Langenau / THOMAS STEIBADLER  Uhr
Mehr Wasser aus der Donau will die Landeswasserversorgung in ihrem Langenauer Werk aufbereiten. Die bauliche Voraussetzung wird durch die neue Anlage zur Grundwasser-Entkalkung geschaffen.

Bis zu 2300 Liter pro Sekunde darf die Landeswasserversorgung (LW) aus der Donau pumpen. Das ist im Staatsvertrag zwischen Bayern und Baden-Württemberg geregelt. Im Schnitt strömen aber nur um die 900 Liter in der Sekunde durch die Leitungen, in Spitzenzeiten sind es vielleicht 1200 Liter. Viel mehr kann im Wasserwerk in Langenau bislang auch nicht aufbereitet werden. Dort wird das bei Leipheim entnommene Donauwasser in einem sechsstufigen Verfahren gereinigt. Dafür steht eine Aufbereitungsstraße zur Verfügung. Eine zweite Reihe von Reinigungsbecken ist zwar vorhanden, wird aber zur Grundwasser-Entkalkung benötigt.

Die Landeswasserversorgung verkauft jährlich etwa 90 Millionen Kubikmeter Trinkwasser. Davon stammt ungefähr je ein Drittel aus Donauwasser und Grundwasser aus dem Donauried. Letzteres kann seine ursprüngliche Herkunft von der Schwäbischen Alb nicht verleugnen: Der hohe Kalkgehalt führt zu 18 Grad Deutscher Härte. Seit Anfang der 90er Jahre enthärtet oder entkarbonisiert die LW deshalb das Grundwasser. Das Verfahren hat sich nach den Worten von Pressesprecher Bernhard Röhrle bewährt, der so gewonnene Kalkschlamm sei ein wertvoller Sekundärrohstoff.

Der Kalkschlamm, der sich ein bisschen anfühlt wie Zahnpasta, hat allerdings zwei Probleme: der hohe Wassergehalt und die begrenzten Absatzmöglichkeiten. Etwa 40 Tonnen Kalkschlamm werden täglich in Langenau produziert, Abnehmer sind Papierhersteller in Deutschland. Die Landeswasserversorgung sei also von wenigen Kunden abhängig und den Schwankungen eines Markts unterworfen, sagt Pressesprecher Röhrle. Damit soll Mitte nächsten Jahres Schluss sein.

"Schnell-Entkarbonisierung" heißt das Verfahren, das die Landeswasserversorgung in den vergangenen Monaten entwickelt hat. Der sogenannte Versuchsreaktor, eine etwa zehn Meter hohe Apparatur, hat Röhrle zufolge seine Probezeit bestanden. Nun wird er abmontiert und zusammen mit fünf weiteren Reaktoren in einem benachbarten Gebäude wieder aufgebaut. Mitte 2016 soll die komplette Anlage in Betrieb gehen und die bisherige Entkalkung ersetzen. Somit werden die Becken frei für die zweite Straße der Donauwasseraufbereitung. Deren Kapazität soll Röhrle zufolge aber nur in Zeiten des Spitzenbedarfs und bei niedrigem Grundwasserstand ausgeschöpft werden. Dass die LW zuviel Wasser aus der Donau abzapft, sei nicht zu befürchten. Gerade mal ein Prozent des durchschnittlichen Durchflusses werde bislang in Leipheim abgepumpt, künftig maximal zwei Prozent.

Statt Kalkschlamm werden in Langenau künftig Kalkpellets produziert (siehe Infokasten). Diese Kügelchen können laut dem LW-Sprecher in mehreren Industriezweigen verwendet werden: Papierherstellung, Kunststoffproduktion, Pharmazie. Dank der größeren Vermarktungsmöglichkeiten werde sich die Investition von insgesamt zehn Millionen Euro rechnen, sagt Röhrle. Die LW sei von der Technik so überzeugt, dass sie auch im Egau-Wasserwerk in Dischingen (Kreis Heidenheim) zum Einsatz kommen soll. Dort würden vier Millionen Euro investiert.

Grobkörnig und nur halb so schwer wie Schlamm

Kalkpellets Die Kügelchen erinnern an grobkörniges Salz. "Hochreiner Kalk", sagt Bernhard Röhrle, Pressesprecher der Landeswasserversorgung (LW). In deren Langenauer Wasserwerk sollen von Mitte 2016 an täglich etwa 20 Tonnen dieser Kalkpellets produziert werden. Das entspricht etwa der Hälfte der Menge von Kalkschlamm, der bislang bei der Entkarbonisierung des Grundwassers anfällt. Im Gegensatz zum Schlamm sind die Pellets ziemlich trocken, so dass weniger Transportkosten anfallen dürften. Röhrle: "Wir fahren kein Wasser mehr spazieren." Die industriellen Einsatzmöglichkeiten der Pellets seien vielfältig, zur Not könnten damit sogar ausgebeutete Steinbrüche aufgefüllt werden. "Aber dafür ist das Material eigentlich zu schade."

SWP