe von 25 Metern. Der Gang wurde auf eine Länge von 150 Metern vermessen. Damit hat die Vetterhöhle eine vermessene Länge von 2491 Metern. Sie bildet zusammen mit der Blautopfhöhle das 11.650 Meter lange Blauhöhlensystem.

In der Vetterhöhle gibt es "noch etwa zehn Fragezeichen", sagte Projektleiterin Petra Boldt. Schächte, teils durch Lehm verplombt, und nach oben ziehende Schlote warten noch darauf, genauer untersucht zu werden. "Da bleibt noch ganz viel Arbeit", sagte Petra Boldt. Im Fokus steht aber derzeit der Bau eines neuen Zustiegs. Die Stützhölzer in dem einst mühsam von Hand gegrabenen Einstiegsschacht sind nach zwölf Jahren von der Feuchtigkeit angegriffen. Unweit davon treibt der Verein an der Mittleren Steige oberhalb des Blaubeurer Jugendhauses einen Stollen senkrecht in die Tiefe. Doch dort erinnert das Gestein ganz und gar nicht an einen Schweizer Käse. Der Kalk zeigt sich besonders hart. Bohrgerät und Pressluftbohrer reichen nicht aus. Nun zündet eine Fachfirma immer wieder kleine Sprengladungen, um das Gestein Meter für Meter zu lösen. Das Ausräumen des Materials aus dem Schacht, der einen Durchmesser von 120 Zentimetern hat, bleibt Handarbeit mit Seil und Eimer. 14 Meter sind schon geschafft, es fehlen noch etwa sechs Meter bis zur Ankunft in der "Herbert-Griesinger-Halle".

Weiteres Projekt des HVB im Blautopf-Einzugsgebiet ist der Steebschacht in Wennenden, wo es nur mühsam voran geht, wie Projektleiter Lars Bohg berichtete. Besonders junge Forscher haben sich bei Grabungen in der Sirgensteindoline im Achtal bei Schelklingen und in der Bärentalhöhle bei Hütten verdient gemacht. Dort hat das Regierungspräsidium die Grabungsgenehmigung unbefristet verlängert, da sich der Höhlenverein Blaubeuren als "sehr zuverlässig" bewiesen habe, wie Markus Boldt erfreut berichtete.

Der Blaubeurer Bürgermeister Jörg Seibold zeigte sich beeindruckt von den Berichten des Vereins mit 43 Mitgliedern, darunter 19 Aktive. Die Forscher seien im eigenen Interesse unterwegs, aber auch zum Nutzen der Allgemeinheit. Markus Boldt beschwor in seinem Bericht den Zusammenhalt im Verein, sprach von einer "Grüppchenbildung". Lars Bohg mahnte eine bessere Kommunikation an, forderte in einem Antrag, dass von jedem Monatstreffen, von Vorstandsbeschlüssen und Hauptversammlungen jedes Mitglied per Mail innerhalb von sieben Tagen informiert wird. Viele wohnten außerhalb und könnten nicht an allen Treffen teilnehmen, sagte Bohg. Die Vorstandschaft befürchtet dagegen, dass dann noch weniger Mitglieder bei den Zusammenkünften dabei sein werden. Bohgs Antrag fand keine Mehrheit.

Schwerpunkt Jugendarbeit

Camp Der Höhlenverein Blaubeuren hat diesen Sommer das Höhlenforschungslager mit 20 Teilnehmern aus fünf Nationen ausgerichtet. Weil Zuschüsse des Programms "Jugend in Europa" ausblieben, gab es ein Minus von 4600 Euro. Dies wurde dann kleiner, weil Betreuer auf Entschädigungen verzichteten.

Schule Der Verein bietet im Joachim-Hahn-Gymnasium eine Höhlen-AG an. Die bis zu 16 Schüler gruben in Höhlen und machten Vermessungsarbeiten. Um im Winter während der Fledermausschutzzeit nicht untätig zu sein, beschäftigten sie sich mit dem Vermessen des Schulgebäudes.