Bauwerk Neue Hoffnung für alte Brücke

Erbach / Von Franz Glogger 21.06.2018

Ein stattliches, 90 Meter langes Bauwerk überquert südlich von Erbach die Donau. Allerdings hat die Ende des 19. Jahrhunderts errichtete Stahlbrücke schon bessere Zeiten gesehen. Seit zehn Jahren ist sie für Kraftfahrzeuge gesperrt, für Fußgänger und Radler ist der holprige Weg mit Löchern und Rissen im Belag auch kein Vergnügen. Doch nun rückt eine Sanierung des historischen Bauwerks in greifbare Nähe.

„Als eine der ersten Kommunen überhaupt“ bekommt die Stadt Erbach einen Zuschuss aus dem Brückensanierungsprogramm des Landes. Das hat Bürgermeister Achim Gaus am Montag im Gemeinderat mitgeteilt. Demnach kann die Stadt mit „bis zu 50 Prozent“ Förderung rechnen, heißt es in dem Bescheid. Was der Bürgermeister „sehr erfreulich“ findet. Damit steht der Sanierungsumfang aber noch nicht fest. Und: „Jetzt müssen wir nur noch jemanden finden, der uns die Brücke sanieren kann“, sagte Gaus.

131 Jahre lang hatte die Stahl- und Eisenkonstruktion ihren Dienst getan, trug Ochsengespanne, Kutschen, Autos, Lastwagen. Nachdem 2008 erhebliche Schäden festgestellt worden waren, glaubte in Erbach kaum noch jemand, dass das Bauwerk in Verlängerung der Laupheimer Straße jemals wieder für Kraftfahrzeuge geöffnet werden könnte. Allein die Instandsetzung für den Fußgänger- und Radverkehr würde eine halbe Million Euro kosten, schätzte Ingenieur Rolf Müller. Um für bis zu neun Tonnen schwere Fahrzeuge freigegeben zu werden, müsste das Doppelte investiert werden. „Nicht bezahlbar“ wäre eine Sanierung, damit die Brücke die heutigen landwirtschaftlichen Fahrzeuge tragen kann, hieß es seitens der Stadtverwaltung, als  sich der Gemeinderat 2014 zuletzt mit der Brücke beschäftigte.

Glücklicherweise, muss man sagen, sind die ersten Sanierungsideen nicht verwirklicht worden. Demnach sollten nur die Stützpfeiler stehen bleiben. Das Fachwerk und seine „ursprüngliche konstruktive Idee“ wären verschwinden.

Seit 2015 steht die Brücke unter Denkmalschutz. Trotz des schlechten Zustandes gemessen an der Industrienorm für Brückenprüfungen sei das Erbacher Bauwerk „gut erhalten und die ursprüngliche konstruktive Idee gut ablesbar“, urteilt das Landesamt für Denkmalpflege. Die Konstruktion, sei ein seltenes Beispiel für Straßenbrückenbau in Eisen und Stahl des 19. Jahrhunderts. Im Jahr 1887 im Zuge der Donaubegradigung als Ersatz für eine ältere Holzbrücke errichtet, sei das Bauwerk aus wissenschaftlichen und heimatgeschichtlichen Gründen ein Kulturdenkmal.

Schon Ingenieur Müller hatte das „reich gegliederte Fachwerk“ der Konstruktion hervorgehoben. Seine beruflichen Vorgänger hatten offenbar große Freude am Umgang Gusseisen und Stahl. Zum Beispiel wurde das obere Ende der Pfeiler in eleganten Bögen ausgeführt, die Geländer werden von geschwungenen Stützen gehalten und mit Rosetten und Bögelchen verziert. Filigrane Leichtigkeit in Schwermetall.

26 Vorhaben im Regierungsbezirk

Förderung Kürzlich hat das Verkehrsministerium in Stuttgart mitgeteilt, die Landkreise und Kommunen bei der Brückensanierung zu unterstützen. In diesem Jahr stünden 43 Millionen Euro zur Verfügung. Damit würden Investitionen mit einem Volumen von 115 Millionen Euro angestoßen. Die Donaubrücke in Erbach ist eines von 26 geförderten Vorhaben im Regierungsbezirk Tübingen.

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